Kind kann sich schlecht trösten: Was dahintersteckt und wie Eltern helfen

Kinwords Redaktion 7 Min. Lesezeit

Das Spiel verloren und zwanzig Minuten geweint. Ein falsches Wort und die komplette Abendstimmung kippt. Eltern fragen sich dann: Ist das normal? Bin ich schuld? Und was kann ich tun, damit mein Kind lernt, mit Enttäuschungen umzugehen?

Was Emotionsregulation ist und warum sie Zeit braucht

Emotionsregulation heißt: Ein Gefühl wahrnehmen, aushalten und so regulieren, dass man handlungsfähig bleibt. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht, denn der Teil des Gehirns, der dabei hilft (der präfrontale Kortex), ist erst mit etwa 25 Jahren voll ausgebildet. Bei einem Achtjährigen ist er buchstäblich noch im Bau.

Das erklärt viel. Kinder sind nicht undiszipliniert, wenn sie bei einer Enttäuschung ausrasten. Sie haben die neurobiologischen Mittel noch nicht vollständig. Was sie brauchen, ist ein Erwachsener, der ruhig bleibt und ihnen zeigt, wie das geht.

Zeichen, dass ein Kind Schwierigkeiten mit Emotionsregulation hat

  • Intensive Reaktionen auf kleine Auslöser, die nach kurzer Zeit wieder vorbei sein sollten
  • Schwierigkeiten, sich nach einem Ausbruch zu beruhigen, auch wenn du da bist und hilfst
  • Häufige Stimmungswechsel, die das Kind selbst zu überraschen scheinen
  • Körperliche Symptome bei Stress (Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafprobleme)
  • Das Kind vermeidet Situationen, in denen es Gefühle regulieren müsste

Was Eltern konkret tun können

  • Ruhig bleiben, wenn das Kind eskaliert. Das ist schwerer als es klingt. Aber wenn du aufgeregt reagierst, eskaliert das Kind weiter. Dein ruhiger Körper ist das Signal: Es ist sicher.
  • Gefühle benennen, nicht wegmachen. "Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist" ist hilfreicher als "Hör auf zu weinen" oder "Das ist doch kein Grund". Das Kind lernt, seinen eigenen Zustand einzuordnen.
  • Co-Regulation anbieten. Körpernähe hilft: Arm um die Schulter, ruhige Stimme, langsames Atmen. Kleine Kinder beruhigen sich durch den Körper eines ruhigen Erwachsenen. Ältere Kinder profitieren auch noch davon.
  • Nachher über Strategien reden. Nicht im Moment des Ausbruchs, sondern wenn alles wieder ruhig ist. "Was könnte dir nächstes Mal helfen?" Atemübungen, Rückzugsort, ein Ritual.
  • Grenzen zeigen, aber nicht bestrafen. "Das kannst du sagen, auch wenn du wütend bist. Das darfst du nicht" ist eine Grenze. "Dann komm halt nicht raus" ist eine Strafe, die das Kind nicht regulieren lehrt.

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Häufige Fragen

Mein Kind dreht bei jeder Kleinigkeit durch. Ist das normal?

Das hängt stark vom Alter ab. Kleinkinder haben noch kein ausgereiftes Gehirn für Emotionsregulation, das entwickelt sich bis ins frühe Erwachsenenalter. Bei Schulkindern zwischen 6 und 10 Jahren sollte man aber schon erste Strategien sehen. Wenn intensive emotionale Ausbrüche bei jedem kleinen Auslöser häufig sind und das Kind danach schwer zur Ruhe kommt, ist ein Gespräch mit einem Kinderpsychologen sinnvoll.

Soll ich mein Kind trösten, oder soll es lernen, sich selbst zu regulieren?

Beides, in der richtigen Reihenfolge. Erst trösten, dann gemeinsam regulieren. Kinder lernen Selbstregulation nicht durch Alleinsein mit schwierigen Gefühlen, sondern durch Co-Regulation mit Erwachsenen, die ruhig bleiben. Wer früh viel Co-Regulation erlebt, entwickelt mit der Zeit mehr Fähigkeit zur Selbstregulation.

Was ist der Unterschied zwischen Trösten und Verwöhnen?

Trösten heißt: Ich bin da, ich sehe deinen Schmerz, und ich helfe dir, damit umzugehen. Verwöhnen heißt: Ich beseitige das Problem sofort, damit du nicht mehr leidest. Das Erste stärkt das Kind. Das Zweite verhindert, dass es lernt, mit Frustration umzugehen.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete medizinische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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