Kind mag seinen Lehrer nicht: Was Eltern tun können
Kurz gesagt: Wenn ein Kind sagt, es mag seinen Lehrer nicht, ist das selten eine einfache Frage von Sympathie. Dahinter können Missverständnisse stecken, ein Unterrichtsstil, der dem Kind nicht liegt, oder tatsächliche Konflikte. Eltern helfen am meisten, wenn sie zuerst zuhören, ohne sofort Partei zu ergreifen, dann mit dem Kind klären, was genau passiert, und erst dann entscheiden, ob mehr getan werden muss.
Warum Kinder Lehrer ablehnen
"Der Lehrer ist blöd" bedeutet selten, dass der Lehrer tatsächlich ein Problem ist. Es bedeutet oft: Das Kind erlebt gerade etwas, das es nicht einordnen kann. Das kann viele Ursachen haben. Manchmal ist der Unterrichtsstil des Lehrers einfach nicht kompatibel mit dem, was das Kind braucht. Manche Lehrer sind sehr strukturiert, manche eher frei. Manche mögen es laut, andere brauchen Stille. Kinder reagieren unterschiedlich auf diese Stile.
Manchmal steckt hinter der Ablehnung eine konkrete Situation: Das Kind wurde vor der Klasse kritisiert, hat eine Aufgabe falsch verstanden und keine Hilfe bekommen, oder hat das Gefühl, dass der Lehrer es nicht mag. Das sind ernste Signale, die genauer angeschaut werden sollten.
Und manchmal steckt hinter der Aussage schlicht Frust über die Schule generell, und der Lehrer bekommt das als nächste greifbare Person ab.
Wie Eltern das Gespräch mit dem Kind führen
Die erste Reaktion vieler Eltern ist entweder das Kind zu besänftigen ("Der Lehrer meint das nicht so") oder ihm zuzustimmen ("Ja, der klingt wirklich schwierig"). Beides schließt das Gespräch. Was es stattdessen braucht, ist konkrete Neugier.
Fragen, die helfen: "Was hat der Lehrer heute gemacht, das dich geärgert hat?" "Wann hast du das zuerst gemerkt?" "Gibt es Situationen, in denen es besser ist?" "Was würdest du dir von ihm wünschen?" Diese Fragen helfen dem Kind, die Situation zu beschreiben statt nur zu bewerten. Und sie helfen Eltern zu verstehen, ob es sich um ein Missverständnis oder ein echtes Problem handelt.
Wichtig ist auch, was Eltern nicht sagen sollten: "Du musst einfach lernen, damit umzugehen." Das ist zwar irgendwann wahr, aber es nimmt dem Kind das Gefühl, dass sein Erleben ernst genommen wird. Erst zuhören, dann einordnen.
Wann ein Gespräch mit dem Lehrer sinnvoll ist
Ein Gespräch mit dem Lehrer ist dann sinnvoll, wenn die Beschwerden des Kindes konkret und wiederholt sind. Nicht nach dem ersten schlechten Tag, aber nach mehreren Wochen, in denen das Kind dieselben Situationen beschreibt, ist ein Elterngespräch der richtige Schritt.
Wichtig dabei: nicht als Anklage auftreten, sondern als Neugierige. "Wie erleben Sie mein Kind im Unterricht?" ist eine bessere Eröffnung als "Mein Kind sagt, dass Sie..." Der erste Satz öffnet ein Gespräch, der zweite setzt den Lehrer sofort in die Defensive.
Manchmal ergibt sich aus diesem Gespräch, dass der Lehrer das Kind ganz anders wahrnimmt als das Kind glaubt. Das ist ein wichtiges Gespräch, das dann auch mit dem Kind geführt werden kann.
Was das Kind aus dieser Situation lernen kann
Lehrer, die man nicht mag, gehören zum Leben. Kolleginnen, Vorgesetzte, Nachbarn, die schwierig sind, gibt es in jedem Lebensabschnitt. Die Frage ist nicht, wie man Menschen aus dem Weg geht, die man nicht mag, sondern wie man trotzdem funktioniert und respektvoll miteinander umgeht.
Das können Eltern zeigen: nicht indem sie das Problem kleinreden, sondern indem sie mit dem Kind zusammen überlegen, was das Kind selbst tun kann. "Was könnte sich ändern, wenn du den Lehrer nach dem Unterricht fragst, wenn du etwas nicht verstanden hast?" Solche Fragen verlagern die Perspektive vom Problem zur Handlungsfähigkeit des Kindes.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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Häufige Fragen
Soll ich mit dem Lehrer reden, wenn mein Kind sich über ihn beschwert?
Erst zuhören, dann einschätzen. Viele Beschwerden lösen sich auf, wenn Kinder das Gefühl haben, gehört zu werden. Wenn die Beschwerde konkret und wiederholt ist, ein Gespräch mit dem Lehrer suchen, und zwar ohne vorab Partei zu ergreifen. Fragen statt anklagen: 'Wie erleben Sie mein Kind im Unterricht?' gibt mehr Informationen als 'Mein Kind sagt, Sie...'
Was, wenn der Lehrer wirklich unfair ist?
Das gibt es. Wenn das Kind konkrete, nachvollziehbare Beispiele nennt, die ein Muster zeigen, dann ist das ein ernstes Signal. Ruhig mit dem Kind besprechen, was genau passiert, ohne zu werten. Dann das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Wenn das nichts bringt, gibt es die Schulleitung. Wichtig ist, dem Kind zu zeigen, dass man ihm glaubt und dass man Wege kennt, mit Ungerechtigkeit umzugehen.
Mein Kind will wegen des Lehrers nicht mehr zur Schule. Was jetzt?
Das ist ein klares Signal für mehr als nur Antipathie. Wenn die Ablehnung so stark ist, dass das Kind die Schule verweigert, steckt meistens Angst oder anhaltende Belastung dahinter. Dann sollte schnell gehandelt werden: zuerst Gespräch mit dem Kind, dann mit der Schule, und wenn nötig einen Termin beim Kinderarzt oder Schulpsychologen.
Ist es in Ordnung, dem Kind zu sagen, dass ich den Lehrer auch nicht mag?
Nein, in der Regel nicht. Auch wenn du den Lehrer selbst schwierig findest, schwächt das die Autorität der Lehrkraft und gibt dem Kind das Signal, sich nicht anstrengen zu müssen. Besser ist: 'Ich verstehe, dass du das schwierig findest. Was genau stört dich?' Und dann: 'Was könntest du trotzdem versuchen?' Das zeigt dem Kind, wie man mit Personen umgeht, die man nicht mag, was im Leben immer wieder vorkommt.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich in pädagogischer Review.
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