Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind stottert: Was Eltern tun können und was es verschlimmert

Kurz gesagt: Stottern im Vorschulalter ist häufig und verschwindet bei den meisten Kindern von alleine. Ab dem Schulalter, wenn das Stottern anhält oder das Kind darunter leidet, ist Logopädie sinnvoll. Als Elternteil helfen vor allem: ruhig zuhören, den Satz nicht beenden, keine Korrekturen. Was schadet, sind gut gemeinte Tipps wie "Atme erst" oder "Sprich langsamer".

Du merkst, dass dein Kind beim Sprechen stockt. Es wiederholt Silben, bleibt an Lauten hängen, bricht mittendrin ab. Manche Kinder merken es selbst kaum. Andere werden sichtbar frustriert oder beginnen, Gespräche zu meiden.

Als Elternteil ist der erste Impuls oft, zu helfen, zu korrigieren oder zu beruhigen. Aber fast alles, was intuitiv richtig erscheint, macht es schlechter.

Was Stottern ist und was es nicht ist

Stottern ist eine Sprechstörung, die durch Unterbrechungen im Redefluss gekennzeichnet ist: Wiederholungen von Lauten oder Silben, Dehnungen, Blockierungen. Es tritt gehäuft zwischen zwei und fünf Jahren auf, wenn die Sprachentwicklung rasant voranschreitet.

Stottern ist keine Nervosität und kein Zeichen mangelnder Intelligenz. Es ist auch keine Folge von Erziehungsfehlern. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig verstanden, aber genetische Faktoren spielen eine Rolle.

Wann zum Arzt oder Logopäden?

Einen Logopäden aufsuchen lohnt sich, wenn:

  • das Stottern länger als sechs Monate anhält
  • das Kind sich beim Sprechen sehr anstrengt oder verkrampft
  • es Sprechen zunehmend vermeidet
  • Mitschüler es deswegen hänseln
  • das Stottern nach dem vierten oder fünften Lebensjahr noch zunimmt

Die Überweisung bekommst du vom Kinderarzt. Logopädie ist bei Stottern in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Regel über die Krankenkasse abgedeckt.

Wie du dich als Elternteil verhalten kannst

Ruhig zuhören und Augenkontakt halten

Schau dein Kind an, während es spricht. Nicht mit einem gequälten Ausdruck, sondern entspannt und zugewandt. Das signalisiert: Ich höre dir zu. Was du sagst, interessiert mich. Wie du es sagst, ist zweitrangig.

Keine Korrekturen, keine Tipps

"Atme erst mal", "Fang noch mal an", "Sprich langsamer": Das klingt hilfreich, aber es lenkt die Aufmerksamkeit des Kindes auf das Stottern und erhöht den Druck. Besser: Auf den Inhalt reagieren, nicht auf die Form.

Zu Hause entspannte Sprechsituationen schaffen

Viele Kinder stottern weniger, wenn sie entspannt sind, weniger gehetzt, weniger im Wettbewerb mit Geschwistern ums Wort. Mahlzeiten ohne Bildschirm, Gespräche ohne Zeitdruck, Geschichten vorlesen: Das alles hilft, ohne wie Therapie auszusehen.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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Häufige Fragen

Hört Stottern von alleine auf?

Bei etwa 75 bis 80 Prozent der Kinder, die im Vorschulalter zu stottern beginnen, verschwindet es ohne Behandlung bis zum Schulalter. Bei Mädchen ist die Spontanremission häufiger als bei Jungen. Je länger das Stottern anhält und je ausgeprägter es ist, desto wichtiger ist frühzeitige Logopädie.

Soll ich die Sätze meines Kindes zu Ende sprechen, wenn es stockt?

Nein. Das vermittelt dem Kind, dass seine Kommunikation nicht ausreicht. Besser: Warte ruhig, schau das Kind an und reagiere auf den Inhalt des Gesagten, nicht auf die Art, wie es gesagt wurde. Das signalisiert: Ich höre dir zu, egal wie lange es dauert.

Was sollte ich dem Kind auf keinen Fall sagen?

Sätze wie 'Atme erst mal tief durch', 'Sprich langsamer' oder 'Fang noch mal von vorne an' erzeugen Druck und Scham. Sie helfen nicht. Auch 'Du stotterst schon wieder' ist kontraproduktiv. Das Kind weiß, dass es stottert. Es braucht keine Erinnerung.

Wie gehe ich damit um, wenn andere Kinder sich über das Stottern lustig machen?

Sprich mit deinem Kind darüber, was andere Kinder sagen, und übt gemeinsam Antworten. Kinder, die eine Reaktion parat haben, fühlen sich weniger ausgeliefert. Gleichzeitig lohnt ein Gespräch mit der Lehrkraft, damit sie die Situation im Blick behält.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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