Perfektionismus bei Kindern: Wenn gut genug nie reicht
Kurz gesagt: Kinder, die hohe Ansprüche an sich selbst haben, sind nicht automatisch in Gefahr. Problematisch wird es, wenn Fehler zu Katastrophen werden, wenn das Kind Aufgaben abbricht oder vermeidet, oder wenn Angst vor dem Scheitern die Lebensqualität einschränkt. Dann braucht es keine höheren Ziele, sondern mehr Fehlertoleranz, kleinere Schritte und das Erleben, dass Versuche zählen, nicht nur Ergebnisse.
Dein Kind radiert so lange, bis das Papier Löcher hat. Es schreibt einen Aufsatz neu, weil die erste Zeile schief ist. Es fängt gar nicht erst an, weil es fürchtet, nicht gut genug zu sein. Oder es weint nach einer Vier, obwohl alle anderen sie entspannt hinnehmen.
Perfektionismus wird oft als Tugend gesehen. Und manchmal ist er das. Aber wenn er das Kind lähmt, schützt er nicht mehr vor Fehlern, er verhindert Entwicklung.
Gesunder Ehrgeiz oder blockierender Perfektionismus?
Die Unterscheidung hilft:
- Gesunder Ehrgeiz: Das Kind strengt sich an, gibt sein Bestes, kann ein gutes Ergebnis genießen, steckt Rückschläge weg.
- Blockierender Perfektionismus: Das Kind fängt erst gar nicht an, bricht ab wenn es nicht perfekt läuft, leidet unter Noten, die andere nicht belasten würden, oder vermeidet Situationen in denen es scheitern könnte.
Der zweite Typ braucht Unterstützung, kein Zurechtweisen.
Was du als Elternteil tun kannst
Fehler normalisieren, auch eigene
Kinder lernen aus dem, was sie um sich herum sehen. Wenn du laut sagst: "Oh, ich habe da einen Fehler gemacht, okay, dann mache ich das so", zeigst du, dass Fehler kein Versagen sind, sondern Teil des Lernens. Das ist wirksamer als jedes Gespräch über Perfektionismus.
Anstrengung loben, nicht nur Ergebnis
Statt "Du hast eine Eins, toll!" besser: "Du hast da wirklich viel geübt, das sieht man." Wer nur für Ergebnisse Lob bekommt, fürchtet Situationen, in denen das Ergebnis vielleicht nicht stimmt.
Den ersten Schritt kleiner machen
Bei Aufschubverhalten hilft es, die Aufgabe zu verkleinern. Nicht: "Schreib den Aufsatz." Sondern: "Schreib drei Sätze, die noch schlecht sein dürfen." Der erste Schritt ist oft der schwierigste, nicht die Aufgabe selbst.
Die eigene Erwartungshaltung prüfen
Manchmal ist Perfektionismus eine Reaktion auf das, was das Kind zu Hause oder von Lehrkräften erlebt. Die Frage lohnt sich: Gibt es in der Familie viele Kommentare über Noten, Leistung und Vergleiche mit anderen? Das ist keine Selbstanklage, sondern eine Möglichkeit, etwas zu verändern.
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Häufige Fragen
Ist Perfektionismus bei Kindern immer ein Problem?
Nein. Ein Kind, das sorgfältig arbeitet und hohe Ansprüche an sich selbst hat, ohne sich dabei zu quälen, zeigt gesunden Ehrgeiz. Problematisch wird Perfektionismus, wenn das Kind Aufgaben abbricht, weil sie nicht perfekt werden könnten, wenn es Fehler als Katastrophen erlebt, oder wenn die Angst vor dem Scheitern dazu führt, neue Dinge zu vermeiden.
Woher kommt Perfektionismus bei Kindern?
Aus einem Zusammenspiel von Veranlagung und Umfeld. Manche Kinder haben von Natur aus eine hohe innere Anspruchshaltung. Dazu kann ein Umfeld kommen, das Leistung stark betont oder in dem Fehler mit Liebesentzug oder Kritik verbunden werden. Auch Geschwister oder Vergleiche mit anderen Kindern können eine Rolle spielen.
Mein Kind fängt Aufgaben nicht an, weil es sie nicht perfekt machen kann. Was tun?
Das nennt sich Aufschubverhalten aus Perfektionismus. Helfe dem Kind, die Aufgabe in kleine Schritte aufzuteilen. Sage: 'Fang einfach irgendwo an. Das muss nicht perfekt sein, es muss nur anfangen.' Manchmal hilft es, gemeinsam einen bewusst nicht perfekten ersten Satz zu schreiben, als Einstiegshürde.
Wann braucht es professionelle Unterstützung?
Wenn Perfektionismus das Kind ernsthaft belastet, wenn es unter Bauchschmerzen, Schlafproblemen oder Panik vor Prüfungen leidet, oder wenn es soziale Situationen meidet, weil es Fehler fürchtet. Dann ist ein Gespräch mit dem Kinderpsychologen sinnvoll.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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