August 2026
Kinder und Schulden: Wenn sie sich Geld leihen
Kurz gesagt: Dass Kinder sich mal Geld leihen, ist normal und ein guter Anlass zum Lernen — problematisch wird es erst, wenn es zur Gewohnheit wird, verheimlicht wird oder mehrere Gläubiger im Spiel sind. Wichtigste Regel: Bezahle die Schuld nicht einfach weg. Mach stattdessen mit deinem Kind einen Plan, wie es sie selbst zurückzahlt — begleitet, aber spürbar.
„Mama, ich hab mir von Leon 5 Euro geliehen — und die muss ich jetzt zurückgeben.“ Solche Sätze lösen bei Eltern oft ein leises Alarmgefühl aus. Zu Recht ein wichtiger Moment: Wie dein Kind heute mit geliehenem Geld umgeht, prägt, wie es später mit Krediten, Dispo und Ratenzahlungen umgeht. Genau deshalb ist ein kleiner Schuldenfall im Kindesalter eine wertvolle Übung — wenn du ihn richtig begleitest.
Wann Leihen normal ist — und wann nicht
Sich einmal etwas zu borgen, weil das Taschengeld gerade nicht reicht, gehört zum Ausprobieren dazu. Aufmerksam werden solltest du, wenn du eines dieser Muster bemerkst:
- Regelmäßigkeit: Dein Kind leiht sich immer wieder Geld, statt mit dem eigenen auszukommen.
- Mehrere Gläubiger: Es hat bei verschiedenen Freunden Schulden und verliert den Überblick.
- Heimlichkeit: Du erfährst von den Schulden nur zufällig oder dein Kind verschweigt sie.
- Druck: Andere Kinder verleihen gegen „Zinsen“ oder setzen dein Kind unter Druck, schnell zurückzuzahlen.
Solche Muster deuten selten auf Böswilligkeit hin, sondern darauf, dass dein Kind mit seinem Geld noch nicht auskommt oder dazugehören will. Beides lässt sich üben.
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- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
So reagierst du richtig
Ruhig bleiben, nicht schimpfen. Wenn dein Kind ehrlich zu dir kommt, ist das ein Vertrauensbeweis. Reagierst du mit Wut, lernt es vor allem eins: Schulden verheimlicht man besser. Bedanke dich fürs Erzählen, bevor du das Problem angehst.
Nicht einfach bezahlen. Der Reflex, die 5 Euro schnell auszugleichen, ist verständlich — aber er nimmt deinem Kind die Lektion. Wenn Leihen für dein Kind folgenlos bleibt, lernt es, dass man Schulden bequem an andere abgeben kann. Genau diese Haltung wird später teuer.
Einen Rückzahlplan machen. Setzt euch zusammen: „Du hast 5 Euro Schulden, du bekommst 3 Euro Taschengeld die Woche. Diese und nächste Woche gibst du je die Hälfte an Leon zurück.“ So erlebt dein Kind, dass Schulden echten Verzicht bedeuten — spürbar, aber machbar.
Ehrlichkeit über die eigenen Grenzen. Bring deinem Kind einen einfachen Satz bei, mit dem es künftig Nein sagen kann: „Ich hab gerade kein Geld dabei, ich kauf's mir nächste Woche.“ Nicht mitzuhalten ist keine Schande. Wenn dir die richtigen Worte für so ein Gespräch fehlen, kann dir Kinwords passende Formulierungen vorschlagen.
Der Blick nach vorn: Schulden im Erwachsenenleben
Bei älteren Kindern und Teenagern lohnt es sich, den Bogen zur echten Welt zu spannen. Sprich altersgerecht über Dinge, die heute besonders leicht in die Schuldenfalle führen: „Kauf jetzt, zahl später“-Angebote beim Online-Shopping, teure Handyverträge oder der Dispo auf dem Konto. Wer als Kind erlebt hat, wie unangenehm sich schon kleine Schulden anfühlen, geht später vorsichtiger mit diesen Angeboten um.
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Häufige Fragen
Ist es schlimm, wenn mein Kind sich Geld von Freunden leiht?
Einmal ist kein Grund zur Sorge, das gehört zum Ausprobieren dazu. Kritisch wird es, wenn dein Kind regelmäßig borgt, Schulden bei mehreren Freunden hat oder sie verheimlicht. Dann fehlt der Überblick, und das Leihen wird zur Gewohnheit statt zur Ausnahme.
Soll ich die Schulden meines Kindes einfach bezahlen?
Beim ersten Mal besser nicht komplett. Wenn du jede Schuld sofort ausgleichst, lernt dein Kind, dass Leihen folgenlos bleibt. Hilfreicher ist, gemeinsam einen Plan zu machen, wie dein Kind die Schuld vom eigenen Taschengeld zurückzahlt — begleitet, aber spürbar.
Ab welchem Alter verstehen Kinder, was Schulden bedeuten?
Erst ab etwa 10 bis 12 Jahren begreifen Kinder, dass geliehenes Geld eine echte Verpflichtung ist und nicht einfach verschwindet. Jüngere Kinder brauchen sehr konkrete, kleine Beispiele, um das zu verstehen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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