Familie6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind schämt sich für Eltern: Was dahintersteckt

Kurz gesagt: Dass Kinder und Jugendliche ihre Eltern zeitweise peinlich finden, ist ein normaler Teil der Entwicklung. Es bedeutet nicht, dass die Beziehung kaputt ist oder dass die Eltern etwas falsch gemacht haben. Entscheidend ist, wie man damit umgeht: ohne Kränkung, aber auch ohne alles zu ändern, was das Kind verlangt.

Warum Kinder Eltern peinlich finden

Irgendwann im Laufe der Grundschulzeit beginnen Kinder, sich selbst durch die Augen anderer zu sehen. Was Mitschüler denken, wird wichtig. Die Peer-Gruppe bildet eine Art Spiegel, in dem sich das Kind jeden Tag betrachtet.

In diesem Spiegel können Eltern zu einem Problem werden: Sie reden zu laut. Sie machen Witze, die keiner gut findet. Sie kleiden sich anders als die anderen Eltern. Sie haben einen anderen Hintergrund. Oder sie zeigen Zuneigung dort, wo das Kind das niemandem zeigen will.

Das Kind schämt sich nicht wirklich für die Eltern als Menschen. Es schämt sich für die Situation: für das Risiko, in den Augen der Gruppe anders zu wirken. Das ist ein Unterschied, der wichtig ist, um nicht verletzt zu reagieren.

Wann es normal ist und wann es ein Problem wird

Normal ist: Das Kind will nicht abgeholt werden, findet bestimmte Verhaltensweisen der Eltern peinlich, möchte in der Öffentlichkeit kein Küsschen, reagiert gereizt, wenn Eltern Witze mit Freunden machen.

Ein Problem könnte es sein, wenn:

  • Das Kind die Eltern aktiv bei Gleichaltrigen schlecht macht oder lügt, wer sie sind.
  • Das Kind verlangt, dass Eltern ihre Identität, Behinderung, Herkunft oder Lebensweise verbergen.
  • Hinter der Scham konkretes Mobbing steckt: Mitschüler hänseln das Kind wegen der Eltern.

In diesen Fällen lohnt ein ruhiges Gespräch, um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt.

Nicht alles ändern, weil das Kind es verlangt

Es gibt einen Unterschied zwischen: Ich rede in der Schule etwas leiser. Und: Ich verleugne, wer ich bin. Das Erste ist Rücksicht. Das Zweite ist eine Grenze. Kinder brauchen Eltern, die sich nicht für ihre eigene Identität schämen. Das ist ein wichtiges Modell dafür, wie man sich selbst behandelt.

Wie ihr das Gespräch führen könnt

Wenn ein Kind sagt, dass es sich für euch schämt, ist die erste Reaktion oft Kränkung oder Abwehr. Beides ist verständlich, hilft aber nicht.

Was besser funktioniert: Nachfragen, ohne zu urteilen. "Was konkret findest du gerade schwierig?" Dann zuhören. Manchmal ist es etwas Konkretes, über das man reden kann. Manchmal ist es Pubertät, die nach einem Ventil sucht, und ihr seid das nächste verfügbare Ziel.

Wenn das Kind einen konkreten Wunsch äußert, könnt ihr entscheiden, ob ihr dem nachkommen wollt. Nicht müsst. Wollt. Das gibt das Gespräch aus der Pflicht-Ecke heraus und in den Bereich des gemeinsamen Aushandelns, wo es hingehört.

Was die Beziehung langfristig trägt

Kinder, die sich phasenweise für ihre Eltern schämen, kehren fast immer zurück, wenn sie älter werden. Das ist dokumentiert und fast universell. Was bleibt, ist die Erinnerung daran, wie Eltern in dieser Phase reagiert haben: ob sie beleidigt waren, Druck gemacht haben, oder ob sie ruhig geblieben sind und die Beziehung nicht von der Scham abhängig gemacht haben.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine schulpsychologische oder therapeutische Beratung.

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Häufige Fragen

Wie alt sind Kinder, wenn sie sich für ihre Eltern zu schämen beginnen?

Meist setzt es zwischen acht und zehn Jahren ein, wenn Kinder anfangen, sich selbst durch die Augen anderer zu sehen. In der Pubertät intensiviert sich das. Vor diesem Alter ist Scham über Eltern eher selten und wenn, dann konkret gebunden an einzelne peinliche Momente.

Mein Kind will mich nicht mehr in der Schule abholen. Soll ich das respektieren?

Ja, in der Regel. Das Bedürfnis, in der Schule als unabhängig zu gelten, ist normal und gesund. Ihr könnt zum Beispiel eine Haltestelle weiter parken oder euch nur an Abholzonen treffen, die abseits des Haupteingangs sind. Der Kontakt bleibt, die Autonomie auch.

Mein Kind sagt, es schämt sich für mich. Das tut weh. Was soll ich antworten?

Nicht mit Gegenvorwürfen, nicht mit Kränkung und nicht mit langen Erklärungen. Eine mögliche Antwort: 'Das höre ich. Kannst du mir sagen, was konkret dich stört?' Dann zuhören. Manchmal steckt ein konkretes Verhalten dahinter, das sich ändern lässt. Manchmal ist es reine Pubertät. Den Unterschied findet ihr nur durch Gespräch.

Soll ich mein Verhalten anpassen, wenn es mein Kind peinlich findet?

Das kommt darauf an. Wenn ein Kind den Elternteil bittet, auf dem Schulhof nicht so laut zu sprechen: das ist vertretbar. Wenn ein Kind verlangt, dass Eltern ihre Nationalität, ihre Behinderung oder ihren Beruf verstecken: das ist eine Grenze, die die Eltern setzen dürfen und sollen. Ihr müsst euch nicht für das schämen, was ihr seid.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review.

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