Kind stiehlt in der Schule: Was Eltern tun können
Kurz gesagt: Wenn dein Kind stiehlt, ist das fast immer ein Hinweis auf ein Bedürfnis oder ein Problem, kein Charakterurteil. Wichtig sind drei Dinge: ruhig bleiben, die Sache klar benennen (das gehört dir nicht) und dafür sorgen, dass dein Kind es zurückgibt oder wiedergutmacht. Bei Kindern unter etwa fünf Jahren ist Nehmen oft noch kein Stehlen, weil das Verständnis für Eigentum erst wächst.
Dieser Artikel behandelt Stehlen in der Schule. Den kompletten Überblick über alle Situationen findest du unter Kind klaut: Der große Ratgeber.
Du hast in der Jacke deines Kindes ein Spielzeug gefunden, das ihm nicht gehört. Oder es fehlen Scheine aus deinem Portemonnaie. Oder die Lehrerin ruft an. Dann sitzt der Schreck tief, und die erste Frage ist oft: Was ist mit meinem Kind los? Meistens weniger, als du gerade befürchtest. Kinder stehlen aus sehr unterschiedlichen Gründen, und je nach Alter bedeutet dasselbe Verhalten etwas völlig anderes. Hier findest du die Einordnung nach Alter, die wichtigsten Orte (zu Hause, bei Freunden, im Laden, in der Schule) und einen Ablauf, der in jeder dieser Lagen funktioniert.
Warum klaut mein Kind? Die häufigsten Gründe
Selten steckt nur ein einziger Grund dahinter. Diese Motive tauchen am häufigsten auf:
- Wollen und nicht warten können. Das Kind sieht etwas, will es sofort haben, und die Bremse im Kopf ist noch schwach. Das ist bei Kindern normal und wächst sich mit der Zeit aus, wenn sie lernen, dass Nehmen Folgen hat.
- Neid und Scham. Alle haben die Sammelkarten, die Marken-Mütze oder das neue Handy, nur mein Kind nicht. Dann wird aus Wünschen schnell Nehmen, vor allem wenn es das Gefühl hat, selbst nicht mitzuhalten.
- Dazugehören. Eine Mutprobe, ein Druck aus der Clique, oder das Kind will mit etwas Besonderem beeindrucken. Hier ist das Klauen oft nur die Oberfläche, darunter liegt die Frage nach Freundschaft und Anerkennung.
- Aufmerksamkeit oder Ärger. Manche Kinder nehmen etwas, weil sie sich übersehen fühlen oder wütend sind, etwa nach einer Trennung, einem Umzug oder einem neuen Geschwisterkind. Das Stehlen ist dann ein Notsignal.
- Nervenkitzel. Gerade ab dem Grundschulalter reizt manche Kinder das Verbotene selbst. Das ist unangenehm, aber ein bekanntes Entwicklungsmuster und kein Zeichen für eine schlimme Entwicklung.
- Echter Mangel. Selten, aber möglich: Das Kind hat Hunger, bekommt nichts Eigenes oder will Geld für etwas, das es verschweigt. Bei Teenagern kann Geld auch für Dinge draufgehen, von denen du nichts weißt. Dazu unten mehr.
Kind klaut: Was bedeutet das in welchem Alter?
Kleinkind (etwa 2 bis 4 Jahre): Nehmen ist noch kein Stehlen
Ein Kleinkind versteht „mein“ und „dein“ erst nach und nach. Es sieht ein Spielzeug, will es, nimmt es mit. Es weiß nicht, dass es damit jemandem etwas wegnimmt. Das ist kein Diebstahl im Sinn von Absicht, sondern Lernstoff. Hier hilft kein Schimpfen, sondern ruhiges, wiederholtes Üben.
Das kannst du sagen (Kleinkind)
„Der Bagger gehört Ben. Wir bringen ihn zurück.“
„Du wolltest ihn so gern haben. Das verstehe ich. Aber er gehört dem Laden, wir müssen ihn hierlassen.“
Geh mit zurück zum Regal oder zum Kind, gib das Ding gemeinsam zurück, lass das Kind, so weit es geht, selbst die Hand dazu geben. Ein Wutanfall an der Kasse ist dabei normal und kein Erziehungsversagen.
Kindergartenalter (etwa 5 bis 6 Jahre): Regeln werden klarer
Jetzt versteht dein Kind, dass man nicht einfach nehmen darf, und handelt trotzdem oft aus dem Moment heraus. Es kann auch lügen, wenn du fragst. Das ist in diesem Alter häufig und meist aus Angst vor Ärger. Wichtig ist: erst ruhig klären, dann erst über Folgen sprechen. Wer Angst vor dem Gespräch hat, lernt vor allem, besser zu verstecken.
Grundschulalter (etwa 7 bis 10 Jahre): Hier wird es oft heikel
Kinder in diesem Alter wissen genau, dass Stehlen verboten ist. Gründe sind jetzt häufiger Neid, Gruppendruck oder der Wunsch, etwas haben zu müssen, das alle anderen schon haben. Auch Klassenkasse, Sammelkarten, Stifte und Pausenbrot sind typische Beute. In der Schule wird das schnell öffentlich, weil Mitschüler und Lehrkräfte es mitbekommen. Dein Kind schämt sich dann doppelt, und genau das ist der Moment, in dem du helfen kannst, wenn du nicht zusätzlich Druck machst.
Beispiel: Eine Neunjährige nimmt der Sitznachbarin ein Glitzer-Federmäppchen aus dem Ranzen. Auf Nachfrage sagt sie: „Die hat so viele, das merkt die gar nicht.“ Dahinter steckt kein Hang zum Stehlen, sondern ein Gefühl von Ungerechtigkeit und ein Wunsch, dazuzugehören. Das Gespräch dreht sich also um beides: das Zurückgeben und das Neid-Gefühl.
Teenager (etwa 12 bis 17 Jahre): Geld, Dazugehören, Austesten
Hier geht es häufiger um Geld, Markenkleidung, Handyguthaben oder Dinge, die Freunde haben. Auch Ladendiebstahl als Mutprobe kommt vor. Teenager wollen unabhängig sein, haben aber oft kaum eigene Mittel. Dazu kommt: Sie testen Grenzen aus, auch deine. Das macht Reden schwerer, aber nicht unmöglich. Bleib bei Sachlichkeit und rede über die Folgen für dich und dein Vertrauen, ohne Vorträge. Wenn ein Teenager Geld klaut, kann auch Verschwiegenes dahinterstehen, etwa Schulden bei Freunden, Online-Käufe oder Spiele mit Ingame-Käufen. Frag danach, ohne zu unterstellen.
Was tun, wenn dein Kind klaut: der Ablauf in fünf Schritten
- Erst durchatmen, dann sprechen. Wenn du gerade wütend oder beschämt bist, warte ein paar Stunden. Ein Gespräch im Affekt endet meist in Rechtfertigungen und Lügen. Eine kurze Pause (am Abend oder morgen früh) schadet nicht.
- Die Tatsache benennen, ohne Etikett. Sag, was passiert ist, und bleib bei der Handlung. Nicht „Du bist ein Dieb“, sondern „Du hast Geld aus meinem Portemonnaie genommen.“ Etiketten bleiben haften, und Kinder neigen dazu, sich daran anzupassen.
- Nach dem Grund fragen, nicht nach der Entschuldigung. Du musst nicht jedes Motiv herausbekommen, aber gib deinem Kind eine ehrliche Chance zu erklären. Kinder wissen oft selbst nicht genau, warum, und sagen dann „Weiß nicht.“ Das ist in Ordnung.
- Wiedergutmachen lassen. Zurückgeben, ersetzen, sich entschuldigen. Das ist die wichtigste Folge, weil sie dem Kind zeigt, dass man einen Fehler reparieren kann.
- Vorbeugen. Überleg mit deinem Kind, was es beim nächsten Mal tun kann, wenn es etwas unbedingt will: fragen, sparen, sich etwas wünschen, mit dir reden.
Das kannst du sagen
„Ich habe gesehen, dass die Sticker aus Lenas Mäppchen bei dir im Zimmer liegen. Magst du mir erzählen, wie sie da hingekommen sind?“
„Ich bin nicht begeistert, und ich bin auch nicht fertig mit dir. Du bleibst mein Kind, und wir kriegen das hin. Aber das Zurückgeben ist nicht verhandelbar.“
„Ich vermute, du wolltest sie sehr gern haben. Das darfst du wollen. Nehmen darfst du sie nicht.“
„Wie kriegen wir das wieder gerade? Was schlägst du vor?“
Mein Kind stiehlt zu Hause: Geld, Süßes, Dinge der Geschwister
Wenn das Klauen im eigenen Haus passiert, trifft es oft besonders. Es geht um Vertrauen, und das fühlt sich persönlich an. Trotzdem gilt: Es ist meistens ein Hinweis auf einen unerfüllten Wunsch, nicht auf böse Absicht. Süßigkeiten aus dem Schrank, Münzen aus der Spardose oder Scheine aus dem Portemonnaie sind typisch.
- Geld klar sichern, ohne es zum Machtspiel zu machen. Dein Portemonnaie liegt eben nicht offen herum, zumindest eine Zeit lang. Das ist keine Strafe, sondern Hilfe, damit dein Kind gar nicht erst in Versuchung kommt.
- Frage nach dem Wofür. Bei Geldscheinen steckt oft ein konkreter Wunsch dahinter: ein Spiel, etwas für Freunde, Süßes. Wenn das Kind ein Taschengeld hat, das nicht reicht, ist das ein Gesprächsthema. Wenn es keines hat, vielleicht auch.
- Wiedergutmachung in Euro und in Taten. Das fehlende Geld wird aus dem Taschengeld ersetzt, in Raten, wenn nötig. Dazu eine Aufgabe, die dein Vertrauen wieder aufbaut, etwa eine bestimmte Besorgung mit Wechselgeld, bei der du später nachrechnest.
- Klauen bei Geschwistern ernst nehmen. Das Geschwisterkind soll sehen, dass sein Eigentum geschützt wird. Das Gestohlene geht zurück, die Entschuldigung kommt vom Kind selbst, nicht von dir.
Mein Kind klaut bei Freunden oder im Laden
Wenn das Kind bei Freunden stiehlt, ist das für dich unangenehm, weil andere Eltern beteiligt sind. Es hilft, sofort ehrlich zu sein: Ruf die Eltern an, sag, was passiert ist, und kündige an, dass das Ding zurückkommt. Nimm dein Kind mit zum Zurückbringen. Rechtfertige nichts, aber verteidige dein Kind auch nicht über das Maß. Ein ruhiger, kurzer Satz reicht: „Mein Kind hat das mitgenommen. Es bringt es heute zurück und entschuldigt sich.“
Im Laden gilt dasselbe in Ruhe. Geh sofort mit dem Kind zurück, lass es selbst die Ware zurückgeben oder bezahlen und sich entschuldigen. Wenn das Personal das schon bemerkt hat, ist das ein starker Moment: Dein Kind erlebt, dass Erwachsene ernsthaft reagieren, aber nicht dramatisieren. In Deutschland sind Kinder unter 14 nicht strafmündig, trotzdem kann ein Geschäft ein Hausverbot aussprechen oder Ersatz verlangen. Ab 14 Jahren kann es je nach Fall ernster werden. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln, frag im Zweifel bei einer Beratungsstelle nach.
Kind stiehlt in der Schule: Das ist anders und das hilft
In der Schule wissen Mitschüler, Lehrkräfte und manchmal andere Eltern Bescheid. Das macht die Lage heikler, vor allem wenn dein Kind sich vor der Klasse schämt. Geh nicht in die Defensive. Hör zu, was die Schule berichtet, bleib sachlich und sprich ab, wie das Gestohlene zurückkommt. Viele Schulen klären das intern mit Klassenleitung, Schulsozialarbeit oder Beratungslehrkraft, ohne dass es groß wird.
- Dein Kind gibt selbst zurück. Am besten persönlich oder über die Lehrkraft, mit einem kurzen Satz der Entschuldigung. Nicht du als Stellvertreterin.
- Frag nach dem Warum, auch nach der Klasse. Wenn dein Kind stiehlt, um dazuzugehören oder weil es sich ausgeschlossen fühlt, ist das Klauen nur die Oberfläche. Frag dann die Schulsozialarbeit oder die Klassenleitung, wie es sozial in der Klasse läuft.
- Klassenkasse oder größere Beträge werden ersetzt. Das ist in Ordnung und gehört zur Wiedergutmachung. Je nach Schule gibt es zusätzliche Regeln, frag nach der Schulordnung.
- Keine Schuldzuweisung an die Schule oder an andere Kinder. Auch wenn es unangenehm ist: Das Thema bleibt bei dir und deinem Kind.
Teenager klaut Geld von den Eltern: Was jetzt?
Wenn ein Jugendlicher Geld nimmt, ist der Ärger groß, aber die Ursache selten ein „schlechter Charakter“. Häufig stecken Gruppendruck, Spiele und In-App-Käufe, Schulden bei Freunden oder der Wunsch nach Unabhängigkeit dahinter. Frag nach, wofür das Geld war. Wenn die Antwort ausweicht, kann ein ruhiges, ernstes Gespräch hilfreich sein: Du sagst, wie es dir damit geht, und dass du wissen willst, was los ist.
Das kannst du sagen (Teenager)
„Mir fehlen 40 Euro. Ich bin enttäuscht, dass du mich nicht gefragt hast. Wofür hast du sie gebraucht?“
„Ich will nicht rumschreien. Ich will wissen, ob du in Schwierigkeiten steckst.“
„Du ersetzt das Geld, in Raten aus deinem Taschengeld. Und wir überlegen gemeinsam, wie du an eigenes Geld kommst, zum Beispiel mit einem Nebenjob, wenn du alt genug bist, oder mit mehr Taschengeld gegen mehr Aufgaben.“
Sicher ist: Geldprobleme eines Teenagers sind selten wirklich nur Geldprobleme. Schau, ob es Hinweise auf Schulden, Erpressung unter Gleichaltrigen oder Online-Abzocke gibt. Wenn dein Kind unter Druck gesetzt wird, ist das ein Fall für Schulsozialarbeit oder Beratung.
Konsequenzen, die wirken (und solche, die nichts bringen)
Eine gute Folge hat mit der Tat zu tun, ist verhältnismäßig und kommt ohne Demütigung aus.
- Sinnvoll: Zurückgeben, ersetzen, entschuldigen, eine Weile weniger Spielraum mit Geld oder bei Besuchen, eine Aufgabe zum Wiedergutmachen (etwa im Haushalt, wenn es um deine Dinge ging).
- Wenig sinnvoll: Tagelanges Schweigen, Drohungen mit „Polizei holen“ bei kleinen Kindern, öffentliches Bloßstellen, Vergleiche mit Geschwistern. Das erzeugt Scham und Heimlichkeit, aber kein besseres Verständnis.
- Schädlich: Das Etikett „Dieb“ oder „Lügner“. Kinder gewöhnen sich an das Bild, das sie von dir hören.
Wie du Stehlen langfristig vorbeugst
- Gib Wünschen einen legalen Weg. Ein kleines Taschengeld, Sparen auf ein Ziel, ein Wunschzettel: So lernt dein Kind, dass Haben-Wollen nicht gleich Nehmen heißt.
- Rede über Eigentum im Alltag. „Das ist Papas Tasche, da fragen wir vorher.“ Kinder lernen das vor allem durch Beispiel.
- Sei selbst ein Vorbild. Wenn du im Supermarkt „aus Versehen“ eine nicht eingescannte Packung mitnimmst, merkt dein Kind das und zieht Schlüsse.
- Mach es leichter, ehrlich zu sein. Wenn dein Kind nach einem Fehler nicht Angst vor einem Donnerwetter haben muss, sagt es dir eher die Wahrheit.
Wann Beratung sinnvoll ist
Einmaliges Klauen kommt in fast jeder Kindheit vor und ist nach einem klaren Gespräch meistens erledigt. Hole dir Unterstützung, wenn sich etwas wiederholt oder wenn du das Gefühl hast, dass dahinter mehr steckt. Anlaufstellen sind die Erziehungsberatung vor Ort (oft kostenlos oder günstig, über das Jugendamt oder Wohlfahrtsverbände zu finden), die Schulsozialarbeit, die Schulpsychologie, die Kinder- und Jugendärztin oder der Kinder- und Jugendarzt. Bei Gesprächsbedarf für dich selbst erreichst du das Elterntelefon unter 0800 111 0 550 (kostenlos, anonym). Kinder und Jugendliche selbst erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111.
Fachlich abklären lassen, wenn ...
- das Stehlen über Monate immer wieder passiert, obwohl du konsequent reagiert hast
- dein Kind dabei kaum Reue oder Mitgefühl zeigt und das auch in anderen Situationen so wirkt
- es zusammen mit anderen Veränderungen auftritt, etwa starker Rückzug, Aggression, Schlafprobleme, Leistungsabfall oder Traurigkeit
- dein Kind unter Druck gesetzt oder erpresst wird, zum Beispiel von älteren Kindern
- du den Eindruck hast, dass Geld für Dinge verschwindet, die du nicht kennst, etwa Spiele, Drogen oder Schulden
- bei Teenagern das Klauen mit Gewalt, Einbrüchen oder Gruppen zusammenhängt, die Straftaten begehen
Eine Beratung stellt keine Diagnose „Dieb“ aus, sie hilft, die Ursache zu verstehen. Sie schadet nie, und viele Eltern sind danach erleichtert.
Wenn du für deinen Fall passende Worte suchst, kann dir die kostenlose Beratung bei Kinwords Formulierungen vorschlagen, die zu Alter und Situation deines Kindes passen.
Kostenlose, anonyme Beratung
- Elterntelefon „Nummer gegen Kummer“: 0800 111 0 550
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
Das erste Gespräch: So gehst du vor
Warte bis ihr zuhause seid, ruhig. Nicht im Auto, nicht vor anderen. Dann:
- Sag klar, was du weißt. Nicht: "Hast du etwa...?" Sondern: "Die Lehrerin hat mir gesagt, dass du Leas Radiergummi mitgenommen hast."
- Frag dann, was passiert ist. Hör zu, auch wenn die Geschichte nicht stimmt. Du bekommst trotzdem ein Bild.
- Erkläre, warum das falsch ist. Konkret. Wie sich Lea gefühlt hat. Nicht abstrakt mit "Das ist unehrlich und sowas macht man nicht."
- Dann: Was passiert jetzt? Zurückgeben. Entschuldigen. Das entscheidet ihr gemeinsam, aber die Richtung ist klar.
Was danach zählt
- Den Grund verstehen: Warum hat das Kind gestohlen? Was hat es sich davon erhofft? Nur wenn du das weißt, kannst du etwas ändern.
- Klare Grenzen setzen, ohne Dauerstress: Das Kind muss wissen, dass Stehlen in eurer Familie kein Thema ist und welche Konsequenz es hat. Ohne das wochenlang zu wiederholen.
- Taschengeld oder Wünsche überprüfen: Wenn das Kind gestohlen hat, weil es sich etwas nicht leisten konnte und das auch sonst ein Thema ist, lohnt ein Gespräch über Taschengeld und Wünsche.
- Kein dauerhaftes Misstrauen: Wenn die Sache erledigt ist, ist sie erledigt. Kinder brauchen die Chance, neu anzufangen.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine pädagogische oder psychologische Fachberatung.
Kind stiehlt im Laden: was du in den ersten Minuten tust
Die erste Reaktion setzt den Ton für alles, was folgt. Wer sein Kind sofort anschreit, im Laden vor anderen bloßstellt oder beschämt, erzeugt vor allem Scham. Scham führt nicht zu Einsicht, sie führt dazu, dass das Kind beim nächsten Mal besser aufpasst, nicht erwischt zu werden.
Besser: kurz und klar benennen, was du gesehen hast, und ankündigen, dass ihr zuhause in Ruhe darüber redet. Wenn der Gegenstand zurückgegeben werden muss, tue das ruhig. Das Gespräch kommt später.
Das kannst du sagen
"Ich habe gesehen, dass du das eingesteckt hast, ohne es zu bezahlen. Wir geben das jetzt zurück, und zuhause reden wir darüber."
"Das gehört dem Laden. Wir bezahlen es jetzt. Abends besprechen wir, wie das passieren konnte."
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Häufige Fragen
Mein Kind (4 Jahre) nimmt Dinge einfach mit. Ist das schon Stehlen?
In diesem Alter meist nicht. Kleine Kinder verstehen Eigentum erst nach und nach und handeln aus dem Wunsch heraus. Bring das Ding gemeinsam zurück und erkläre kurz, wem es gehört. Wiederhole das ruhig, es braucht Zeit.
Mein Kind klaut Geld, aber leugnet es. Wie komme ich an die Wahrheit?
Stell keine Fangfragen und vermeide ein Verhör. Sag, was du gesehen hast, und biete einen leichten Ausweg an: „Ich glaube, du hast das Geld genommen. Ich bin nicht begeistert, aber noch mehr will ich wissen, was los ist.“ Wer weniger Angst vor der Reaktion hat, gibt eher zu.
Soll ich mein Kind bestrafen, wenn es klaut?
Eine Folge ist sinnvoll, eine harte Strafe meist nicht. Zurückgeben, ersetzen, entschuldigen und eine Weile weniger Vertrauensvorschuss, etwa beim Umgang mit Geld, sind passende Folgen. Beschämen oder tagelang kalt behandeln schadet mehr, als es nützt.
Warum klaut mein Kind, obwohl es alles hat?
Oft geht es nicht um den Gegenstand. Neid, Aufmerksamkeit, Nervenkitzel oder Gruppendruck können auch bei Kindern eine Rolle spielen, die materiell nichts vermissen. Frag nach dem Gefühl hinter der Tat: Was wolltest du damit bekommen?
Mein Kind stiehlt bei Freunden. Muss ich mich bei den Eltern melden?
Ja, am besten bald und ehrlich. Sag, was passiert ist, dass das Ding zurückkommt und dass dein Kind sich entschuldigen wird. Das hilft den anderen Eltern und zeigt deinem Kind, dass Fehler ernst genommen und repariert werden.
Kann ein Kind unter 14 für Ladendiebstahl bestraft werden?
Kinder unter 14 sind in Deutschland nicht strafmündig. Trotzdem kann ein Geschäft Ersatz verlangen oder ein Hausverbot erteilen. Wenn du in Österreich oder der Schweiz lebst, frag bei einer Beratungsstelle nach den dortigen Regeln.
Mein Teenager klaut immer wieder Geld. Was tun?
Sichere dein Geld, rede in Ruhe mit deinem Kind über den Grund und lass das Geld ersetzen. Wenn es sich wiederholt, kann Erziehungsberatung helfen, die Ursache zu klären, etwa Schulden, Druck von Freunden oder Probleme, über die dein Kind nicht reden mag.
Wann ist Klauen ein Warnsignal?
Wenn es über längere Zeit immer wieder passiert, mit starkem Rückzug, Aggression oder Leistungsabfall einhergeht oder dein Kind keinerlei Reue zeigt. Dann ist eine Beratung sinnvoll. Sie klärt, was dahintersteckt, und stellt keine Schuldfrage.
Die Lehrerin hat mich angerufen: mein Kind hat etwas geklaut. Was tue ich jetzt als erstes?
Tief durchatmen. Dann zuhören, bevor du reagierst. Frag dein Kind, was passiert ist, bevor du Vorwürfe machst. Du brauchst die Geschichte deines Kindes, nicht nur die der Schule. Danach entscheidest du gemeinsam mit deinem Kind, wie das Richtigstellen aussieht.
Soll mein Kind sich direkt bei dem anderen Kind entschuldigen?
Wenn dein Kind einsieht, was es getan hat, ja. Eine echte Entschuldigung, auch wenn sie schwer fällt, ist wichtiger als jede Strafe. Erzwinge sie nicht, erkläre aber, warum sie wichtig ist.
Soll ich mein Kind beim Ladendiebstahl vor der Kassiererin zur Rede stellen?
Besser zuhause, unter vier Augen. Eine öffentliche Konfrontation erzeugt Scham, keine Einsicht. Das Kind lernt dann, nicht beim Klauen erwischt zu werden, statt zu verstehen, warum es falsch ist. Gib den Gegenstand ruhig zurück oder bezahl ihn, ohne das Kind zu kommentieren. Das Gespräch führst du erst zuhause, wenn die erste Aufregung weg ist.
Ist es schlimm, wenn mein Kind stiehlt?
Bei jüngeren Kindern ist Nehmen kein Diebstahl im moralischen Sinn. Kinder unter etwa sechs Jahren verstehen Eigentum noch nicht vollständig — sie nehmen, was sie haben wollen, ohne böse Absicht. Auch bei älteren Kindern ist einmaliges Stehlen selten ein Alarmsignal, sondern oft ein Ausprobieren oder ein Zeichen, dass etwas fehlt. Wichtig ist, ruhig zu reagieren und aus dem Vorfall zu lernen, nicht zu dramatisieren.
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