Ratgeber · Gesundheit
Kind krank: Wie lange zuhause bleiben?
Fieber weg, aber noch müde. Kein Erbrechen mehr, aber der Husten bleibt. Wann darf dein Kind wieder in die Schule — und wann nicht? Klare Orientierung für die häufigsten Krankheitsbilder.
Morgens aufwachen, Kind glüht, Schule fällt aus. Das ist klar. Aber der zweite Tag, der dritte Tag — da beginnt das Rätselraten. Ist es wirklich noch zu krank? Kann ich es jetzt nicht doch schicken? Macht es sich nur einen schönen Tag?
Keine Pauschalantwort funktioniert für jedes Kind. Aber es gibt klare Orientierungspunkte für die häufigsten Krankheiten — und eine grundlegende Faustregel, die meistens stimmt.
Die Grundregel
Dein Kind kann in die Schule, wenn es sich gut genug fühlt, um am Unterricht teilzunehmen — nicht nur körperlich, sondern auch konzentrationsmäßig. Ein Kind, das auf dem Sofa liegt und schläft, gehört nicht in die Schule, auch wenn das Fieber gerade knapp unter der Grenze ist.
Zweiter Test: Würdest du dich wohl dabei fühlen, es zu schicken? Wenn du innerlich zögerst, hör auf dieses Zögern. Ein halber Tag mehr zuhause ist fast immer die bessere Entscheidung als ein Kind, das mittags aus der Schule abgeholt werden muss.
Fieber
Ab 38,5 Grad Celsius kein Schulbesuch. Das ist der übliche Richtwert, den viele Schulen auch offiziell als Regel führen. Aber: Auch wenn das Fieber gerade weg ist, gilt eine Wartezeit. Mindestens 24 Stunden fieberfrei — ohne fiebersenkende Mittel — bevor das Kind wieder in die Schule darf. Oft rät der Kinderarzt zu 48 Stunden.
Magen-Darm-Infekt
Hier gilt die strengste Regel: Mindestens 48 Stunden nach dem letzten Erbrechen oder dem letzten wässrigen Durchfall. Magen-Darm-Infekte, besonders durch Noroviren, verbreiten sich in Schulklassen rasend schnell. Auch wenn dein Kind sich nach einem Tag wieder gut fühlt: 48 Stunden ist die Grenze.
Erkältung und Husten
Kein Fieber, kein Erbrechen, aber Husten, laufende Nase, leichte Halsschmerzen. Das ist oft der Graubereich. Hier zählt das Befinden: Kann das Kind am Unterricht teilnehmen? Fühlt es sich fit? Dann meistens ja. Ein trockener Restkatarrh nach einer Erkältung ist kein Ausschlussgrund.
Bei starkem Husten oder produktivem Schleim: lieber einen Tag mehr zuhause. Und sowieso: Taschentücher einpacken und dem Kind erklären, warum Händewaschen jetzt wichtig ist.
Scharlach, Bindehautentzündung, Keuchhusten
Bei diesen Erkrankungen gelten besondere Regeln, meist mit Attest vom Arzt:
- Scharlach: 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikabehandlung, wenn kein Fieber mehr — und Abmeldung bei der Schule erforderlich.
- Bindehautentzündung (bakteriell): Nach 24 Stunden Augentropfen, wenn keine Absonderung mehr sichtbar ist.
- Keuchhusten: Erst nach vollständiger Antibiotikabehandlung oder nach drei Wochen Husten ohne Behandlung — Schule fordert meist ein ärztliches Attest.
Im Zweifel immer die Schule anrufen. Viele Schulen haben eigene Hygieneregeln, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen.
Krank, aber nur morgens?
Wenn dein Kind regelmäßig morgens Bauchschmerzen, Kopfweh oder Übelkeit entwickelt, die nach der Schule verschwinden — oder die an Schultagen auftauchen und an Wochenenden nicht — dann liegt oft kein körperliches Problem vor. Das kann ein Zeichen für Schulangst, sozialen Stress oder Überforderung sein.
Das verdient ein eigenes Gespräch, nicht ein weiteres Thermometer. Mehr dazu im Artikel zu Schulangst beim Kind.
Häufige Fragen
Mein Kind hat kein Fieber mehr, aber hustet noch. Darf es in die Schule?
Wenn das Kind sich fit genug fühlt, sich konzentrieren kann und keine anderen infektiösen Symptome hat, spricht meist nichts dagegen. Ein Restkatarrh nach Erkältung ist kein Ausschlussgrund. Im Zweifel kurz beim Kinderarzt nachfragen.
Ab welcher Temperatur bleibt das Kind zuhause?
Ab 38,5 Grad Celsius gilt in Deutschland typischerweise kein Schulbesuch. Viele Schulen schreiben das fest. Aber schon unter diesem Wert kann ein Kind so schlapp sein, dass Schule keinen Sinn macht. Das Wohlbefinden zählt genauso wie der Thermometerwert.
Wie lange muss das Kind nach Erbrechen zuhause bleiben?
Mindestens 48 Stunden nach der letzten Übelkeit oder dem letzten Erbrechen. Magen-Darm-Infektionen sind hochansteckend. Das gilt auch dann, wenn das Kind sich wieder fit fühlt.
Darf ich mein Kind schicken, wenn es sagt, ihm geht es gut, ich aber unsicher bin?
Du kennst dein Kind. Wenn du das Gefühl hast, dass es eigentlich nicht fit ist, ist dieses Gefühl meistens richtig. Ein Tag mehr zuhause kostet weniger als ein Kind, das mittags aus der Schule abgeholt werden muss.
Was, wenn das Kind immer krank ist, wenn es in die Schule soll?
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Kinder, die regelmäßig morgens Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen entwickeln, die nach der Schule verschwinden, zeigen oft Schulangst oder sozialen Stress — keine körperliche Krankheit. Das verdient ein eigenes Gespräch.