Soziales5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind kopiert andere Kinder ständig: Was steckt dahinter?

Kurz gesagt: Kinder lernen durch Nachahmen. Das ist keine Schwäche, sondern eines der wichtigsten Entwicklungsprinzipien. Wenn ein Kind andere sehr stark kopiert, steckt meistens ein starkes soziales Interesse dahinter, manchmal auch ein Hinweis darauf, dass es die eigene Identität noch sucht. Beides braucht Zeit, keine Korrektur.

Nachahmen ist Lernen

Dein Kind trägt plötzlich nur noch Klamotten wie sein bester Freund. Es spricht wie ein Mitschüler, mag dieselbe Musik, will dasselbe Hobby ausprobieren. Wenn du beobachtest, wie stark ein Kind jemand anderen kopiert, kommt schnell die Frage: Wo ist die eigene Persönlichkeit?

Die Antwort ist: Sie entsteht gerade. Und sie entsteht genau dadurch, dass Kinder Verhalten anderer ausprobieren, übernehmen und wieder verwerfen. Das klingt nicht besonders beeindruckend, ist aber einer der effektivsten Lernmechanismen, die Menschen haben.

Kleinkinder ahmen nach, um zu lernen, wie die Welt funktioniert. Schulkinder ahmen nach, um herauszufinden, welche sozialen Rollen es gibt und welche sich für sie richtig anfühlen. Teenager ahmen nach, um sich in Gruppen zu verorten.

Was Nachahmung über soziale Bedürfnisse verrät

Wenn ein Kind eine bestimmte Person besonders intensiv kopiert, ist das oft ein Zeichen von Bewunderung und dem Wunsch nach Nähe. Kinder ahmen nach, was sie an jemandem anziehend finden. Das ist ein soziales Signal: Ich möchte dazugehören. Ich finde dich gut.

Das erklärt, warum das Kopieren oft endet, wenn die Beziehung enger wird. Wenn das Kind und der bewunderte Freund sich gut kennen, braucht es die Nachahmung nicht mehr als Brücke.

Umgekehrt kann starkes Kopieren auch auf Unsicherheit hindeuten: Das Kind weiß (noch) nicht, was es selbst mag, und orientiert sich deshalb stärker an anderen. Das ist kein Defizit, sondern ein Entwicklungsschritt.

Wann du eingreifen solltest

Solange das Kind durch die Nachahmung nichts Schädliches übernimmt, gibt es keinen Grund einzugreifen. Schädlich wäre: gefährliches Verhalten, Ausgrenzung anderer, Aufgabe von Dingen, die dem Kind früher wichtig waren und die es vermisst.

Wenn die Nachahmung so weit geht, dass das Kind keine eigenen Meinungen oder Vorlieben mehr äußert und immer auf das wartet, was andere tun, lohnt sich ein ruhiges Gespräch. Nicht: "Du machst immer alles nach." Besser: "Was gefällt dir eigentlich, wenn du ganz für dich bist?"

Wie Eltern die Identitätsentwicklung unterstützen

Gib dem Kind Raum, Dinge auszuprobieren. Wenn es das Hobby des Freundes ausprobieren will, lass es das tun, ohne sofort zu fragen: "Aber magst du das wirklich, oder machst du das nur, weil X das macht?" Diese Frage unterbricht den natürlichen Prozess.

Was helfen kann: Aktivitäten, bei denen das Kind alleine ist und sich selbst erfahren kann. Ein Kurs, den der Freund nicht besucht. Ein Projekt, das nur ihres ist. Dort zeigt sich, welche Interessen wirklich eigene sind.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine pädagogische oder therapeutische Fachberatung.

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Häufige Fragen

Bis zu welchem Alter ist Nachahmen bei Kindern normal?

Nachahmen ist das wichtigste Lernprinzip in der frühen Kindheit und bleibt bis ins Schulalter relevant. Kleinkinder ahmen Eltern nach, Kindergartenkinder ahmen ältere Kinder nach, Grundschüler ahmen Freunde nach. Das ist ein Zeichen von sozialem Lernen und Interesse an der Gemeinschaft. Erst wenn das Nachahmen obsessiv wird oder das Kind keine eigene Identität entwickelt, ist genaueres Hinschauen nötig.

Mein Kind macht alles nach, was sein bester Freund tut, sogar Hobbys und Vorlieben. Soll ich das einschränken?

Nicht sofort. Kinder übernehmen Vorlieben von Freunden, das ist ein ganz normaler Teil der Sozialisation. Wichtig ist, ob das Kind dabei bleibt, wenn der Freund weg ist. Wenn dein Kind auch alleine Interesse an der Aktivität zeigt, ist es wirklich ein eigenes Interesse. Wenn das Interesse sofort verschwindet, wenn der Freund es nicht mehr macht, ist das Nachahmung, die noch kein eigenes Fundament hat.

Was steckt dahinter, wenn ein Kind immer das Spielzeug anderer will und sein eigenes nicht mehr benutzt?

Das ist häufig ein Zeichen dafür, dass das Spielzeug der anderen interessanter wirkt, weil es gespielt wird. Kinder finden das attraktiv, was andere benutzen. Das ist nicht nur Nachahmung, das ist auch ein soziales Bindungsangebot: 'Ich will spielen, was du spielst, weil ich mit dir spielen will.' Nicht immer muss das Kind das gleiche Spielzeug bekommen, ein gemeinsames Spielerlebnis kann mehr erfüllen als ein neues Spielzeug.

Mein Kind ahmt sogar negative Verhaltensweisen nach, die es von Mitschülern aufschnappt. Was tun?

Das ist anspruchsvoller. Kinder testen manchmal Verhaltensweisen aus, die sie bei anderen sehen, auch wenn diese Verhaltensweisen nicht gut sind. Ruhig ansprechen: 'Ich habe bemerkt, dass du das jetzt so machst wie X. Was gefällt dir daran?' Oft gibt es eine logische Antwort: Es bringt Aufmerksamkeit, es sorgt für Lacher, es schafft Zugehörigkeit. Dann kann man gemeinsam überlegen, ob es andere Wege gibt, das gleiche Ziel zu erreichen.

Soll ich meinem Kind sagen, es soll 'es selbst sein' und nichts nachmachen?

Diese Aussage hilft Kindern in der Regel nicht viel, weil sie nicht wissen, was sie selbst wirklich sind, wenn nicht durch Ausprobieren und Vergleichen. Hilfreicher: Interesse an den Dingen zeigen, die das Kind von sich aus mag. Fragen: 'Was machst du, wenn du ganz alleine bist?' Das zeigt echte Interessen, jenseits von Gruppeneinfluss.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete psychologische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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