Von der Kinwords Redaktion
Familie7 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Tag der offenen Tür an der weiterführenden Schule: Checkliste für Eltern

Kurz gesagt: Der Tag der offenen Tür einer weiterführenden Schule liegt meist zwischen November und Februar, vor der Anmeldung. Wähl zwei bis vier Schulen aus, nimm dein Kind mit und frag gezielt nach Klassengröße, Nachmittagsbetreuung, Fremdsprachen, Förderangeboten, Umgang mit Mobbing und Handy-Regeln. Sprecht danach in Ruhe darüber, was euch im Alltag wirklich wichtig ist.

Im Herbst der 4. Klasse füllt sich der Familienkalender: Gymnasium am Freitag, Gesamtschule am Samstag, die Realschule am Dienstag darauf. Der Tag der offenen Tür an der weiterführenden Schule ist für viele Familien der erste echte Kontakt mit der Schule, auf die das Kind ab Herbst gehen soll. Überall gibt es Chemie-Experimente, Theaterauftritte und Waffeln vom Förderverein. Und am Ende des Tages weißt du oft nicht mehr, welche Schule eigentlich welche war.

Mit ein bisschen Vorbereitung holst du aus diesen Besuchen viel mehr heraus. Hier findest du, wann die Termine liegen, welche Fragen du stellen kannst, worauf dein Kind selbst achten darf und wie ihr nach mehreren Besuchen gemeinsam zu einer Entscheidung kommt. Ob dein Kind überhaupt aufs Gymnasium, die Realschule oder die Mittelschule wechseln soll, ist eine eigene Frage. Dazu findest du mehr im Ratgeber Mittelschule oder Realschule: Welche Schule passt zu meinem Kind?.

Wann sind die Tage der offenen Tür?

In Deutschland und Österreich liegen die meisten Termine im Winter, grob zwischen November und Februar. Der Grund ist einfach: Die Anmeldung an der weiterführenden Schule läuft in vielen Bundesländern im Februar oder März, oft rund um das Halbjahreszeugnis. Bis dahin sollen Familien die Schulen gesehen haben. Manche Schulen bieten zusätzlich Infoabende nur für Eltern, Schnuppertage oder Unterrichtsbesuche an.

Feste Regeln für alle gibt es nicht. Jede Schule setzt ihre Termine selbst, und die Anmeldefristen unterscheiden sich je nach Bundesland in Deutschland und Österreich. In der Schweiz läuft der Übertritt in die Oberstufe meist erst nach der 6. Klasse und je nach Kanton anders, oft ohne freie Wahl der Schule.

Praktisch heißt das: Schau ab September auf die Websites der Schulen, die infrage kommen, und trag die Termine gleich in den Familienkalender ein. Gute Termine sind schnell voll, manche Schulen vergeben für Führungen Zeitfenster mit Anmeldung.

Wie bereiten wir uns auf den Besuch vor?

1. Vorauswahl treffen. Zwei bis vier Schulen reichen für die meisten Familien. Sortier vorher aus, was wegen Schulform, Schulweg oder fehlendem Angebot ohnehin nicht passt. Wenn noch unklar ist, welche Schulform zu deinem Kind passt, hilft der Ratgeber Schulempfehlung Grundschule: Was tun, wenn Eltern anderer Meinung sind.

2. Website und Schulprogramm lesen. Was schreibt die Schule über sich? Gibt es Profilklassen, etwa mit Schwerpunkt Musik, Sport oder Naturwissenschaften? Wie lange dauert der Schultag? So musst du vor Ort nicht nach Dingen fragen, die schon online stehen, und hast Zeit für die wirklich wichtigen Fragen.

3. Mit deinem Kind sprechen. Frag vorher, worauf es neugierig ist: „Was möchtest du an der neuen Schule unbedingt sehen? Was wäre dir wichtig?“ Manche Kinder wollen wissen, ob es eine Bibliothek gibt, andere, ob man in der Pause Fußball spielen darf. Beides ist gut.

4. Fragen aufschreiben. Nimm dir die Checkliste unten mit, am besten auf dem Handy oder auf einem Zettel. Mach dir nach jedem Besuch zwei, drei Notizen, solange die Eindrücke frisch sind.

Welche Fragen solltest du am Tag der offenen Tür stellen?

Die Schulleitung erzählt bei der Begrüßung meist das, was die Schule besonders macht. Den Alltag erfährst du eher im Gespräch mit Lehrkräften, Eltern aus dem Elternbeirat und älteren Schülerinnen und Schülern. Diese Fragen helfen dir dabei:

  • Klassengröße: Wie viele Kinder sind in einer 5. Klasse, und wie viele Klassen startet die Schule pro Jahrgang?
  • Ganztag und Nachmittagsbetreuung: Gibt es verpflichtenden Ganztag oder freiwillige Betreuung? Bis wann, mit Mittagessen und Hausaufgabenzeit? Wenn du noch unsicher bist, was zu deinem Kind passt, lies Ganztagsschule: Ja oder nein?
  • Fremdsprachen: Welche Sprache kommt ab der 5. Klasse dazu, wann die zweite, und gibt es eine Wahl?
  • Profile und Schwerpunkte: Muss man sich schon bei der Anmeldung für ein Profil entscheiden, und kann man später wechseln?
  • Ankommen in der 5. Klasse: Gibt es Kennenlerntage, Patenschaften durch ältere Schüler oder eine feste Klassenlehrkraft mit vielen Stunden?
  • Umgang mit Mobbing: Was passiert konkret, wenn ein Kind ausgegrenzt oder gemobbt wird? Gibt es Schulsozialarbeit und Ansprechpersonen? Eine gute Antwort klingt nach festen Abläufen, nicht nach „Das gibt es bei uns nicht“.
  • Förderangebote: Wie unterstützt die Schule Kinder, die in Mathe oder Deutsch hinterherhängen, und wie Kinder, die sich langweilen?
  • Handy-Regeln: Dürfen Handys mit in die Schule, und wann müssen sie aus sein? Wie ist das in der Pause?
  • Schulweg: Wie kommt dein Kind hin, wie lange dauert das, und fährt in der Früh ein Bus, der zum Stundenplan passt?
  • Kontakt zu den Eltern: Wie erreichst du Lehrkräfte, wie oft gibt es Elternsprechtage, und wie informiert die Schule über Probleme?

Du musst nicht alle Fragen an einem Tag stellen. Wähl die drei, die für eure Familie am wichtigsten sind. Bei den älteren Schülerinnen und Schülern kannst du sagen: „Was magst du an deiner Schule, und was nervt dich?“ Die Antworten sind oft ehrlicher als jede Präsentation.

Worauf soll dein Kind selbst achten?

Dein Kind sieht die Schule mit anderen Augen als du, und das ist wertvoll. Gib ihm zwei, drei einfache Beobachtungsaufträge mit, statt einer langen Liste:

  • Wie fühlt es sich an, durch die Gänge zu gehen? Eng und laut oder eher ruhig?
  • Waren die Lehrkräfte und älteren Schüler freundlich zu dir?
  • Wo würdest du in der Pause gern sein?
  • Was hat dir richtig gut gefallen, und was gar nicht?

Frag am besten noch auf dem Heimweg nach, solange alles frisch ist. Zum Beispiel: „Stell dir vor, du gehst da ab Herbst jeden Tag hin. Wie fühlt sich das an?“ Wenn dein Kind nervös ist vor dem Wechsel, ist das normal. Wie du es dabei begleiten kannst, liest du im Ratgeber Wechsel auf die weiterführende Schule: Angst und Aufregung begleiten.

Was du am Tag der offenen Tür nicht überbewerten solltest

Ein Tag der offenen Tür ist auch eine Werbeveranstaltung. Die Schulen wollen sich von ihrer besten Seite zeigen, und das ist in Ordnung. Behalte aber im Kopf, was davon im Alltag kaum eine Rolle spielt:

  • Die Show: Ein spektakulärer Chemie-Versuch sagt wenig darüber, wie der Mathe-Unterricht an einem normalen Dienstag aussieht.
  • Die neue Ausstattung: Tablets und renovierte Räume sind schön. Wichtiger ist, wie die Lehrkräfte mit Kindern umgehen.
  • Einzelne Begegnungen: Eine unfreundliche Lehrkraft am Infostand heißt nicht, dass dein Kind sie später hat.
  • Der Ruf aus dem Elternchat: Was andere Eltern über eine Schule erzählen, beruht oft auf einzelnen Erfahrungen. Frag nach, worauf sich die Meinung stützt.
  • Wohin die Freunde gehen: Das ist für dein Kind wichtig und darf zählen. Viele Kinder finden aber in der neuen Klasse schnell neue Freundschaften.

Wie entscheidet ihr nach mehreren Besuchen gemeinsam?

Lass die Eindrücke ein paar Tage sacken und setzt euch dann als Familie zusammen. Diese Schritte helfen:

1. Klären, was euch wichtig ist. Schreibt gemeinsam auf, was die neue Schule unbedingt haben muss, zum Beispiel ein kurzer Schulweg, Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr oder eine bestimmte Fremdsprache. Drei bis fünf Punkte reichen.

2. Die Schulen danach vergleichen. Geht die Punkte für jede Schule durch. Oft wird so schnell klar, dass eine Schule zwar beeindruckt hat, aber im Alltag nicht passt.

3. Dein Kind ausreden lassen. Frag offen: „Welche Schule kannst du dir am besten vorstellen, und warum?“ Wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid, hör dir die Gründe an, bevor du deine eigenen nennst.

4. Entscheiden und erklären. Die Entscheidung tragen am Ende die Eltern. Sag deinem Kind, warum ihr euch so entschieden habt, und was ihr von seinen Wünschen berücksichtigt habt. Du könntest sagen: „Uns war wichtig, dass du nicht eine Stunde Bus fahren musst. Deine Wünsche haben wir gehört, und die Theater-AG gibt es dort auch.“

Wenn die Wahl feststeht, beginnt die eigentliche Vorbereitung auf den Wechsel. Tipps für die Monate bis zum ersten Schultag stehen im Ratgeber Übergang aufs Gymnasium: Wie du dein Kind gut vorbereiten kannst. Vieles davon gilt auch für die Realschule, Gesamtschule oder Mittelschule.

Gut zu wissen: Ein Besuch am Tag der offenen Tür ist keine Anmeldung. Für die Anmeldung gelten eigene Fristen und Unterlagen, oft das Halbjahreszeugnis der 4. Klasse und je nach Bundesland die Schulempfehlung oder Schullaufbahnempfehlung. Ist eine Schule sehr gefragt, entscheiden manchmal Kriterien wie Schulweg oder Geschwisterkinder über die Aufnahme. Frag deshalb am Tag der offenen Tür direkt nach dem Ablauf und nach einer Zweitwahl.

Häufige Fragen

Wann finden die Tage der offenen Tür an weiterführenden Schulen statt?

Meist im Winter, also zwischen November und Februar, damit Familien vor der Anmeldung alles gesehen haben. Die Anmeldefristen selbst liegen je nach Bundesland in Deutschland und in Österreich oft im Februar oder März, häufig rund um das Halbjahreszeugnis. Die genauen Termine legt jede Schule selbst fest. Schau ab dem Herbst der 4. Klasse auf die Websites der Schulen und notiere dir die Daten.

Wie viele Schulen sollten wir uns anschauen?

Zwei bis vier Schulen sind für die meisten Familien gut machbar. Mehr Besuche bringen selten mehr Klarheit, sondern eher Verwirrung, vor allem für das Kind. Wähle vorher aus, welche Schulen von Schulform, Schulweg und Angebot überhaupt infrage kommen, und besuche dann gezielt diese.

Soll mein Kind zum Tag der offenen Tür mitkommen?

Ja, wenn es irgendwie geht. Dein Kind verbringt dort die nächsten Jahre, und sein Bauchgefühl ist ein wichtiger Hinweis. Viele Schulen bieten eigene Programme für Viertklässlerinnen und Viertklässler an, etwa Schnupperstunden, Experimente oder Führungen durch ältere Schülerinnen und Schüler.

Welche Fragen sollte ich am Tag der offenen Tür stellen?

Frag nach dem Alltag, nicht nur nach dem Programm: Wie groß sind die Klassen in der 5. Klasse? Wie läuft die Nachmittagsbetreuung? Wann beginnt die zweite Fremdsprache? Was passiert konkret, wenn ein Kind gemobbt wird? Welche Förderangebote gibt es bei Schwächen? Wie sind die Handy-Regeln? Und frag die älteren Schülerinnen und Schüler, was sie an der Schule mögen und was nicht.

Was ist, wenn mein Kind eine andere Schule will als wir?

Nimm die Gründe deines Kindes ernst und frag nach, was genau es an der Schule mag. Oft steckt etwas Wichtiges dahinter, zum Beispiel Freundinnen und Freunde oder eine Lehrkraft, die freundlich war. Leg dann gemeinsam fest, was euch allen wichtig ist, und vergleicht die Schulen danach. Die Entscheidung tragen am Ende die Eltern, aber dein Kind sollte sich gehört fühlen.

Was mache ich, wenn wir den Tag der offenen Tür verpasst haben?

Ruf im Sekretariat an oder schreib eine Mail. Viele Schulen bieten zusätzliche Infoabende, Beratungstermine oder Schnuppertage an, manche auch eine individuelle Führung. Auch ein Gespräch mit Eltern, deren Kinder schon dort sind, hilft dir weiter.

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