5 Min. Lesezeit·Kinwords-Redaktion

Kind macht Witze auf Kosten anderer: Was Eltern tun können

Dein Kind imitiert jemanden auf eine Art, die alle zum Lachen bringt, außer denjenigen, der imitiert wird. Oder es macht Bemerkungen über das Aussehen, die Stimme, die Fehler von Mitschülern. Es nennt das einen Witz. Der andere nennt es verletzend. Beide haben irgendwie recht, und trotzdem muss sich etwas ändern.

Warum Kinder andere verspotten

Witze auf Kosten anderer sind fast immer soziales Verhalten. Kinder, die andere lächerlich machen, wollen meistens Lachen ernten und dazugehören. Wer die Gruppe zum Lachen bringt, hat Status. Kurzfristig funktioniert das, und deshalb wird es wiederholt.

Dahinter steckt oft auch Unsicherheit. Wer selbst Angst hat, aufzufallen oder Fehler zu machen, kann diese Angst manchmal umlenken, indem er auf andere zeigt. Das Ziel ist dann nicht Grausamkeit, sondern Ablenkung von sich selbst. Das macht es nicht besser, erklärt es aber.

Manchmal fehlt auch schlicht die Vorstellung, wie sich das anfühlt. Kinder zwischen acht und zwölf Jahren sind noch dabei, sich in andere einzufühlen. Was für sie ein Witz ist, registrieren sie erst als verletzend, wenn ihnen jemand erklärt, warum.

Wie du das Gespräch führst

Nicht im Affekt. Wenn du gerade wütend oder beschämt bist, warte kurz. Ein Gespräch, das mit Vorwürfen beginnt, endet mit Mauern. Besser: sachlich beschreiben, was passiert ist, ohne sofort zu bewerten.

Dann frag, statt zu erklären. Wie denkst du, hat sich das für ihn angefühlt? Was wolltest du damit erreichen? Hat es das erreicht? Diese Fragen lassen dein Kind selbst denken, statt nur zuzuhören und innerlich abzuschalten.

Dann kannst du benennen, was du erwartest. In dieser Familie reden wir nicht so über andere Menschen. Das ist keine Bitte, sondern eine Grenze. Klar und ohne Predigt.

Wenn die Situation es erfordert, macht eine Entschuldigung Sinn. Nicht erzwungen und aus einem Reflex, sondern weil dein Kind versteht, warum. Das hat mehr Wert als ein gemurmeltes Tut mir leid unter Druck.

Was du modellierst

Kinder lernen, was sie sehen. Wenn du zuhause über andere lachst, Nachbarn imitierst oder über Kollegen Witze machst, wundere dich nicht, wenn dein Kind das aufgreift. Das bedeutet nicht, dass du keinen Humor haben darfst. Aber der Unterschied zwischen Witzen, die auf Augenhöhe funktionieren, und solchen, die auf Kosten anderer gehen, wird zuerst im eigenen Verhalten klar.

Wenn du bei einem Witz mitlachst, der jemanden erniedrigt, signalisierst du: Das ist okay. Wenn du sagst, das war nicht okay für mich, auch wenn alle anderen gelacht haben, gibst du deinem Kind ein Werkzeug.

Häufige Fragen

Warum macht mein Kind andere lächerlich, obwohl es selbst verletzt wurde?

Kinder, die andere verspotten, tun das oft, weil sie selbst Unsicherheit haben und durch das Lachen Anerkennung bekommen. Wer andere kleiner macht, fühlt sich kurzfristig größer. Das ist kein Zeichen schlechten Charakters, aber ein Zeichen, dass dein Kind lernen muss, wie es Anerkennung auf andere Weise bekommt.

Was soll ich sagen, wenn mein Kind sagt, es war doch nur ein Witz?

Frag: Würdest du diesen Witz als Erster hören wollen? Wenn nein, dann ist klar, warum er wehtut. Du musst nicht erklären, warum der Witz falsch ist. Die Frage reicht oft, um das Umdenken anzustoßen.

Soll ich meinem Kind verbieten, Witze zu machen?

Nein. Humor ist wichtig, und Witze gehören dazu. Was du vermitteln willst, ist der Unterschied zwischen Witzen, die alle einschließen, und solchen, die auf Kosten von jemandem gehen. Das ist ein Unterschied, den man lernen kann.

Was, wenn mein Kind nur in der Gruppe so redet, nicht zuhause?

Das ist häufig. Kinder passen ihr Verhalten der Gruppe an. In der Gruppe kann Spotten soziales Kapital bringen. Wichtig ist, dass dein Kind zuhause versteht, dass dieses Verhalten Konsequenzen hat, und dass du nicht mitmachst, wenn es so redet.

Ab wann ist es Mobbing?

Wenn dasselbe Kind immer wieder das Ziel ist, wenn Witze gezielt eingesetzt werden, um jemanden auszugrenzen, und wenn das Verhalten trotz Wissen um die Verletzung weitergeht, dann ist das keine Ironie mehr, das ist Mobbing. Dann braucht es ein Gespräch mit der Schule.

Was jetzt hilft

  • Fragen statt erklären: Wie hat sich das für den anderen angefühlt? lässt dein Kind selbst denken
  • Klare Grenze setzen: In dieser Familie reden wir nicht so über andere Menschen
  • Selbst vorleben: Witze, die auf Kosten anderer gehen, zuhause nicht mitmachen

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