Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind kann nur mit Eltern spielen: Was dahinter steckt

Kurz gesagt: Kinder, die nur mit Eltern spielen koennen, haben das Alleinspielen noch nicht gelernt, oder sie haben es verlernt, weil Eltern immer sofort verfuegbar waren. Das ist kein Charakter-Defizit, sondern etwas, das gezielt und geduldig geubt werden kann. Der Schluessel ist schrittweise Unabhaengigkeit, nicht plotzlicher Rueckzug.

Du willst kurz das Abendessen vorbereiten. Dein Kind folgt dir in die Kueche und fragt, was du machst. Du sagtst, es soll kurz spielen. Zwei Minuten spaeter steht es wieder neben dir. Das Gleiche passiert, wenn du dein Handy nimmst, wenn du ein Buch aufmachst, wenn du eine E-Mail schreibst.

Kinder, die immer Spielpartner brauchen, fordern Eltern rund um die Uhr. Das ist erschoepfend. Und es ist kein unveraenderbarer Zustand: Selbststaendiges Spielen ist etwas, das Kinder lernen koennen.

Warum manche Kinder nicht alleine spielen

Es gibt verschiedene Gruende:

  • Das Kind hat noch nie gelernt, allein zu spielen. Wenn Eltern immer reaktionsschnell verfuegbar waren, fehlte die Gelegenheit dazu.
  • Das Kind hat Angst, allein zu sein. Das kann Trennungsangst sein, muss es aber nicht. Manche Kinder finden die Stille schlicht unangenehm.
  • Das Kind ist ueberfordert, sich selbst zu beschaeftigen. Ideen entwickeln, ein Spiel anfangen, sich in etwas vertiefen braucht Uebung.
  • Langeweile ist fuer das Kind unertraeglich, und das Ergebnis ist immer ein Elternteil, der einspringt. Das Muster verstaerkt sich selbst.

Wie man Unabhaengigkeit aufbaut

Kleine Schritte, nicht grosser Abstand

Der Fehler ist, vom Kind zu erwarten, dass es plotzlich 30 Minuten alleine spielt. Der Anfang sind zwei Minuten. Du bleibst in Reichweite, aber du bist beschaeftigt. Das Kind sieht dich, weiss, dass du da bist, aber du spielst nicht mit.

Wenn das klappt, werden die Abstande laenger. Nicht linear, nicht immer gleich. Aber mit der Zeit verlaengern sich die Phasen.

Spielen starten, dann zurueckziehen

Manchmal hilft es, mit dem Kind anzufangen und dann schrittweise die Beteiligung zu reduzieren. "Ich stelle dir das Haus auf, dann muss ich kurz was erledigen." Das Kind hat einen Startpunkt und muss das Spiel nicht aus dem Nichts entwickeln.

Wenn du weisst, welche Materialien dein Kind besonders anzieht, Knete, Bausteine, Figuren, kann ein vorbereitetes Arrangement das Anfangen erleichtern.

Nicht sofort reagieren

Wenn dein Kind kommt und sagt "Ich will spielen", ist die Frage, ob du sofort aufstehst. Wenn du das immer tust, lernt das Kind: meine Anfrage wird sofort erfullt. Eine kurze Antwort "Ich komme in fuenf Minuten" und diese fuenf Minuten einhalten, zeigt dem Kind, dass es warten kann, ohne dass etwas Schlimmes passiert.

Was nicht hilft

  • Das Kind abrupt abzuweisen ("Spiel alleine, ich habe keine Zeit") erzeugt Protest, keine Unabhaengigkeit.
  • Ein Tablet als Ersatz einsetzen. Das Kind lernt dann, sich mit externer Stimulation zu beschaeftigen, aber nicht mit eigenem Spiel.
  • Schuld fuehlen. Das Kind braucht Uebung, keine Schuld der Eltern. Phasen des Alleinspiels sind gut fuer Kinder, nicht schlimm fuer sie.

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Haeufige Fragen

Mein Kind ist 4 Jahre alt und kann keine einzige Minute alleine spielen. Ist das normal?

Mit 4 Jahren ist das noch im normalen Bereich, besonders wenn das Kind ein Einzelkind ist oder bisher viel Begleitung hatte. Ein gesunder 4-Jaehriger kann in Schritten alleine spielen, mit Anlauf und kurzen Phasen. Wenn dein Kind wirklich keine Minute ohne Erwachsenen auskommt und stark protestiert bei jedem Versuch, ist das ein Zeichen, dass Unabhaengigkeit noch aktiv geubt werden muss.

Ist es schlimm, wenn ich manchmal mitspielen will, weil es mir Spass macht?

Nein. Das gemeinsame Spielen mit Kindern ist wertvoll und staerkt die Bindung. Das Problem entsteht, wenn das Kind nicht mehr in der Lage ist, ohne Eltern zu spielen, oder wenn es sich weigert, alleine anzufangen. Wenn du gerne mitspielst, kannst du das tun und gleichzeitig gezielt Phasen einbauen, in denen dein Kind selbst spielt.

Mein Kind sagt immer 'ich bin langweilig', sobald ich aufhoere mitzuspielen. Was tun?

Langeweile bei Kindern ist kein Notfall, auch wenn es sich so anfuehlt. Die Antwort darauf ist nicht, sofort Programm zu bieten. Ein kurzes 'Du findest was, ich bin gleich wieder da' gibt dem Kind die Moeglichkeit, selbst eine Loesung zu suchen. Wenn du immer sofort reagierst, lernt das Kind, dass Langeweile durch Eltern geloest wird, nicht durch eigene Ideen.

Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?

Wenn dein Kind aelter als 6 Jahre ist, jede Trennung in grosse Angst oder heftige Proteste muendet, und das unabhaengige Spielen trotz mehrmonatigem Ueben nicht besser wird: sprich mit dem Kinderarzt. In manchen Faellen steckt eine Trennungsangst dahinter, die therapeutische Unterstuetzung braucht. Das ist keine Kleinigkeit, aber auch kein seltenes Problem.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.

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