Kind schlägt andere Kinder: Was wirklich hilft
Kurz gesagt: Schlagen ist bei kleinen Kindern häufig und kein Zeichen schlechter Erziehung. Dein Kind kann starke Gefühle noch nicht anders ausdrücken. Reagiere im Moment kurz und klar, kümmere dich zuerst um das andere Kind, und übe in ruhigen Momenten Gefühle zu benennen und Alternativen zum Schlagen.
Dein Kind hat wieder jemanden gehauen. In der Kita, auf dem Spielplatz, beim Toben mit Geschwistern. Du bist ratlos, vielleicht auch ein bisschen beschämt. Und du fragst dich: Was mache ich da falsch?
Erstmal: Schlagen ist bei kleinen Kindern häufiger, als viele denken. Und es ist kein Zeichen schlechter Erziehung. Aber es ist ein Zeichen, dass dein Kind gerade nicht weiß, wie es anders mit starken Gefühlen umgehen soll.
Warum Kinder schlagen
Kinder schlagen nicht aus Bosheit. Sie schlagen, weil sie in dem Moment nicht anders können:
Der Frust ist zu groß und das Gehirn noch nicht reif genug, um ihn in Worte zu fassen. Kleinkinder unter vier Jahren haben schlicht noch nicht die Fähigkeit, sich verbal zu wehren. Der Arm ist schneller als der Gedanke.
Ältere Kinder schlagen oft, weil sie sich hilflos fühlen. Wenn ein Kind regelmäßig Konflikte mit Schlagen löst, hat es noch keine andere Methode gelernt, die für es funktioniert.
Manchmal steckt auch Erschöpfung, Hunger oder Überforderung dahinter. Das macht Schlagen nicht besser, aber es erklärt, warum ein Kind an manchen Tagen schneller ausrastet als an anderen.
Was du im Moment machen kannst
Wenn dein Kind schlägt, zählen die nächsten zehn Sekunden.
Geh dazwischen. Nicht laut, nicht aufgeregt. Halte notfalls die Hand fest. Sag kurz und klar: „Schlagen geht nicht." Keine Diskussion, keine lange Erklärung – das kommt später.
Geh zuerst zum anderen Kind. Überprüfe, ob es okay ist. Dein Kind sieht, dass du das ernstnehmst.
Danach – wenn alle sich beruhigt haben – kommt das Gespräch. Nicht als Verhör, sondern als echtes Gespräch: „Was war gerade so schlimm, dass du gehauen hast?"
Was du nicht tun solltest
Zurückhauen oder schlagen als „Lektion" funktioniert nicht. Kinder lernen dadurch: Wer stärker ist, darf schlagen. Das Gegenteil von dem, was du willst.
Auch langes Schimpfen hilft wenig. Kinder unter sechs Jahren können einen Redeschwall kaum verarbeiten, wenn sie gerade emotional aufgewühlt sind. Ein kurzer klarer Satz wirkt mehr.
Was langfristig hilft
Gefühle benennen lernen. Übe mit deinem Kind, wenn es ruhig ist: „Wie sieht Wut bei dir aus? Wo spürst du das im Körper?" Kinder, die ihre eigenen Gefühle kennen, sind besser in der Lage, sie zu steuern.
Alternative zeigen. Was kann dein Kind stattdessen tun, wenn es wütend wird? Weglaufen, stampfen, in ein Kissen schlagen? Übe das konkret.
Anerkennen, wenn es klappt. Wenn dein Kind einen Konflikt ohne Schlagen löst, sag das. Nicht überschwänglich – einfach klar: „Das hast du heute gut gemacht."
Ab wann zur Fachstelle?
Wenn dein Kind regelmäßig und heftig schlägt, auch ältere Kinder oder Erwachsene, wenn Gespräche nichts ändern, und wenn es selbst darunter leidet – dann ist ein Gespräch mit der Kita oder dem Kinderarzt sinnvoll. Manchmal steckt mehr dahinter: Überforderung, Stress zu Hause, oder seltener eine Entwicklungsbesonderheit. Das früh zu klären ist kein Scheitern, sondern das Richtigste, was du tun kannst.
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Häufige Fragen
Ist es normal, dass mein Kind andere schlägt?
Ja, gerade bei kleinen Kindern ist Schlagen häufig. Kleinkinder unter vier Jahren können sich noch nicht gut verbal wehren – der Arm ist schneller als der Gedanke. Es ist kein Zeichen schlechter Erziehung, sondern ein Zeichen, dass dein Kind noch keine andere Methode gelernt hat.
Wie reagiere ich im Moment richtig, wenn mein Kind schlägt?
Geh ruhig dazwischen, halte notfalls die Hand fest und sag kurz und klar: Schlagen geht nicht. Kümmere dich zuerst um das andere Kind. Das eigentliche Gespräch kommt später, wenn alle sich beruhigt haben – nicht als Verhör, sondern als echte Frage.
Wann sollte ich mir wegen des Schlagens Sorgen machen?
Wenn dein Kind regelmäßig und heftig schlägt, auch ältere Kinder oder Erwachsene, wenn Gespräche nichts ändern und es selbst darunter leidet. Dann hilft ein Gespräch mit Kita oder Kinderarzt. Das früh zu klären ist kein Scheitern.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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