Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Nachtschrecken bei Kindern: was Eltern wissen müssen

Kurz gesagt: Beim Nachtschrecken (Pavor nocturnus) schreien Kinder nachts, haben die Augen offen, lassen sich nicht trösten – und erinnern sich morgens an nichts. Das ist kein Albtraum, sondern eine Schlafphase-Störung, die bei 3–5 % der Kinder vorkommt und in der Regel von selbst verschwindet. Eltern sollten nicht versuchen, das Kind aufzuwecken, sondern ruhig daneben bleiben und warten.

Nachtschrecken versus Albtraum: der Unterschied

Eltern erleben Nachtschrecken oft als erschreckender als ihr Kind. Das Kind sitzt aufrecht im Bett, schreit, hat glasige oder weit geöffnete Augen, schwitzt – und reagiert trotzdem nicht auf Trost, Umarmungen oder Namen. Das liegt daran, dass das Kind nicht wirklich wach ist.

Beim Nachtschrecken wacht das Gehirn aus dem Tiefschlaf unvollständig auf – ein Zustand zwischen Schlafen und Wachen, der als Parasomnien bezeichnet wird. Das Kind erlebt dabei keinen Traum. Am nächsten Morgen erinnert es sich an absolut nichts.

Beim Albtraum hingegen wacht das Kind aus dem REM-Schlaf (Traumschlaf) auf, ist sofort voll wach, kann den Traum beschreiben, sucht Trost und hat Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen.

Wann Nachtschrecken auftreten

Nachtschrecken ereignen sich typischerweise in den ersten ein bis vier Stunden nach dem Einschlafen, also in der Tiefschlafphase. Sie sind am häufigsten bei Kindern zwischen drei und acht Jahren, können aber auch bei Schulkindern bis zwölf vorkommen. Die Episoden dauern meist fünf bis fünfzehn Minuten und enden damit, dass das Kind sich von selbst beruhigt und weiterschläft.

Was Nachtschrecken auslöst

Nachtschrecken treten häufiger auf, wenn das Kind übermüdet ist, krank ist, Fieber hat oder seinen Schlafrhythmus verändert hat – zum Beispiel nach Reisen, Ferienstress oder bei Schulstart. Auch Schlafmangel, zu spätes Zubettgehen oder emotionaler Stress (Prüfungen, Streit) können die Häufigkeit erhöhen.

Es gibt eine starke genetische Komponente: Wenn ein Elternteil als Kind ebenfalls unter Nachtschrecken oder Schlafwandeln gelitten hat, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht.

Wie Eltern richtig reagieren

Der wichtigste Grundsatz: nicht versuchen, das Kind aufzuwecken. Das Aufwecken aus dem Tiefschlaf ist für das Kind unangenehm und verlängert die Verwirrtheit. Es hilft auch nicht, das Kind festzuhalten oder zu umarmen – das kann die Aufregung sogar steigern.

Stattdessen: ruhig danebenstehen oder -sitzen, mit ruhiger Stimme sprechen (auch wenn keine Reaktion kommt), sicherstellen, dass das Kind sich nicht verletzt – und warten. Die meisten Episoden enden nach fünf bis fünfzehn Minuten von selbst, das Kind schläft danach weiter.

Was vorbeugend helfen kann

  • Regelmäßige Schlafenszeiten – Übermüdung ist der häufigste Auslöser
  • Eine entspannte Abendroutine ohne aufregende Spiele oder Bildschirmzeit
  • Ausreichend Schlaf – Grundschulkinder brauchen neun bis elf Stunden
  • Ein kühles, ruhiges Schlafzimmer – Überhitzung kann Tiefschlaf-Aufwachprozesse begünstigen

Wann zum Arzt

Gelegentliche Nachtschrecken, die das Kind morgens nicht belasten, brauchen keine Behandlung. Ein Kinderarzt sollte hinzugezogen werden, wenn Nachtschrecken mehrmals pro Woche auftreten, wenn das Kind dabei umherläuft, wenn Episoden länger als dreißig Minuten dauern oder wenn das Kind tagsüber erschöpft oder ängstlich wirkt.

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Häufige Fragen

Warum wacht mein Kind beim Nachtschrecken nicht auf?

Beim Nachtschrecken (Pavor nocturnus) befindet sich das Kind im Tiefschlaf – das Gehirn ist in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Das Kind erlebt keinen Traum, den es sich merkt, und ist trotz offener Augen, Schreien oder Umherschauen nicht wirklich wach. Deshalb reagiert es nicht auf Ansprache und erinnert sich am nächsten Morgen an nichts.

Sollte ich mein Kind beim Nachtschrecken aufwecken?

Nein. Das Aufwecken aus dem Tiefschlaf ist für das Kind unangenehm und verlängert oft die Episode. Am besten: ruhig daneben stehen, sicherstellen, dass das Kind sich nicht verletzt, und warten bis es sich von selbst beruhigt. Das dauert meist fünf bis fünfzehn Minuten. Danach schläft das Kind in der Regel problemlos weiter.

Ab wann sollte ich mit dem Kind zum Arzt?

Wenn Nachtschrecken mehrmals pro Woche auftreten, wenn das Kind dabei umherläuft und sich gefährdet (Schlafwandeln), wenn die Episoden länger als dreißig Minuten dauern oder wenn das Kind tagsüber sehr müde ist, lohnt ein Gespräch mit dem Kinderarzt. In seltenen Fällen steckt eine neurologische Ursache dahinter, die abgeklärt werden sollte.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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