Kind fühlt sich vom Lehrer ungerecht behandelt: Was Eltern tun können
Kurz gesagt: Dem Kind zuhören ist richtig. Sofort auf den Lehrer losgehen ist es meistens nicht. Am hilfreichsten ist ein ruhiges Gespräch mit dem Lehrer, bei dem du die Perspektive deines Kindes schilderst und die des Lehrers wirklich hören willst.
Zwischen zwei Welten: Was Eltern in dieser Lage schwer finden
Du hörst deinem Kind zu und es erzählt, dass der Lehrer es immer anmacht, dass er nur die anderen drannimmt oder dass er eine Note gegeben hat, die unfair war. Das Kind ist aufgewühlt. Du willst helfen. Und gleichzeitig weißt du nicht genau, was wirklich passiert ist.
Das ist die schwerste Stelle in dieser Situation: Du warst nicht dabei. Du siehst nur, was dein Kind dir zeigt, und das ist immer ein Ausschnitt. Kinder schildern nicht falsch, aber sie schildern unvollständig. Was sie als ungerecht empfunden haben, war für sie real. Ob es objektiv ungerecht war, ist eine andere Frage.
Zuhören, ohne sofort zu bewerten
Fang damit an, deinem Kind wirklich zuzuhören. Nicht mit halbem Ohr, während du das Abendessen zubereitest, sondern mit voller Aufmerksamkeit. Lass das Kind erzählen. Wenn es fertig ist, frag konkret nach: Was genau hat der Lehrer gesagt? Wer war noch dabei? Was war kurz davor passiert?
Diese Fragen helfen dir, das Bild zu vervollständigen. Sie zeigen deinem Kind außerdem, dass du es ernst nimmst und nicht einfach reflexartig reagierst. Kinder, die merken, dass ihre Eltern nachfragen statt sofort zu urteilen, erzählen beim nächsten Mal mehr.
Was du vermeiden solltest: den Lehrer sofort zu verurteilen. Sätze wie "der darf das nicht" oder "der hat keine Ahnung" geben deinem Kind zwar das Gefühl, dass du auf seiner Seite bist. Aber sie untergraben gleichzeitig die Autorität des Lehrers und machen es schwerer für dein Kind, die Schuljahre mit dieser Lehrkraft zu bestehen.
Das Gespräch mit dem Lehrer suchen
Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, such das Gespräch mit dem Lehrer. Am besten persönlich und mit einem kurzen Vorabhinweis per E-Mail: "Ich würde gerne kurz mit Ihnen sprechen, meine Tochter hat mir etwas erzählt, das mich beschäftigt." Das gibt dem Lehrer die Möglichkeit, sich vorzubereiten, und signalisiert, dass du Klärung suchst, keine Konfrontation.
Im Gespräch selbst: schildere, was du gehört hast, ohne es als Tatsache zu rahmen. Nicht "Sie haben mein Kind ungerecht behandelt", sondern "Mein Kind hat mir erzählt, dass... und das hat es sehr beschäftigt. Können Sie mir sagen, was aus Ihrer Sicht passiert ist?" Dann hör wirklich zu. Manches erklärt sich in diesem Moment. Manches bleibt schwierig.
Wenn sich nach dem Gespräch nichts ändert
Du hast das Gespräch geführt, aber in den folgenden Wochen berichte dein Kind weiter von ähnlichen Situationen. Dann ist es sinnvoll, konkrete Vorfälle zu notieren: Datum, was passiert ist, was das Kind gesagt hat. Diese Notizen helfen dir, wenn du später mit der Schulleitung sprechen musst, weil du dann nicht aus dem Gedächtnis zitierst, sondern konkrete Beispiele nennen kannst.
Der Gang zur Schulleitung ist kein Versagen und keine Eskalation im schlechten Sinne. Er ist der vorgesehene nächste Schritt, wenn das Gespräch mit der Lehrkraft keine Veränderung gebracht hat. Geh freundlich und mit der Haltung, gemeinsam eine Lösung zu finden, nicht als Ankläger.
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Haufige Fragen
Soll ich meinem Kind glauben, wenn es sagt, der Lehrer ist ungerecht?
Du solltest dem Kind zuhören und seine Wahrnehmung ernst nehmen, ohne sofort zu urteilen. Kinder schildern Situationen manchmal unvollständig, nicht weil sie lügen, sondern weil sie nur einen Teil sehen. Frag nach: Was genau ist passiert? Wer war noch dabei? Was hat der Lehrer vorher gesagt? Dann entscheide, ob du mit dem Lehrer sprechen willst.
Wie spreche ich mit dem Lehrer über das, was mein Kind berichtet hat?
Am besten in einem persönlichen Termin, nicht per E-Mail. Schildere, was dein Kind erzählt hat, ohne es als Tatsache zu rahmen. Sag zum Beispiel: 'Meine Tochter hat mir folgendes erzählt und ich würde das gerne besser verstehen.' Das öffnet ein Gespräch, statt eine Konfrontation zu starten. Hör dir die Perspektive des Lehrers vollständig an, bevor du reagierst.
Wann sollte ich mich an die Schulleitung wenden?
Wenn du das Gespräch mit dem Lehrer gesucht hast und sich danach nichts verändert hat, oder wenn das geschilderte Verhalten des Lehrers eindeutig unangemessen ist, zum Beispiel bei abwertenden Kommentaren vor der Klasse. Geh zur Schulleitung mit konkreten Beispielen, nicht mit allgemeinen Beschwerden. Notiere vorher, was wann passiert ist.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fur konkrete psychotherapeutische Einschatzungen wende dich an eine Fachkraft.
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