Erziehung6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind zu perfektionistisch: Wann es ein Problem wird und wie Eltern helfen

Kurz gesagt: Hohe Ansprüche an sich selbst sind nicht automatisch schlecht. Problematisch wird Perfektionismus, wenn das Kind darunter leidet: nichts mehr anfängt, abbricht, bevor etwas fertig ist, oder sich nach jedem Fehler kaum beruhigen kann.

Was Perfektionismus bei Kindern bedeutet

Perfektionistische Kinder haben ein klares inneres Bild davon, wie etwas sein soll. Wenn das Ergebnis nicht diesem Bild entspricht, können sie oft nicht damit abschließen. Das zeigt sich unterschiedlich: manche beginnen etwas immer wieder von vorne, andere zeigen ihre Arbeit niemandem, und wieder andere sagen schlicht "Ich kann das nicht" und verweigern den Versuch.

Perfektionismus ist nicht dasselbe wie Ehrgeiz. Ehrgeiz treibt an, auch wenn etwas nicht perfekt wird. Perfektionismus bremst, weil das Scheitern unerträglich scheint.

Häufige Ursachen: Das Kind wird oft für Ergebnisse gelobt, nicht für den Prozess. Es hat erlebt, dass Fehler unangenehme Konsequenzen hatten. Es hat hohe Ansprüche von zu Hause oder der Schule übernommen, ohne zu lernen, wie man mit Unvollkommenheit umgeht.

Zeichen, dass der Perfektionismus belastet

Nicht jedes Kind, das sorgfältig arbeitet, leidet darunter. Es gibt aber Zeichen, die auf ein Problem hinweisen:

  • Das Kind beginnt Aufgaben gar nicht, weil es Angst hat, sie nicht gut genug zu lösen.
  • Es bricht Zeichnungen, Texte oder Bastelarbeiten ab, bevor sie fertig sind.
  • Es ist nach einem Fehler oder einer schlechten Note lange aufgewühlt und kann sich kaum beruhigen.
  • Es zeigt anderen nicht, was es macht, weil es Bewertung fürchtet.
  • Es vergleicht sich ständig mit anderen und bewertet sich schlechter, auch wenn das nicht stimmt.

Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen und sich das Kind regelmäßig dadurch belastet fühlt, ist das ein Signal zum Handeln.

Was Eltern konkret tun können

Eigene Fehler zeigen. Kinder, die sehen, dass Eltern Fehler machen und damit entspannt umgehen, lernen, dass Fehler zum Leben gehören. "Ich habe das falsch eingeschätzt, das mache ich nächstes Mal anders." Das ist kein Selbstzweck, sondern Modellverhalten.

Prozess statt Ergebnis loben. Nicht "Das ist so schön geworden", sondern "Du hast so lange daran gearbeitet" oder "Du hast das dreimal probiert, das ist beeindruckend." Das lobt das, was das Kind selbst steuern kann.

"Gut genug" definieren. Bei konkreten Aufgaben gemeinsam bestimmen, was für diese Aufgabe gut genug ist. "Für die Schule reicht es, wenn du drei Sätze geschrieben hast, die deine Meinung zeigen. Das ist das Ziel." Klare Kriterien helfen dem Kind, abzuschließen.

Nicht wegdiskutieren. Wenn das Kind sagt "Das ist nicht gut", nicht sofort widersprechen. Stattdessen fragen: "Was findest du daran nicht gut?" Dann kann man konkret reagieren, statt pauschal zu loben, was das Kind eh nicht glaubt.

Wann externe Unterstützung sinnvoll ist

Wenn das Kind wegen Perfektionismus regelmäßig leidet, sich Aufgaben verweigert, oder die Schule zum Problem wird, ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt sinnvoll. Der kann bei Bedarf zu einer Kinder- und Jugendpsychotherapie verweisen.

Perfektionismus in Verbindung mit Angst vor Bewertung oder sozialer Angst ist behandelbar und muss sich nicht einfach "herauswachsen".

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine pädagogische oder psychologische Fachberatung.

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Häufige Fragen

Mein Kind fängt Zeichnungen immer wieder von vorne an, weil es unzufrieden ist. Was steckt dahinter?

Das ist ein typisches Zeichen von Perfektionismus. Das Kind hat ein inneres Bild davon, wie etwas aussehen soll, und kann die Lücke zwischen dem Bild und dem Ergebnis nicht ertragen. Das ist keine Schwäche, sondern oft ein Zeichen hoher Ansprüche. Das Problem entsteht, wenn diese Ansprüche so groß werden, dass das Kind gar nicht mehr anfangen oder abschließen kann. Der erste Schritt: Interesse am Prozess zeigen, nicht am Ergebnis.

Ist Perfektionismus bei Kindern schlimm?

Nicht automatisch. Hohe Ansprüche können eine Stärke sein. Problematisch wird es, wenn das Kind durch den eigenen Perfektionismus leidet: Es fängt nichts an, weil es Angst hat zu scheitern. Es bricht Sachen ab, bevor sie fertig sind. Es zeigt niemandem, was es macht. Oder es ist nach jedem Fehler so aufgewühlt, dass es sich kaum beruhigen kann. Das sind Signale, dass der Perfektionismus das Kind belastet.

Was kann ich sagen, wenn mein Kind sagt, es kann das nicht?

Nicht: 'Doch, das kannst du!' Das klingt nach Ablenkung und das Kind spürt das. Besser: 'Was ist gerade schwer?' Dann zuhören. Manchmal steckt hinter 'ich kann das nicht' ein konkreter Grund, den man angehen kann. Manchmal ist es einfach Frustration. In dem Fall hilft: 'Das ist gerade schwer. Machen wir eine kurze Pause und schauen dann nochmal.'

Mein Kind will keine Arbeit abgeben, weil es findet, sie ist nicht gut genug. Was tun?

Das ist ein Eingriff nötig. Ehrlich erklären: 'Die Aufgabe ist für die Schule, nicht für ein Museum. Was zählt, ist, dass du dein Bestes gegeben hast.' Dann gemeinsam definieren, was 'gut genug' für diese Aufgabe heißt, konkret und realistisch. Und wenn das Kind die Arbeit dann noch immer nicht abgeben will: die Entscheidung für das Kind treffen und begleiten. Das ist keine Niederlage, sondern Unterstützung.

Fördere ich Perfektionismus, wenn ich meinem Kind sage, wie toll etwas ist?

Pauschales Lob ('Das ist perfekt!', 'Du bist so begabt!') kann tatsächlich Perfektionismus fördern, weil das Kind dann Angst hat, das Bild nicht mehr zu erfüllen. Besser ist spezifisches Lob, das den Prozess beschreibt: 'Du hast so lange daran gearbeitet', 'Ich sehe, dass du das mehrmals probiert hast.' Das lobt die Anstrengung, nicht das Ergebnis, und ist stabiler.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete psychologische Einschätzungen wende dich an den Kinderarzt oder eine Kinder- und Jugendpsychotherapie.

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