Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind prahlt und gibt an: Was wirklich dahinter steckt

Kurz gesagt: Wenn dein Kind prahlt, steckt dahinter meist kein Hochmut, sondern der Wunsch, gesehen zu werden und dazuzugehören. Angeben ist oft ein Ruf nach Bestätigung. Beschämen verstärkt es, echtes Zutrauen entschärft es. Zeig deinem Kind, dass es auch ohne Übertreibung wertvoll ist.

Warum Kinder angeben

Wenn dein Kind lautstark erzählt, dass es das schnellste, stärkste oder beste ist, klingt das nach Selbstüberschätzung. Dahinter steckt aber fast immer etwas anderes: der Wunsch, wahrgenommen zu werden und einen Platz in der Gruppe zu finden. Angeben ist ein Weg, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen.

Besonders im Grundschulalter vergleichen sich Kinder ständig miteinander. Wer sich unsicher fühlt, greift schon mal zur Übertreibung, um mithalten zu können. Prahlen ist dann weniger Ausdruck von zu viel Selbstbewusstsein als von einem noch wackeligen Selbstwert, der Bestätigung von außen sucht.

Angeben ist oft ein Ruf nach Bestätigung

Kinder, die sich sicher und geliebt fühlen, müssen sich seltener beweisen. Wenn dein Kind auffällig oft angibt, kann das ein Hinweis sein, dass es gerade mehr Zuwendung oder Erfolgserlebnisse braucht. Vielleicht steht ein Geschwisterkind im Mittelpunkt, oder in der Schule läuft es nicht rund.

Deshalb hilft es wenig, das Prahlen einfach zu verbieten. Damit nimmst du deinem Kind das Ventil, ohne das dahinterliegende Bedürfnis zu stillen. Wer versteht, dass hinter der Angeberei oft eine leise Unsicherheit steckt, reagiert automatisch gelassener und wärmer.

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Wie du reagierst, ohne zu beschämen

Weise dein Kind nicht vor anderen zurecht und mach es nicht lächerlich. Nimm das Bedürfnis ernst, das hinter der Übertreibung steckt. Ein ruhiges „Du bist richtig stolz auf dich, oder?“ trifft den Kern besser als „Jetzt übertreib mal nicht“. So fühlt sich dein Kind gesehen, ohne dass du die Prahlerei bestätigst.

Bei Übertreibungen kannst du sanft bei der Wahrheit bleiben: „Du bist schon richtig schnell gerannt“ statt mitzugehen oder es bloßzustellen. Und lenke den Blick weg vom Vergleich mit anderen, hin zum eigenen Fortschritt: „Letzte Woche konntest du das noch nicht, jetzt schon.“

So förderst du echtes Selbstwertgefühl

Ein stabiler Selbstwert wächst, wenn dein Kind spürt, dass es um seiner selbst willen geliebt wird, nicht für Leistungen. Schenk ihm regelmäßig ungeteilte Aufmerksamkeit, auch ohne besonderen Anlass. Diese Momente sagen deinem Kind: Du bist wichtig, ganz ohne dass du etwas Besonderes leisten musst.

Gib deinem Kind echte Aufgaben, an denen es wachsen kann, und benenne konkret, was es gut macht. Ehrliches, spezifisches Lob wirkt stärker als Superlative. Zeig ihm außerdem, dass auch andere Kinder Stärken haben, damit es lernt, sich zu freuen, statt sich zu vergleichen.

Wann Angeben zum Problem wird

Ein bisschen Aufschneiderei gehört zum Aufwachsen dazu. Genauer hinschauen kannst du, wenn andere Kinder sich zurückziehen, weil dein Kind ständig übertreibt, wenn es Freundschaften darunter leiden oder wenn hinter dem Prahlen viel Frust und Traurigkeit sichtbar werden.

Dann lohnt sich ein liebevolles Gespräch darüber, wie sich Angeben auf andere auswirkt, ohne Vorwürfe. Hält das Muster an und leidet dein Kind sozial darunter, kann eine Erziehungsberatung helfen, den Selbstwert von einer anderen Seite zu stärken.

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Häufige Fragen

Ist Angeben schlecht für mein Kind?

In Maßen nicht. Prahlen ist im Grundschulalter normal und meist ein Zeichen dafür, dass dein Kind Bestätigung sucht. Problematisch wird es erst, wenn andere Kinder sich abwenden oder Freundschaften darunter leiden.

Soll ich mein Kind zurechtweisen, wenn es prahlt?

Nicht vor anderen und nicht abwertend. Nimm lieber das Bedürfnis hinter der Übertreibung ernst und bleib freundlich bei der Wahrheit. Beschämen verstärkt die Unsicherheit, die dem Angeben oft zugrunde liegt.

Warum gibt mein Kind gerade jetzt so an?

Häufig steckt eine Veränderung dahinter: ein neues Geschwisterkind, Stress in der Schule oder das Gefühl, weniger beachtet zu werden. Angeben ist dann ein Versuch, wieder wahrgenommen zu werden. Mehr Zuwendung entspannt das Verhalten oft.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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