Kind macht keine Notizen in der Schule: Warum das passiert und was hilft
Kurz gesagt: Kinder machen keine Notizen, weil sie nicht wissen, was wichtig ist, weil Schreiben und Zuhören gleichzeitig zu viel ist, oder weil sie glauben, es sich merken zu können. Keines davon ist Faulheit — alle drei lassen sich mit kleinen konkreten Strategien angehen.
Warum viele Kinder im Unterricht nichts mitschreiben
Gleichzeitig zuhören und schreiben ist eine anspruchsvolle Fertigkeit — und eine, die niemand von sich aus kann. Erwachsene haben sie über Jahre geübt. Kinder, die im Unterricht nichts mitschreiben, fehlt meistens nicht die Motivation, sondern eine dieser drei Fähigkeiten:
- Filtern: Was ist wichtig genug, um es aufzuschreiben? Kinder, die noch nicht unterscheiden können, schreiben entweder alles oder nichts.
- Parallelverarbeitung: Dem Lehrer zuhören und gleichzeitig schreiben — manche Kinder können das schlicht noch nicht koordinieren.
- Schreibgeschwindigkeit: Wer langsam schreibt, hinkt hinter dem Unterricht her und gibt irgendwann auf.
Das Problem zeigt sich erst beim Lernen zuhause
Kinder, die im Unterricht gut folgen, merken oft erst beim Lernen für die Klassenarbeit, dass sie den Stoff nicht mehr wissen — weil sie nichts aufgeschrieben haben. Das kann lange unbemerkt bleiben, weil das Kind im Unterricht aufmerksam wirkt.
Was Eltern zuhause tun können
- Die Lücke sichtbar machen: Nach der Schule fragen: "Was war das Wichtigste in der Stunde heute?" Wenn das Kind das nicht sagen kann, ist das ein Signal — nicht für Dummheit, sondern dafür, dass es noch keine Struktur hat, was wichtig ist.
- Stichwort statt Satz üben: Notizen bestehen nicht aus vollständigen Sätzen. Das Kind lernen, in Stichworten zu denken — was sagt mir in einer Woche noch, was gemeint war?
- Den Stoff nachbereiten: Gemeinsam nach der Schule das Heft durchgehen und das Kind ergänzen lassen, was wichtig war. So entsteht Schritt für Schritt das Gespür dafür, was aufgeschrieben werden sollte.
Was wirklich nicht hilft
Das Kind anhalten, "mehr zu schreiben" ohne zu erklären, was. Vollständige Abschriften der Tafel machen das Heft voll, aber helfen beim Lernen wenig — denn das Kind hat nichts selbst formuliert.
Auch: Das Problem auf Faulheit zurückführen und es dabei belassen. Kinder, die keine Notizen machen, haben fast immer eine lernbare Lücke — keine Haltungsfrage.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine schulische oder lerntherapeutische Beratung.
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Häufige Fragen
Ab welchem Schuljahr sollten Kinder selbstständig Notizen machen?
In der Grundschule übernimmt das meistens die Tafel oder das Schulbuch — eigene Notizen sind selten nötig. Ab der fünften Klasse wird die Fähigkeit wichtiger, weil der Stoff umfangreicher wird und nicht mehr alles im Buch steht. In der Sekundarschule ist es eine Grundfähigkeit, die viele Kinder aber nie systematisch gelernt haben.
Mein Kind sagt, es braucht keine Notizen, weil es sich alles merken kann. Was tun?
Das stimmt manchmal — für einige Kinder und für einfachen Stoff. In der Oberstufe und bei steigendem Stoff wird das Gedächtnis ohne Aufzeichnungen an seine Grenzen stoßen. Eine gute Übung: das Kind bitten, nach einer Schulstunde aus dem Gedächtnis aufzuschreiben, was der wichtigste Punkt war. Wenn das funktioniert, ist das Selbstbewusstsein berechtigt. Wenn nicht, ist der Beweis geliefert.
Soll ich mit dem Lehrer reden, wenn mein Kind keine Notizen macht?
Das kommt darauf an. Wenn das Kind dadurch schlechte Noten bekommt oder im Unterricht verloren wirkt, ist ein Gespräch sinnvoll. Viele Lehrer haben Strategien für Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Mitschreiben haben. Wenn das Kind aber trotzdem gut mitkommt und die Noten stimmen, ist das Nichtmachen von Notizen eher eine persönliche Arbeitsstrategie — und kein Problem.
Gibt es Alternativen zu klassischen Notizen?
Ja. Manche Kinder arbeiten besser mit Fotos der Tafel (wenn der Lehrer das erlaubt), mit kurzen Stichpunkten am Rand des Schulbuchs, oder mit Skizzen und Schaubildern statt Text. Das Ziel ist nicht eine bestimmte Form, sondern dass das Kind nach der Stunde noch weiß, was wichtig war — in welcher Form auch immer.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review.
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