Rissige Hände und Lippen beim Kind im Winter: Was hilft?
Rissige Hände und aufgesprungene Lippen beim Schulkind im Winter: Ursachen, eine einfache Pflege-Routine für Schule und Zuhause und wann du zum Arzt gehst.
Kurz gesagt: Rissige Hände und aufgesprungene Lippen beim Kind sind im Winter sehr häufig. Kälte, trockene Heizungsluft und häufiges Händewaschen in der Schule trocknen die Haut aus, bei den Lippen kommt oft das ständige Ablecken dazu. Was hilft: lauwarm waschen, gut abtrocknen, danach eine fetthaltige Creme, draußen Handschuhe und ein neutraler Lippenpflegestift in der Schultasche. Bessert sich die Haut nach etwa zwei Wochen nicht, blutet, nässt oder juckt sie stark, lass sie in der Kinderarztpraxis anschauen.
Dein Kind kommt aus der Schule, die Knöchel sind rot und rau, an den Fingerkuppen sind kleine Risse, und rund um den Mund zieht sich ein roter, schuppiger Rand. Beim Händewaschen brennt es, beim Lachen spannen die Lippen. Das ist unangenehm, aber in den allermeisten Fällen harmlos und mit einer einfachen Routine gut in den Griff zu bekommen. Dieser Ratgeber zeigt dir, warum die Haut im Winter so leidet, welche Pflege wirklich hilft, was du dir sparen kannst und wann mehr dahinterstecken könnte.
Warum werden Hände und Lippen im Winter rissig?
Gesunde Haut schützt sich mit einem dünnen Film aus Fett und Feuchtigkeit. Im Winter wird dieser Schutz von mehreren Seiten gleichzeitig angegriffen:
- Kälte: Bei niedrigen Temperaturen produziert die Haut weniger Talg. Sie wird dünner geschützt und trocknet schneller aus, vor allem an Handrücken, Knöcheln und Lippen.
- Heizungsluft: In beheizten Klassenzimmern und Wohnungen ist die Luft oft sehr trocken. Die Haut verliert dort ständig Feuchtigkeit.
- Häufiges Händewaschen: In der Schule waschen Kinder sich mehrmals am Tag die Hände, oft mit Seife aus dem Spender und mal heißem, mal kaltem Wasser. Seife löst nicht nur Schmutz, sondern auch die schützenden Hautfette.
- Nasse Hände in der Kälte: Werden die Hände nur halb abgetrocknet und geht es dann in die Pause hinaus, reißt die Haut besonders leicht ein.
- Lippen ablecken: Die Lippen haben keine Talgdrüsen und kaum eigenen Schutz. Leckt dein Kind sie ab, fühlen sie sich kurz feucht an, trocknen danach aber umso stärker aus.
Manche Kinder sind stärker betroffen als andere. Wer von Natur aus trockene Haut hat oder zu Allergien neigt, merkt den Winter oft schon im November an den Händen.
Das Lippenleckekzem: Wenn der rote Rand um den Mund bleibt
Viele Eltern wundern sich über einen scharf begrenzten, roten und schuppigen Rand rund um den Mund ihres Kindes. Meist ist das ein sogenanntes Lippenleckekzem. Es entsteht genau dort, wo die Zunge hinkommt. Der Speichel verdunstet und nimmt dabei Feuchtigkeit aus der Haut mit, außerdem reizen die Verdauungsstoffe im Speichel die Haut.
Daraus wird schnell ein Kreislauf: Die Haut spannt, dein Kind leckt darüber, weil es kurz Erleichterung bringt, und danach spannt es noch mehr. Viele Kinder merken gar nicht, wie oft sie das tun. Schimpfen hilft hier wenig. Besser ist, es freundlich darauf aufmerksam zu machen, ein gemeinsames Zeichen zu vereinbaren und die Haut so gut zu pflegen, dass der Drang zum Lecken nachlässt.
Was hilft bei rissigen Händen? Die Pflege-Routine
Die wichtigste Regel lautet: Fett zurückgeben, was Wasser und Seife wegnehmen. Eine Routine, die sich im Familienalltag bewährt hat:
- Lauwarm statt heiß waschen: Heißes Wasser löst die Hautfette stärker. Eine milde, parfümfreie Waschlotion ist schonender als stark schäumende oder duftende Seifen.
- Gründlich abtrocknen: Auch zwischen den Fingern. Tupfen ist sanfter als Rubbeln.
- Direkt danach eincremen: Am besten innerhalb weniger Minuten, solange die Haut noch etwas Feuchtigkeit hat. Im Winter eignen sich fetthaltige Cremes, Wasser-in-Öl-Cremes oder Salben besser als leichte Lotionen.
- Vor dem Rausgehen eincremen: Eine dünne Schicht schützt vor Wind und Kälte. Das klappt gut als fester Schritt beim Jacke-Anziehen.
- Handschuhe auf dem Schulweg und in der Pause: Werden sie nass, sollten sie nicht feucht an den Händen bleiben. Ein zweites Paar in der Schultasche hilft an Schneetagen.
- Abends dicker auftragen: Vor dem Schlafen darf die Creme ruhig großzügig sein. Bei sehr rissigen Händen helfen dünne Baumwollhandschuhe über Nacht, damit die Pflege einziehen kann und nicht im Bettzeug landet.
Für die Schule bewährt sich eine kleine Tube Handcreme in der Federmappe. Frag die Lehrkraft, ob dein Kind sie nach dem Händewaschen benutzen darf, die meisten haben nichts dagegen. Welche Regeln für mitgebrachte Pflegeprodukte gelten, regelt die Schule selbst.
Bei offenen Rissen brennen Cremes mit Harnstoff, auch Urea genannt, oft unangenehm. Für jüngere Kinder sind sie nicht immer empfohlen. Lass dich in der Apotheke oder Kinderarztpraxis beraten, welches Produkt zu deinem Kind passt.
Aufgesprungene Lippen beim Kind: So pflegst du sie
- Neutraler Lippenpflegestift: ohne Duft, ohne Geschmack, ohne Menthol oder Kampfer. Gut geeignet sind einfache Stifte oder Salben mit Vaseline, Bienenwachs oder Sheabutter.
- Ein Stift für die Schultasche, einer für zuhause: So ist die Pflege immer griffbereit, vor allem vor der Pause und nach dem Essen.
- Auch die Haut um den Mund pflegen: Beim Lippenleckekzem gehört die fettende Salbe auch auf den roten Rand, nicht nur auf die Lippen.
- Mund und Kinn schützen: Ein Schal oder Loop über dem Mund hält auf dem Schulweg den kalten Wind ab.
- Genug trinken: Trinken allein heilt keine rissigen Lippen, aber wer zu wenig trinkt, hat oft auch trockenere Schleimhäute. Tipps dazu findest du im Ratgeber Kind trinkt zu wenig in der Schule.
Hilfreich ist auch, die Luft zuhause nicht zu stark aufzuheizen und regelmäßig kurz stoßzulüften. Im Kinderzimmer reichen für die Nacht meist etwa 16 bis 18 Grad.
Was nicht hilft oder es schlimmer macht
- Lipgloss und Lippenstifte mit Geschmack: Sie schmecken gut und verführen genau deshalb zum Ablecken.
- Hautfetzen abziehen: Abgerissene Hautschüppchen an Lippen oder Nagelrand hinterlassen kleine Wunden, die sich entzünden können. Lieber eincremen, bis sie von selbst abfallen.
- Sehr heißes Wasser: fühlt sich an kalten Tagen gut an, trocknet die Haut aber zusätzlich aus.
- Parfümierte Cremes und Duschgele: Duftstoffe können gereizte Haut weiter reizen.
- Kortisoncreme auf eigene Faust: Sie kann bei einem Ekzem sinnvoll sein, gehört aber in ärztliche Hände. Nutze keine Reste aus der Hausapotheke ohne Rücksprache.
Händedesinfektionsmittel brennt auf offenen Rissen oft stark. Wenn dein Kind deswegen das Händewaschen meidet, sprich mit der Lehrkraft. Meist lässt sich eine Lösung finden, zum Beispiel Waschen mit milder Seife und anschließendes Eincremen.
Wann solltest du mit deinem Kind zum Arzt gehen?
Trockene, raue Winterhaut braucht in der Regel keine Ärztin und keinen Arzt. Lass die Haut aber in der Kinderarztpraxis anschauen, wenn du eines dieser Zeichen bemerkst:
- die Haut bessert sich trotz konsequenter Pflege nach etwa zwei Wochen nicht
- tiefe Risse bluten immer wieder, nässen oder eitern
- es bilden sich honiggelbe Krusten, das kann auf eine bakterielle Hautinfektion hinweisen, die ansteckend ist
- an den Lippen tauchen kleine, schmerzhafte Bläschen auf, die an Lippenherpes denken lassen
- die Mundwinkel sind über längere Zeit eingerissen und heilen nicht
- die Haut juckt so stark, dass dein Kind sich blutig kratzt oder nachts nicht schlafen kann
- trockene, juckende, gerötete Stellen zeigen sich auch in den Armbeugen, Kniekehlen, am Hals oder im Gesicht
Vor allem der letzte Punkt kann ein Hinweis auf eine Neurodermitis sein, eine chronische, schubweise verlaufende Hauterkrankung. Der Winter ist für viele betroffene Kinder eine schwierige Zeit. Wie sie erkannt und behandelt wird und wie du dein Kind im Alltag unterstützt, liest du im Ratgeber Neurodermitis beim Kind: Was hilft und wie Eltern unterstützen. Treten die Beschwerden immer nach Kontakt mit bestimmten Stoffen auf, etwa einem neuen Waschmittel oder einer bestimmten Creme, kann auch eine Allergie dahinterstecken. Mehr dazu im Ratgeber Allergien beim Kind erkennen.
Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450. In der Schweiz ist die Hausarztpraxis oder die kantonale Notfallnummer die erste Anlaufstelle. Bei rissiger Haut ist das allerdings fast nie nötig.
So wird die Pflege zur Gewohnheit
Schulkinder vergessen das Eincremen schnell, besonders wenn die Haut gerade nicht wehtut. Hilfreich ist, die Pflege an feste Momente zu knüpfen: nach dem Zähneputzen, beim Jacke-Anziehen, nach dem Händewaschen vor dem Essen. Lass dein Kind seine Creme und seinen Lippenstift selbst aussuchen, natürlich unter den neutralen Produkten. Was es selbst gewählt hat, benutzt es lieber.
Lob hilft mehr als Erinnern. Ein kurzer Blick auf die Hände am Abend und ein ehrliches „Schau mal, die Risse sind schon viel kleiner“ motivieren, dranzubleiben. Meist ist die Haut nach ein bis zwei Wochen guter Pflege deutlich glatter. Dann kannst du die Routine etwas lockern, solltest sie aber über den ganzen Winter nicht ganz aufgeben.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn die Haut deines Kindes trotz Pflege nicht heilt, nässt, eitert, Bläschen oder honiggelbe Krusten bildet oder stark juckt, lass sie in der Kinderarztpraxis anschauen. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450.
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Häufige Fragen
Warum bekommt mein Kind im Winter so schnell rissige Hände?
Kälte draußen und trockene Heizungsluft drinnen entziehen der Haut Feuchtigkeit, die Talgdrüsen arbeiten bei Kälte langsamer. Dazu kommt häufiges Händewaschen in der Schule mit Seife und das Trocknen an Papiertüchern. Bleiben die Hände nach dem Waschen feucht und gehen dann in die Kälte, reißt die Haut an Knöcheln und Fingerkuppen besonders leicht ein.
Welche Creme hilft bei rissigen Kinderhänden?
Am besten wirkt eine fetthaltige, möglichst parfümfreie Creme, im Winter gern eine Wasser-in-Öl-Creme oder eine Salbe. Trag sie nach jedem Händewaschen und vor dem Rausgehen dünn auf, abends ruhig etwas dicker. Cremes mit Harnstoff können auf offenen Rissen brennen. Lass dich bei kleineren Kindern in der Apotheke oder Kinderarztpraxis beraten.
Was ist ein Lippenleckekzem?
Ein Lippenleckekzem ist ein geröteter, trockener und oft schuppiger Rand rund um den Mund. Er entsteht, wenn ein Kind die Lippen ständig ableckt: Der Speichel verdunstet, trocknet die Haut weiter aus und reizt sie. Daraus wird ein Kreislauf aus Spannen, Lecken und noch mehr Trockenheit. Fettende Pflege und sanftes Abgewöhnen des Leckens helfen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Sind Lippenpflegestifte mit Geschmack für Kinder geeignet?
Besser nicht. Stifte mit Erdbeer-, Vanille- oder Kirschgeschmack verleiten dazu, die Lippen abzulecken, und genau das hält das Problem am Laufen. Nimm lieber einen neutralen, parfümfreien Stift ohne Menthol oder Kampfer, zum Beispiel mit Vaseline, Bienenwachs oder Sheabutter. Kinder mit empfindlicher Haut vertragen Produkte ohne Duftstoffe meist am besten.
Wann sollte ich mit rissigen Händen oder Lippen zum Arzt?
Geh in die Kinderarztpraxis, wenn sich die Haut trotz guter Pflege nach etwa zwei Wochen nicht bessert, die Risse bluten, nässen oder eitern, honiggelbe Krusten oder Bläschen auftauchen, die Haut stark juckt und den Schlaf stört oder sich auch an Armbeugen, Kniekehlen oder im Gesicht trockene, juckende Stellen zeigen. Dann kann eine Neurodermitis oder eine Infektion dahinterstecken.
Kann ich mit der Schule wegen Seife und Handcreme reden?
Ja. Viele Lehrkräfte erlauben, dass dein Kind eine kleine Tube Handcreme in der Federmappe oder Schultasche hat und sie nach dem Händewaschen benutzt. Hat dein Kind eine bekannte Hauterkrankung, kann ein kurzer Hinweis an die Klassenleitung helfen. Welche Regeln für mitgebrachte Pflegeprodukte gelten, regelt die Schule selbst.