Schulabschluss nachholen: Wege und was Eltern wissen sollten
Kein Abschluss nach der Pflichtschule ist keine Sackgasse. Welche Wege es gibt und wie Eltern ihr Kind dabei unterstützen können.
Warum es wichtig ist, jetzt zu handeln
Ohne Schulabschluss schließen viele Ausbildungswege, manchmal sogar einfache Bewerbungen. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, nicht zu warten. Je früher sich Jugendliche für einen Nachhol-Weg entscheiden, desto weniger Zeit geht verloren. Eltern können dabei helfen, indem sie den ersten Schritt gemeinsam gehen, also das erste Beratungsgespräch vereinbaren.
Wichtig: Nicht jeder Weg passt zu jedem Kind. Wer in einer normalen Schulklasse gescheitert ist, schafft das Nachholen vielleicht in einer kleineren Gruppe oder in einer Kombination aus Praxis und Theorie besser.
Die wichtigsten Wege im Überblick
Volkshochschule (VHS)
In fast jeder Stadt gibt es VHS-Kurse zum Nachholen von Haupt- oder Realschulabschluss. Oft auch abends oder am Wochenende, damit Beruf und Abschluss kombinierbar sind. Kosten sind gering, manchmal kostenlos mit Förderbescheiden.
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB)
Finanziert von der Agentur für Arbeit, richtet sich an Jugendliche ohne Abschluss. Kombination aus beruflicher Orientierung und schulischem Abschluss. Vorteil: kostenfrei und mit persönlichem Ansprechpartner. Anmeldung über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit.
Abendschule und Berufsschule
Abendschulen erlauben den Abschluss parallel zur Arbeit oder Ausbildung. Einige Bundesländer ermöglichen das Nachholen auch im Rahmen einer Berufsschulpflicht, wenn der Jugendliche eine Ausbildung beginnt.
Alternative Schulformen
Produktionsschulen und Jugendwerkstätten verbinden praktisches Arbeiten mit Schule und sprechen Jugendliche an, die in klassischen Schulklassen nicht funktioniert haben. Diese Angebote variieren stark je nach Region.
Wie Eltern konkret helfen können
Den Jugendlichen nicht allein mit der Recherche lassen. Ein gemeinsamer Termin bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit ist ein guter erster Schritt. Dort gibt es eine persönliche Bestandsaufnahme und konkrete Empfehlungen für den Wohnort.
Gleichzeitig: nicht zu viel Druck aufbauen. Jugendliche, die bereits schlechte Schulerfahrungen gemacht haben, brauchen das Gefühl, dass der neue Versuch ihr eigener Entschluss ist, nicht eine elterliche Forderung.
Kurz zusammengefasst
- 1.Kein Abschluss nach der Schule ist keine Sackgasse: Volkshochschule, BvB und Abendschule sind reale Wege.
- 2.Erster Schritt: Termin bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, das ist kostenlos und vor Ort.
- 3.Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit sind komplett kostenlos und kombinieren Abschluss mit Orientierung.
- 4.Nicht zu viel Druck: der Jugendliche muss den neuen Anlauf als seinen eigenen erleben.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann mein Kind einen Schulabschluss nachholen?
In Deutschland gibt es keine einheitliche Altersgrenze. Grundsätzlich können Jugendliche nach der Schulpflicht, also ab 16 oder 18 Jahren je nach Bundesland, an Abendschulen, Berufsschulen oder über Volkshochschulen Abschlüsse nachholen. Manche Wege stehen auch jüngeren Jugendlichen offen, etwa über alternative Schulformen oder Produktionsschulen.
Kann mein Kind den Hauptschulabschluss nachholen, ohne zurück in die Regelschule zu gehen?
Ja. Es gibt mehrere Wege: Volkshochschulen bieten Kurse zum Nachholen des Hauptschulabschlusses an, teilweise auch als Fernkurs. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit ermöglichen den Abschluss parallel zur Vorbereitung auf eine Ausbildung. Abendschulen in größeren Städten bieten Vollzeitkurse an.
Was kostet es, einen Schulabschluss nachzuholen?
An Volkshochschulen sind die Kurse oft günstig, manchmal kostenlos bei bestimmten Förderungen. Abendschulen können Gebühren erheben. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Kosten von Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen vollständig, wenn das Kind als förderungsberechtigt anerkannt wird. Es lohnt sich, bei der lokalen Agentur für Arbeit nachzufragen.
Wer hilft uns herausfinden, welcher Weg für unser Kind am besten passt?
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ist ein guter erster Anlaufpunkt: kostenlos, bundesweit und auf Jugendliche spezialisiert. Auch Jugendberatungsstellen und Schulpsychologen können bei der Orientierung helfen. Der Vorteil gegenüber einer einfachen Internetrecherche: Die Beratung kennt die konkreten Angebote am Wohnort.