Schulkonflikte6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind liest nicht: Wie du Lesen wieder interessant machst

Kurz gesagt: Kinder, die nicht lesen wollen, haben meistens noch nicht das richtige Buch gefunden, oder sie verbinden Lesen mit Pflicht und Schule statt mit Vergnügen. Lesen fördern bedeutet zuerst: den Druck rausnehmen und das Interesse rein.

Warum Kinder Bücher ablehnen

Es gibt selten ein Kind, das Lesen grundsätzlich hasst. Meistens gibt es eine konkrete Hürde, die aber im Verborgenen bleibt, weil das Kind sie selbst nicht benennen kann.

Die falschen Bücher: Viele Kinder bekommen Bücher empfohlen, die Erwachsene schön finden oder die als "klassisch" gelten. Das ist nicht dasselbe wie das, was das Kind interessiert. Ein Kind, das sich für Fußball, Gaming oder Tiere begeistert, braucht ein Buch aus genau diesem Bereich, nicht einen Kinderroman über das Erwachsenwerden.

Lesen fühlt sich nach Arbeit an: Wenn Lesen in der Schule immer mit Kontrolle verbunden ist, mit Lesekärtchen, Zusammenfassungen oder lautem Vorlesen vor der Klasse, verliert es seinen Freizeitwert. Kinder trennen das manchmal nicht. Bücher werden zu Schulzubehör, das man nachmittags lieber weglegt.

Lesen ist anstrengend: Für Kinder, die noch nicht flüssig lesen, ist jede Seite ein Kraftakt. Das macht keinen Spaß. Hier hilft keine Motivation, sondern Förderung der Lesetechnik.

Was wirklich hilft

Das richtige Buch finden: Geh in eine Buchhandlung oder Bibliothek und lass das Kind selbst stöbern, ohne Einschränkung. Comics, Sachbücher über Dinosaurier, Wimmelbilder, Detektivgeschichten, Bücher über Fußballstars. Alles zählt. Das Ziel ist, dass das Kind etwas in die Hand nimmt, das es interessiert.

Vorlesen, auch bei älteren Kindern: Vorlesen ist kein Kleinkindprogramm. Viele Kinder hören gern zu, auch mit acht oder zehn Jahren, wenn die Geschichte gut ist. Wer vorliest, zeigt: Lesen ist schön, nicht nur Pflicht. Und oft möchte das Kind nach einer Weile selbst weiterlesen.

Bücher sichtbar machen: Wenn Bücher in einer Kiste im Schrank liegen, greift kein Kind danach. Wenn sie auf einem Regal im Kinderzimmer stehen, neben dem Bett liegen, oder in der Küche auf dem Tisch rumliegen, ist die Hürde niedriger. Zugänglichkeit ist unterschätzt.

Selbst lesen: Kinder, die Eltern beim Lesen sehen, finden Bücher normaler. Nicht als Strategie, sondern einfach weil es Teil des Alltags ist. Wer Bücher im Haus hat und selbst gelegentlich darin liest, braucht weniger Überzeugungsarbeit.

Was du nicht tun solltest

Bücher als Belohnung oder Strafe einsetzen. "Wenn du jetzt 20 Minuten liest, darfst du danach zocken" klingt praktisch, aber es verstärkt die Idee, dass Lesen eine unschöne Pflicht ist, für die man entschädigt werden muss.

Das Kind mit Büchern überfluten. Fünfzehn neue Bücher auf einmal zu kaufen erzeugt Druck. Ein Buch, das wirklich passt, ist besser als ein Regal voller Möglichkeiten, aus denen das Kind sowieso nicht wählen will.

Den Lesestoff bewerten. Wenn das Kind Gregs Tagebuch zum dritten Mal liest, ist das kein schlechtes Zeichen. Ein Kind, das dasselbe Buch dreimal liest, liest lieber als ein Kind, das gar nicht liest.

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Häufige Fragen

Mein Kind liest nicht, aber Comics verschlingt es. Zählt das?

Ja. Comics sind echte Literatur, mit Erzählstruktur, Dialogen und Charakterentwicklung. Kinder, die Comics lesen, entwickeln Lesekompetenz genauso wie mit Romanen. Der Vorteil: sie lesen freiwillig. Das ist das Wichtigste.

Ab wann sollte ich mir wirklich Sorgen machen?

Wenn das Kind in der Schule Probleme hat, Texte zu verstehen, wenn es sich beim Lesen quält und sichtbar kämpft, wenn es deutlich langsamer liest als Gleichaltrige, dann lohnt sich ein Gespräch mit der Lehrkraft. Manchmal steckt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche dahinter, die noch nicht erkannt wurde.

Soll ich Lesen als Pflicht einführen, zum Beispiel 15 Minuten täglich?

Nur wenn das Kind nicht gerade eine tiefe Abneigung hat. Bei Kindern, die Bücher einigermaßen neutral gegenüberstehen, kann eine kurze tägliche Lesezeit helfen, Gewohnheit aufzubauen. Bei Kindern, die Bücher wirklich ablehnen, wird Pflichtlesen die Abneigung verstärken. Besser dann: erst das Interesse wecken, dann die Struktur einführen.

Mein Kind hört gern Hörbücher. Reicht das?

Hörbücher schulen das Sprachgefühl, erweitern den Wortschatz und fördern die Fantasie. Sie ersetzen nicht das aktive Lesen für die Schule, weil dabei auch das Entschlüsseln von Schrift trainiert wird. Aber sie sind ein sehr guter Einstieg und kein Ersatz, der beschämt werden müsste.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich in pädagogischer Review.

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