Kind wird gemobbt: Was Eltern konkret tun koennen
Kurz gesagt: Wenn dein Kind gemobbt wird, sind drei Dinge wichtig: zuhoeren ohne sofort zu handeln, mit der Schule sprechen statt selbst mit den anderen Eltern, und deinem Kind zeigen, dass es nicht allein ist. Mobbing loest sich selten von selbst, aber mit dem richtigen Vorgehen ist es aufloesbar.
Dein Kind kommt weinend nach Hause. Niemand wolle mit ihm spielen, die anderen haetten es wieder ausgelacht, sein Pausenbrot wurde weggeworfen. Du fuehst dich hilflos und weisst nicht, was du tun sollst.
Mobbing ist kein normaler Schulstreit. Es ist ein wiederholtes Muster, bei dem ein Kind systematisch ausgegrenzt, beleidigt oder koerperlich schikaniert wird. Und es tut weh, laenger, als viele Erwachsene glauben.
Zuerst zuhoeren, dann handeln
Der erste Fehler, den viele Eltern machen, ist zu schnell zu handeln. Das Kind erzaehlt etwas, und noch am selben Abend wird bei der Schule angerufen oder den anderen Eltern eine Nachricht geschrieben. Das Ergebnis ist oft, dass das Kind sich ueberfahren fuehlt und beim naechsten Mal nichts mehr erzaehlt.
Lass dein Kind zunaechst alles erzaehlen. Frag nach, ohne zu werten: Wann ist das passiert? Wer war dabei? Wie oft schon? Zeig, dass du glaubst, was dein Kind sagt. Saetze wie "So schlimm wird das nicht sein" helfen nicht, auch wenn du das Kind beruhigen willst.
Dokumentieren und zur Schule gehen
Ein Tagebuch anlegen
Schreib auf, was dein Kind dir berichtet: Datum, was passiert ist, wer beteiligt war. Das klingt buerokratisch, hilft aber in Gespraechen mit der Schule enorm. Wenn du sagen kannst "Das ist an diesen fuenf Tagen passiert", wirkt das glaubwuerdiger als ein allgemeines "Es passiert immer wieder".
Das Gespraech mit der Schule
Bitte um einen Termin mit der Klasslehrkraft, nicht nur um eine kurze Nachricht. Erklaere sachlich, was du weisst, und frag, was die Schule tun wird. Schulen sind verpflichtet, Mobbing ernst zu nehmen. Wenn du das Gefuehl hast, dass die Lehrkraft das Problem herunterspielt, wende dich an die Schulleitung oder an den schulischen Beratungsdienst.
Wichtig: Frag beim naechsten Termin nach, was passiert ist. Nicht jede Massnahme wirkt sofort. Aber du solltest in ein bis zwei Wochen eine Rueckmeldung bekommen.
Was Schulen tun koennen
Gute Schulen haben klare Mobbingprotokolle: Einzel- und Gruppengespraeche, Regelungen fuer Pausen, eventuell Klassenkonferenzen oder die Einbeziehung eines Schulmediators. Manche Schulen arbeiten mit dem No-Blame-Approach, einem Programm, das Mobbing loest, ohne Schuldzuweisungen. Das klingt seltsam, zeigt aber gute Ergebnisse.
Dein Kind zu Hause begleiten
Warte nicht nur auf die Schule. Dein Kind braucht zu Hause Stabilitaet und das Gefuehl, dass es einen sicheren Ort hat.
- Regelmaessig nachfragen, ohne zu bohren. "Wie war das heute mit den anderen?" gibt mehr als "Wurde wieder gemobbt?"
- Soziale Kontakte ausserhalb der Schule staerken. Ein Sport, ein Verein, eine Gruppe wo dein Kind gute Erfahrungen macht, puffert.
- Dem Kind nicht das Gefuehl geben, schuld zu sein. Saetze wie "Hast du dich vielleicht falsch verhalten?" helfen nicht und machen das Kind kleiner.
- Wenn dein Kind sehr zurueckgezogen ist, schlecht schlaeft oder nicht mehr in die Schule will: Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutische Unterstuetzung suchen.
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Haeufige Fragen
Soll ich direkt mit dem Mobbing-Kind oder seinen Eltern reden?
Das wird meistens nicht empfohlen. Der direkte Kontakt eskaliert haeufig, weil die andere Seite die Situation anders wahrnimmt oder ihr Kind verteidigt. Besser ist es, das Gespraech ueber die Schule zu fuehren. Die Schulleitung oder ein Beratungslehrer kann als neutrale Vermittlerin auftreten.
Mein Kind will nicht, dass ich etwas tue. Was jetzt?
Das ist haeufig. Kinder befuerchten, dass die Situation schlimmer wird, wenn Erwachsene eingreifen, oder dass sie als Petze gelten. Erklaere deinem Kind, dass du nichts tust ohne sein Wissen und seine Zustimmung, ausser es ist in Gefahr. Dann koennt ihr zusammen entscheiden, was der naechste Schritt ist.
Ab wann ist es Mobbing und ab wann einfach ein Streit?
Mobbing hat drei Kennzeichen: Es passiert wiederholt, es besteht ein Machtgefaelle (das Opfer kann sich nicht gleichwertig wehren), und es ist absichtlich. Ein einmaliger Streit oder eine Auseinandersetzung unter Gleichgestellten ist noch kein Mobbing, auch wenn sie verletzend ist. Wenn du dir unsicher bist, hilft ein Gespraech mit der Beratungslehrkraft.
Mein Kind will die Schule wechseln. Ist das eine Loesung?
Manchmal ja, wenn die Situation festgefahren ist und die Schule nicht genuegend handelt. Aber ein Schulwechsel ist keine Garantie, dass sich etwas aendert, und er bedeutet fuer das Kind, sein soziales Umfeld zu verlassen. Besser ist es, zuerst alle schulinternen Moeglichkeiten auszuschoepfen und den Wechsel als letztes Mittel zu sehen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.
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