Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Wenn Eltern und Lehrer nicht einer Meinung sind: So geht man es richtig an

Kurz gesagt: Eltern und Lehrkraefte haben meistens beide Recht, nur aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein gutes Gespraech beginnt mit echtem Zuhoeren, nicht mit der Beschwerde. Eskalieren ist manchmal noetig, aber sollte der letzte Schritt sein. Das Kind braucht dabei das Gefuehl, dass beide Seiten fuer es da sind, nicht gegeneinander.

Das Kind kommt nach Hause und erzaehlt, dass die Lehrerin ungerecht war. Oder die Note stimmt nicht mit dem ueberein, was man zu Hause beobachtet. Oder das Kind fuehlt sich nicht gesehen oder bevorzugt behandelt.

Was jetzt passiert, entscheidet darueber, wie das Kind die naechsten Wochen in der Schule erlebt. Und ob ein Konflikt loesbar wird oder eskaliert.

Warum Eltern und Lehrkraefte das Kind oft so unterschiedlich sehen

Zu Hause ist das Kind in einem sicheren Umfeld, meistens mit weniger Kindern gleichzeitig, und mit Menschen, die es gut kennen. In der Schule ist es eines von 25 oder 30 Kindern, in einer sozialen Situation mit viel Ablenkung und Erwartungen, die es zu Hause nicht kennt.

Das ist kein Beweis, dass eine Seite falsch liegt. Es bedeutet, dass Kinder in verschiedenen Kontexten wirklich verschieden sind. Die Lehrkraft sieht die Schulversion des Kindes. Eltern sehen die Zuhause-Version. Beide sind echt.

Das erste Gespraech

Das Ziel des ersten Gespraechs sollte sein: verstehen, was die Lehrkraft sieht. Nicht: die eigene Sichtweise durchsetzen. Das klingt unintuitiv, wenn man ueberzeugt ist, dass das Kind ungerecht behandelt wird. Aber ein Gespraech, das mit Anklage beginnt, endet fast immer mit Verteidigung, nicht mit Loesung.

Konkrete Formulierungen, die funktionieren:

  • "Mein Kind hat erzaehlt, dass ... Ich wuerde gerne Ihre Perspektive dazu hoeren."
  • "Zu Hause erlebe ich mein Kind oft als ... Wie erleben Sie es im Unterricht?"
  • "Ich verstehe, dass das Ihre Einschaetzung ist. Was koennte ich zu Hause tun, damit das besser wird?"

Wenn das Gespraech nichts bringt

Manchmal hilft das erste Gespraech nicht. Die Lehrkraft ist abweisend, das Problem besteht weiter, oder es kommen neue dazu. Dann ist der naechste Schritt die Schulleitung. Das ist kein Akt der Aggression, sondern Teil des normalen Beschwerdewegs.

Vor dem Gespraech mit der Schulleitung: kurz dokumentieren, was wann passiert ist. Kein Roman, nur Daten. "Am 14. Oktober sagte die Lehrerin zu meinem Kind in Anwesenheit anderer Kinder, dass ..." Das macht das Anliegen konkret und zeigt, dass man es ernst nimmt.

Was das Kind waehrend des Konflikts braucht

Kinder spueren, wenn Eltern und Lehrkraefte im Konflikt sind. Das belastet sie, auch wenn man denkt, man haelt es verborgen. Was hilft ist, dem Kind zu sagen, dass man das Anliegen hoert und dass man dafuer sorgt, dass eine Loesung gefunden wird, ohne Details aus dem Elterngespraech weiterzugeben.

Was nicht hilft ist, die Lehrkraft vor dem Kind zu kritisieren. Das setzt das Kind in einen Loyalitaetskonflikt, der den Schulalltag schwerer macht. Kinder muessen in der Schule mit der Lehrkraft auskommen, auch wenn die Eltern Probleme mit ihr haben.

Haeufige Fragen

Wie bereite ich mich auf ein schwieriges Elterngespraech vor?

Schreib vorher auf, was du konkret beobachtet oder gehoert hast, und was du dir wuenschst. Keine Generalvorwuerfe, sondern konkrete Situationen: 'Am Dienstag hat mein Kind erzaehlt, dass ...' Komm mit Fragen, nicht nur mit Aussagen. 'Wie erleben Sie mein Kind im Unterricht?' ist ein besserer Einstieg als eine Beschwerde. Wenn du weisst, dass das Gespraech emotional werden koennte, bitte darum, das Gespraech zu einem ruhigen Zeitpunkt zu fuehren und nicht zwischen zwei Unterrichtsstunden.

Die Lehrerin gibt meinem Kind immer schlechtere Noten als verdient. Was tun?

Zuerst herausfinden, was das Kind selbst denkt. Dann ein Gespraech mit der Lehrkraft suchen, ohne Anklage: 'Ich wuerde gerne verstehen, wie die letzte Pruefung bewertet wurde.' Wenn nach dem Gespraech der Eindruck bleibt, dass die Bewertung nicht korrekt war, ist der Schulleiter der naechste Ansprechpartner. In Deutschland und Oesterreich gibt es auch die Moeglichkeit, Noten anfechten zu lassen, das sollte aber wirklich der letzte Schritt sein.

Mein Kind ist von der Lehrkraft anders behandelt worden als andere Kinder. Was mache ich?

Zuhoeren und Fakten sammeln, bevor man reagiert. Was genau hat das Kind erlebt? Gibt es andere Kinder, die das bestaetigen koennen? Dann das Gespraech mit der Lehrkraft suchen: 'Mein Kind hat erzaehlt, dass... Ich moechte das gerne aus Ihrer Sicht verstehen.' Ohne das Kind als unzuverlaessigen Zeugen darzustellen, aber auch ohne sofort zu eskalieren. Wenn die Lehrkraft abweist oder nichts aendert, ist der Schulleiter der naechste Schritt.

Wie erklaere ich meinem Kind, dass ich nicht immer mit der Lehrerin einverstanden bin?

Ehrlich, aber ohne die Autoritat der Lehrkraft komplett zu untergraben. 'Ich sehe das anders als deine Lehrerin, und ich werde mit ihr darueber reden' ist besser als 'deine Lehrerin liegt falsch'. Kinder brauchen in der Schule eine funktionierende Beziehung zur Lehrkraft. Wenn Eltern diese offen beschaedigen, sitzt das Kind zwischen den Stuhlen.

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