Selbstvertrauen5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind traut sich nichts zu: Woher das kommt und wie Eltern helfen

Das Wichtigste in einem Satz: Mangelndes Selbstvertrauen bei Kindern entsteht selten aus einer einzigen Ursache. Meistens stecken Erfahrungen mit Scheitern dahinter, die nicht begleitet wurden, oder ein Umfeld, das Fehler zu stark bewertet.

"Das kann ich nicht." Noch bevor das Kind es versucht hat. Oder: "Was, wenn ich es falsch mache?" Das Kind lehnt die Aufgabe lieber ab, als sich dem Risiko auszusetzen. Manche Kinder entwickeln eine regelrechte Strategie, Situationen zu vermeiden, in denen sie scheitern könnten.

Das ist kein Persönlichkeitsfehler. Es ist eine Reaktion auf Erfahrungen, die gelernt wurden.

Woher mangelndes Selbstvertrauen kommt

Kinder, die häufig Kritik erhalten, besonders wenn diese nicht das Verhalten, sondern die Person betrifft, lernen: Ich bin das Problem. Das führt dazu, dass sie sich lieber gar nicht erst exponieren, statt wieder zu hören, dass sie nicht gut genug sind.

Auch das Gegenteil kann zutreffen: Kinder, die nie Gelegenheit hatten, wirklich zu scheitern und sich dann wieder zu fangen, kennen diese Erfahrung nicht. Sie wissen nicht, dass Scheitern überlebbar ist.

Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern sind ein weiterer Faktor. "Dein Bruder konnte das in deinem Alter schon" ist einer der Sätze, die lange nachhallen.

Was nicht hilft

Pauschalermutigung. "Du schaffst das, ich glaube an dich" klingt gut, wirkt aber bei Kindern mit niedrigem Selbstvertrauen oft nicht. Sie denken: Du sagst das nur, weil du mein Elternteil bist. Du musst das sagen.

Auch das Wegnehmen der Herausforderung hilft nicht. Wenn ein Elternteil immer einspringt, bevor das Kind scheitern kann, lernt das Kind: Ich brauche jemanden, der das für mich tut. Das bestätigt das fehlende Vertrauen in sich selbst.

Was wirklich hilft

Konkrete Erinnerungen nutzen. Statt "du schaffst das" lieber: "Weißt du noch, als du letztes Jahr das Fahrradfahren gelernt hast? Du bist zehnmal hingefallen und hast weitergemacht." Das ist Beweis, kein Versprechen.

Fehler normalisieren. Wenn Eltern selbst zeigen, dass sie Fehler machen und damit umgehen, ohne sich dafür zu verurteilen, gibt das Kindern ein Modell. "Ich habe heute etwas falsch gemacht. Das war blöd. Jetzt mache ich es nochmal anders."

Den Prozess loben, nicht das Ergebnis. "Du hast wirklich lang drangeblieben heute" ist nachhaltiger als "du bist so klug". Klugheit ist etwas, das man haben oder nicht haben kann. Ausdauer ist etwas, das man trainiert.

Kleine Erfolge sichtbar machen. Ein Kind, das sich nichts zutraut, nimmt eigene Fortschritte kaum wahr. Eltern können dabei helfen, sie zu benennen, ohne übertrieben zu loben.

Häufige Fragen

Mein Kind traut sich nichts zu, obwohl es objektiv gut in der Schule ist. Warum?

Leistung und Selbstvertrauen hängen weniger zusammen, als viele denken. Kinder, die viel Druck erfahren, gut zu sein, lernen manchmal, ihren eigenen Erfolg nicht wahrzunehmen, weil sie ihn dem Zufall zuschreiben oder Angst haben, beim nächsten Mal zu versagen. Das nennt man auch Hochstapler-Gefühl. Es ist nicht selten, besonders bei Kindern mit hohem Anspruch an sich selbst.

Was sage ich einem Kind, das sich nichts zutraut?

Nicht: 'Du schaffst das!' Das wirkt auf Kinder, die sich unsicher fühlen, oft als Druck. Besser: konkret benennen, was das Kind bereits getan hat. 'Letztes Mal beim Vortrag warst du nervös und hast es trotzdem gemacht. Was hat dir damals geholfen?' Das baut auf echten Erfahrungen auf, nicht auf Ermutigung aus der Luft.

Mein Kind weigert sich, neue Dinge auszuprobieren, weil es Angst hat zu scheitern. Was hilft?

Erstens: den Fokus vom Ergebnis nehmen. 'Es ist okay, wenn es nicht klappt. Ich bin gespannt, was du dabei lernst.' Zweitens: kleine Schritte. Ein Kind, das Angst vor dem Schwimmen hat, muss nicht sofort ins Becken. Zuerst an den Rand, dann Füße rein, dann mehr. Jeder kleine Schritt, der klappt, baut Vertrauen auf.

Ist es normal, dass Kinder sich in der Pubertät plötzlich nichts mehr zutrauen?

Ja. In der Pubertät vergleichen Kinder sich mehr mit anderen, nehmen soziale Rückmeldungen stärker wahr und sind empfindlicher gegenüber Kritik. Das Selbstbild ist instabiler. Das ist ein vorübergehender Zustand, der aber langfristig prägend sein kann, wenn das Umfeld keine Sicherheit bietet.

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