Den Lerntyp des Kindes herausfinden: Was wirklich hilft
Kurz gesagt: Das klassische Modell mit vier Lerntypen ist wissenschaftlich umstritten — aber es stimmt, dass Kinder unterschiedlich gut auf verschiedene Wege ansprechen. Statt einen Typ zu suchen, lohnt es sich, verschiedene Methoden auszuprobieren und zu schauen, was tatsächlich besser hängen bleibt.
Was hinter den vier Lerntypen steckt
Das bekannteste Modell unterscheidet: visuell (lernt durch Sehen und Lesen), auditiv (durch Hören), kinästhetisch (durch Bewegung und Anfassen) und kommunikativ (durch Sprechen und Diskutieren). Viele Eltern kennen es aus der Schule oder von Ratgebern.
Das Problem: Studien zeigen, dass es keinen belastbaren Beweis gibt, dass das Lernen besser funktioniert, wenn man es an den angeblichen Lerntyp anpasst. Die meisten Kinder lernen effektiver, wenn sie Inhalte auf mehreren Wegen gleichzeitig aufnehmen.
Trotzdem ist die Idee hinter dem Modell nützlich: Kinder sind verschieden. Was dem einen hilft, bremst den anderen. Und es lohnt sich, herauszufinden, was bei einem bestimmten Kind besser ankommt — auch wenn es kein festes Etikett braucht.
Wie man beobachtet, was einem Kind liegt
Die einfachste Methode: denselben Stoff auf zwei Arten üben und nach ein paar Tagen schauen, was besser erinnert wird.
- Laut vorlesen vs. still lesen: Manche Kinder erinnern mehr, wenn sie sich selbst sprechen hören.
- Schreiben vs. Zeichnen: Manche behalten Inhalte besser, wenn sie sie skizzieren oder in einer Mindmap ordnen.
- Erklären vs. Lesen: Wenn das Kind jemand anderem erklärt, was es gelernt hat, verfestigt sich der Stoff oft stärker.
- Bewegen vs. Sitzen: Manche Kinder lernen besser, wenn sie beim Lernen auf- und ablaufen können.
Kein Lerntyp ist eine Entschuldigung
"Ich bin kein Lerntyp fürs Lesen" ist kein Freifahrtschein, Bücher zu meiden. In der Schule müssen Kinder mit verschiedenen Formaten umgehen. Zuhause kann man gezielt ergänzen, was schwerer fällt — aber das Umgehen wird nicht leichter davon, es zu umgehen.
Was im Schulalltag wirklich hilft
Statt nach dem "richtigen Lerntyp" zu suchen, helfen konkrete Fragen:
- Erklärt das Kind den Stoff gerne selbst? → Gesprächsübungen, Lernpartner
- Behält es Bilder besser als Text? → Mindmaps, Skizzen, bunte Markierungen
- Lernt es lieber abwechselnd als in langen Blöcken? → Kurze Einheiten mit Pausen
- Ist es unruhig beim Lernen? → Bewegungspausen, stehend lernen
Es geht darum, was bei diesem Kind in dieser Situation funktioniert — nicht um ein Etikett, das ein Leben lang gilt.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine schulische oder lerntherapeutische Beratung.
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Häufige Fragen
Gibt es wirklich verschiedene Lerntypen?
Das klassische Modell mit vier Lerntypen (visuell, auditiv, kinästhetisch, kommunikativ) ist in der Forschung umstritten. Belegt ist aber, dass Kinder auf bestimmte Darstellungsformen besser ansprechen als auf andere. Statt auf einen festen Typ zu setzen, hilft es, verschiedene Wege auszuprobieren und zu beobachten, wobei das Kind am besten lernt.
Mein Kind lernt immer mit Musik. Ist das schlechter?
Musik im Hintergrund kann für manche Kinder störend, für andere neutral oder sogar hilfreich sein. Entscheidend ist, ob das Kind tatsächlich lernt — also ob es danach das Gelernte wiedergeben kann. Wenn ja, gibt es keinen Grund, es zu ändern.
Wie finde ich heraus, welcher Lernweg für mein Kind am besten ist?
Am einfachsten: denselben Stoff auf zwei verschiedene Arten üben und vergleichen, was besser sitzen bleibt. Zum Beispiel: einmal laut vorlesen, einmal aufschreiben. Nach zwei bis drei Tagen prüfen, was besser erinnert wird. Das gibt einen konkreten Hinweis — besser als jeder Fragebogen.
Muss ich den Lernstil meines Kindes immer anpassen?
Nein. Kinder lernen in der Schule auf viele verschiedene Arten, weil Lehrer nicht für jeden einzeln anpassen können. Zuhause kann man gezielt das ergänzen, was in der Schule kürzer kommt — aber das Kind sollte auch lernen, in verschiedenen Formaten umzugehen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review.
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