Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kreativität fördern: Was du tun und lassen solltest

Kurz gesagt: Kreativität förderst du weniger durch das, was du tust, als durch das, was du lässt. Gib offenes Material, Zeit ohne Ziel und die Erlaubnis, Fehler zu machen. Verzichte auf Verbesserungen („Der Himmel ist nicht lila“), auf Ergebnis-Lob („So schön, du kleiner Künstler“) und auf durchgeplante Bastelsets, bei denen das Ergebnis schon feststeht. Kreativität ist das, was passiert, wenn du gerade nicht steuerst – deine Hauptaufgabe ist, dich herauszuhalten und trotzdem interessiert zu bleiben.

Viele Eltern wollen die Kreativität ihres Kindes „fördern“ und denken dabei an mehr: mehr Material, mehr Kurse, mehr Anleitung. Doch Kreativität funktioniert anders als Schulstoff. Sie lässt sich nicht antrainieren, sondern nur zulassen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, was du zusätzlich tun kannst, sondern was du besser sein lässt.

Was du tun solltest

  • Offenes Material anbieten. Kartons, Stoffreste, Stöcke, alte Zeitschriften, Kleber. Zeug ohne vorgegebenes Ergebnis ist der beste Nährboden.
  • Zeit ohne Ziel schenken. Kreativität braucht unverplante Stunden, in denen niemand fragt, was am Ende dabei herauskommen soll.
  • Am Prozess Interesse zeigen. Frag „Erzähl mal, wie du das gemacht hast“ statt zu bewerten. Das hält die Freude am Machen wach.
  • Fehler erlauben. Der umgekippte Farbtopf, das schiefe Gebilde – daraus entstehen oft die besten Ideen. Lass es zu.

Was du lassen solltest

  • Verbessern. „So malt man keinen Baum“ bremst sofort. Es gibt beim freien Gestalten kein Richtig und kein Falsch.
  • Ergebnis-Lob. „Wunderschön!“ und „Du bist so ein Künstler“ machen abhängig von deinem Urteil – und ängstlich, mal etwas Schlechtes abzuliefern.
  • Vormachen und übernehmen. Wenn du das Bastelwerk „retten“ willst, nimmst du dem Kind das Werk aus der Hand. Halte deine Finger zurück.
  • Alles durchplanen. Fertige Sets mit einem einzigen richtigen Ergebnis sind oft das Gegenteil von kreativ.

Warum Zurückhaltung so schwerfällt

Es fühlt sich falsch an, dem Kind beim „falschen“ Malen zuzusehen und nichts zu sagen. Aber genau dieses Aushalten ist die Förderung. Kinder, die spüren, dass ihr Werk ihnen gehört und nicht bewertet wird, trauen sich mehr, probieren mehr aus und entwickeln eigene Ideen. Kinder, denen ständig hineingeredet wird, malen bald nur noch, was die Erwachsenen sehen wollen. Deine Zurückhaltung ist kein Desinteresse – sie ist Vertrauen.

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Häufige Fragen

Wie fördere ich die Kreativität meines Kindes, ohne sie zu ersticken?

Kreativität wächst nicht durch mehr Anleitung, sondern durch mehr Freiraum. Gib deinem Kind offenes Material (Papier, Farben, Kisten, Naturdinge), Zeit ohne Ziel und die Erlaubnis, Fehler zu machen. Halte dich mit Verbesserungen und Vorgaben zurück – „Der Himmel ist aber nicht lila“ bremst mehr, als es hilft. Deine wichtigste Aufgabe ist es, nicht ständig einzugreifen. Kreativität ist das, was passiert, wenn du gerade nicht steuerst.

Soll ich die Bilder und Basteleien meines Kindes loben?

Lob ja, aber richtig. Sag nicht „Das ist wunderschön“ oder „Du bist so ein Künstler“ – solches Ergebnis-Lob macht Kinder abhängig von deinem Urteil und ängstlich, etwas Schlechtes abzuliefern. Beschreibe stattdessen, was du siehst, und frag nach: „Du hast hier ganz viel Rot genommen – erzähl mal.“ Das zeigt echtes Interesse am Prozess und lässt dem Kind sein eigenes Werk. So bleibt die Freude am Machen, nicht am Gefallen.

Braucht mein Kind teures Bastelmaterial oder Kreativkurse?

Nein. Kreativität braucht kein teures Material und keinen Kurs, sondern offenes, unfertiges Zeug: Kartons, Klopapierrollen, Stoffreste, Stöcke, alte Zeitschriften, Kleber. Fertige Bastelsets mit vorgegebenem Ergebnis sind oft das Gegenteil von kreativ, weil das Ergebnis schon feststeht. Kurse können Spaß machen, ersetzen aber nicht die freie Zeit zu Hause, in der dein Kind selbst entscheidet, was entsteht.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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