August 2026
Legasthenie bei Kindern: früh erkennen und richtig helfen
Kurz gesagt: Legasthenie ist eine neurologische Besonderheit beim Verarbeiten von Buchstaben und Lauten – keine Faulheit und kein Zeichen niedriger Intelligenz. Etwa 5 bis 10 Prozent aller Schulkinder sind betroffen. Je früher du sie erkennst und Förderung organisierst, desto besser. Zu Hause hilfst du am meisten, indem du Druck rausnimmst, in kurzen Einheiten übst und die Stärken deines Kindes betonst.
Dein Kind strengt sich an, übt jeden Abend und macht trotzdem immer dieselben Fehler beim Lesen und Schreiben? Das ist frustrierend – für dich und für dein Kind. Legasthenie (auch Lese-Rechtschreibstörung genannt) ist eine der häufigsten Lernschwierigkeiten im Schulalter, aber sie ist behandelbar. Je früher du sie erkennst, desto besser kannst du helfen.
Was ist Legasthenie genau?
Legasthenie ist keine Faulheit und kein Zeichen niedriger Intelligenz. Es ist eine neurologische Besonderheit, die dazu führt, dass das Gehirn Buchstaben, Laute und Wörter anders verarbeitet als bei anderen Kindern. Etwa 5 bis 10 Prozent aller Schulkinder sind betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen.
Wichtig zu verstehen: Ein legasthenes Kind kann trotzdem hochintelligent, kreativ und in vielen anderen Bereichen sehr begabt sein.
Typische Anzeichen im Schulalter
Nicht jede Rechtschreibschwäche ist Legasthenie. Aber wenn mehrere dieser Punkte auf dein Kind zutreffen, lohnt sich eine Abklärung.
Im Lesen:
- Buchstaben werden vertauscht (b und d, p und q)
- Silben werden ausgelassen oder hinzugefügt
- Das Kind liest sehr langsam und stockend
- Wörter werden erfunden statt gelesen
Im Schreiben:
- Dieselben Wörter werden immer wieder unterschiedlich geschrieben
- Buchstaben werden spiegelverkehrt geschrieben
- Endungen fehlen oder sind falsch
Im Verhalten:
- Starke Abneigung gegen Lesen oder Schreiben
- Hausaufgaben dauern viel länger als bei Gleichaltrigen
Was tun, wenn du Legasthenie vermutest?
Schritt 1: Gespräch mit der Lehrerin. Schildere deine Beobachtungen sachlich und konkret. Die Schule sieht dein Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen und kann eine erste Einschätzung geben.
Schritt 2: Diagnostik beantragen. Anlaufstellen sind die Schulpsychologin oder eine kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. In vielen Bundesländern haben Kinder nach der Diagnose Anspruch auf einen Nachteilsausgleich – zum Beispiel mehr Zeit bei Tests oder keine Benotung der Rechtschreibung in manchen Fächern.
Schritt 3: Förderung organisieren. Möglich sind schulinterne LRS-Förderung, ein Legasthenie-Trainer (ca. 60 bis 100 Euro pro Stunde) oder spezialisierte Online-Programme.
So hilfst du als Elternteil zu Hause
Druck rausnehmen. Erkläre deinem Kind, dass Legasthenie nichts mit Dummheit zu tun hat. Das entlastet und macht das Üben wieder möglich.
Vorlesen statt selbst lesen lassen. Das trainiert Sprachgefühl ohne Frustration. Auch Hörbücher sind hervorragend.
Kurze Übungseinheiten. 10 Minuten täglich bringen mehr als eine Stunde am Wochenende.
Stärken betonen. Ein stabiles Selbstbild ist die wichtigste Ressource für Kinder mit Legasthenie.
Wenn dir im Alltag die richtigen Worte fehlen, um dein Kind zu ermutigen, kann dir Kinwords konkrete Formulierungen vorschlagen – abgestimmt auf das Alter deines Kindes.
Was keine Hilfe ist
- Mehr des Gleichen: Wenn zehn Minuten Üben nichts brachten, bringen zwanzig auch nichts
- Strafen für schlechte Noten
- Vergleiche mit Geschwistern oder Klassenkameraden
Kostenlose, anonyme Beratung – rund um die Uhr
- Elterntelefon „Nummer gegen Kummer": 0800-111 0 550
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
Fazit
Legasthenie ist keine Katastrophe, aber sie braucht aufmerksame Eltern, die früh handeln. Die wichtigste Botschaft an dein Kind: Ich sehe, wie du dich anstrengst, und ich stehe hinter dir.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Wird Legasthenie von alleine besser?
Ohne gezielte Förderung selten. Mit der richtigen Unterstützung können die meisten Kinder die Schwäche jedoch deutlich reduzieren und gute Strategien entwickeln.
Ist Legasthenie vererbbar?
Ja, es gibt eine genetische Komponente. Wenn ein Elternteil betroffen ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch das Kind eine Lese-Rechtschreibstörung hat.
Was kostet eine Diagnose?
Eine schulpsychologische Untersuchung ist meist kostenlos. Privat kostet die Diagnostik etwa 150 bis 300 Euro. Manche Krankenkassen übernehmen Teile der Kosten.
Ab wann kann Legasthenie diagnostiziert werden?
Frühestens gegen Ende der zweiten Klasse, wenn das Kind lange genug Lesen und Schreiben gelernt hat, um eine anhaltende Schwäche von normalen Anfangsschwierigkeiten zu unterscheiden.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
Weitere Beiträge in der Leseecke
Zum MagazinDeine Situation ist anders?
Starte eine kostenlose Beratung – beschreib dein konkretes Anliegen und Kinwords gibt dir in zwei Minuten personalisierte Gesprächs-Formulierungen für genau deinen Fall.
Kostenlos starten