Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Maedchen wird in der Klasse ausgegrenzt: Was Eltern tun koennen

Kurz gesagt: Ausgrenzung unter Maedchen ist oft leise: kein Platz am Tisch, kein Einladen zur Party, Gefluesters. Zuerst zuhoeren und nicht sofort handeln. Dann mit der Lehrerin reden, konkret, mit Beispielen. Und dem Kind helfen, Freundschaften auch ausserhalb der Klasse aufzubauen, damit die eine Gruppe nicht alles entscheidet.

Die Tochter kommt nach Hause und sagt, dass sie in der Pause wieder allein war. Oder sie erwaehnt nebenbei, dass alle anderen zur Geburtstagsparty von Lena eingeladen waren, nur sie nicht. Oder sie erklaert einfach, dass sie Schule hasst, ohne mehr zu sagen.

Ausgrenzung unter Maedchen ist schwerer zu greifen als Konflikte unter Jungen. Es gibt kein Schlagen, kein offensichtliches Streitthema. Es ist Ausschluss durch Ignorieren, durch geteilte Geheimnisse, durch die Clique, die zusammenrueckt, wenn jemand Bestimmtes ankommt.

Zuerst: Zuhoeren, bevor man handelt

Der erste Impuls ist, sofort einzugreifen. Zur Schule rennen, mit der Lehrerin reden, die Eltern des anderen Kindes anrufen. Das ist verstaendlich. Meistens hilft es nicht.

Was zuerst hilft: zuhoren, ohne zu werten. "Wie war das fuer dich?" ist besser als "Die sind gemein, das lassen wir nicht durchgehen." Das Kind braucht das Gefuehl, dass man es versteht, nicht nur dass man fuer es kaempft. Und manchmal stellt sich beim Zuhoeren heraus, dass die Situation komplizierter ist als zuerst klingt.

Das Gespraech mit der Lehrerin

Wenn das Kind dauerhaft ausgegrenzt wird, ist das Gespraech mit der Klassenlehrerin der richtige Schritt. Nicht als Beschwerde, sondern als Information: "Meine Tochter erlebt das so. Ich wuerde gern wissen, was Sie beobachten."

Konkrete Beispiele helfen: wann, was, wer war dabei. Allgemeine Klagen wie "sie wird ausgegrenzt" sind fuer eine Lehrerin mit 25 Kindern schwer zu handlen. Konkrete Situationen geben ihr etwas, woran sie anknuepfen kann.

Viele Lehrkraefte reagieren auf solche Hinweise aktiv: Gruppenarbeiten anders einteilen, Pausensituationen gezielt beobachten, Gespraeche mit der Gruppe fuehren. Das aendert nicht alles, aber oft genug, um dem Kind etwas Luft zu verschaffen.

Was das Kind selbst braucht

Kinder, die ausgegrenzt werden, zweifeln oft an sich selbst. "Warum moegen die mich nicht?" Eltern koennen dieser Frage nicht entkommen, aber sie koennen ihr begegnen: "Du bist liebenswert. Manchmal passen Menschen einfach nicht gut zusammen. Das sagt nichts darueber, wer du bist."

Und praktisch: andere Kontakte foerdern. Ob Sportverein, Musikschule oder Kurs, Kinder, die Freundschaften auch ausserhalb der Klasse haben, leiden weniger, wenn es in der Klasse schwierig wird. Die Klasse wird dann nicht mehr zum einzigen Ort, an dem soziale Anerkennung entschieden wird.

Wann es Mobbing wird

Ausgrenzung wird zu Mobbing, wenn es systematisch passiert, ueber laengere Zeit, von denselben Kindern, und wenn das Ziel das Kind bewusst schaedigen soll. Das ist etwas anderes als soziale Dynamiken in einer Klasse, die manchmal schmerzhaft sind.

Bei Mobbing braucht es mehr als ein einzelnes Gespraech mit der Lehrerin. Dann ist die Schulleitung der naechste Schritt, mit klarer Dokumentation, was wann passiert ist.

Haeufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Kind ausgegrenzt wird oder einfach introvertiert ist?

Introvertierte Kinder suchen sich wenige, aber tiefe Freundschaften und sind allein gluecklich. Ausgegrenzte Kinder wollen meistens dazugehoeren, werden aber aktiv nicht mitgenommen. Anzeichen fuer Ausgrenzung: Das Kind will nicht mehr in die Schule, erwaehnt bestimmte Situationen in der Pause (immer allein, nie eingeladen), wirkt gluecklicher am Wochenende als unter der Woche. Im Zweifel mit der Klassenlehrerin sprechen.

Soll ich die Eltern des anderen Kindes ansprechen?

In den meisten Faellen: nein, nicht direkt. Das kann als Vorwurf ankommen und die Situation verschlimmern. Besser ist das Gespraech mit der Lehrerin, die vermitteln kann, ohne dass ein direkter Elternkonflikt entsteht. Ausnahme: Wenn es eine enge Beziehung zu den anderen Eltern gibt und man sicher ist, dass das Gespraech konstruktiv bleibt.

Meine Tochter hat eine beste Freundin, die sie manchmal ausschliesst. Wie damit umgehen?

Intensive Zweierfreundschaften unter Maedchen sind haefig, aber auch krisenanfaellig. Das Kind braucht einerseits Unterstuetzung: 'Das klingt verletzend. Wie hast du dich gefuehlt?' Andererseits Perspektive: Freundschaften haben manchmal schwierige Phasen. Ob das Kind mit der Freundin reden will, sollte es selbst entscheiden. Eltern koennen begleiten, aber nicht die Freundschaft fuer das Kind managen.

Was tun, wenn die Lehrerin sagt, sie sieht kein Problem?

Konkrete Beispiele nennen: wann, was, wer war dabei. Eine Lehrerin mit 25 Kindern sieht nicht alles. Wenn das Gespraech nichts aendert, die Schulleitung ansprechen. Und parallel: dem Kind helfen, Kontakte ausserhalb der Klasse aufzubauen, zum Beispiel ueber einen Verein oder Kurs. Die Klasse muss nicht das einzige soziale Umfeld sein.

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