Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind kommt beim Abschreiben von der Tafel nicht mit: Ursachen und Hilfe

Kurz gesagt: Abschreiben von der Tafel ist ein Zusammenspiel aus Lesen, Merken, Blickwechsel und Schreiben — und wenn ein Teil davon noch nicht automatisch läuft, kommt das Kind im Klassentempo nicht mit. Das liegt oft an unsicherer Feinmotorik, noch nicht gefestigten Buchstaben, den Augen oder schlechter Sicht zur Tafel, nicht an Faulheit. Nimm den Druck heraus: Foto der Tafel, Kopie vom Sitznachbarn, ein Platz weiter vorne, ein Sehtest. Übe das Schreiben in kurzen Häppchen. Wachsam werden solltest du, wenn trotzdem über Wochen nichts besser wird oder das Schreiben sichtbar quält.

Du blätterst durch das Heft deines Kindes, und die Tafelabschrift bricht mittendrin ab: halbe Sätze, Lücken, ein Wort verrutscht ins nächste. In der Schule sagt dein Kind, es sei „zu schnell gegangen", zu Hause wird es still, wenn das Thema aufkommt. Abschreiben klingt nach der einfachsten Aufgabe der Welt, ist aber für viele Kinder eine echte Hürde — und die Gründe dafür haben fast nie mit Bequemlichkeit zu tun.

Warum Abschreiben so schwer sein kann

Von der Tafel abzuschreiben ist eine Kette aus mehreren Schritten, die schnell hintereinander laufen müssen: ein Wort lesen, es kurz im Kopf behalten, den Blick zum Heft senken, es aufschreiben und die richtige Stelle an der Tafel wiederfinden. Solange auch nur ein Glied dieser Kette noch Mühe macht, stockt das Ganze — und die Klasse schreibt derweil weiter.

Die häufigsten Bremsen: Das Kind schreibt noch langsam, weil die Buchstaben nicht automatisch aus der Hand kommen. Die Feinmotorik ist unsicher, der Stift verkrampft. Die Augen ermüden, oder die Sicht zur Tafel ist schlecht — sei es durch die Sehstärke, eine Spiegelung oder den Sitzplatz weit hinten. Manchmal fehlt auch schlicht die Konzentration, um beim Hin- und Herblicken die Zeile nicht zu verlieren. Keiner dieser Gründe bedeutet, dass ein Kind nicht klug ist. Sie bedeuten nur, dass es diese eine Fertigkeit noch übt.

Woran du es erkennst

Typisch sind unvollständige Abschriften, Wörter, die abbrechen oder ineinanderlaufen, und ein Kind, das nach der Schule erschöpft oder frustriert ist. Manche schreiben so angestrengt, dass die Hand danach wehtut. Andere geben innerlich auf und schreiben gar nicht erst mit, weil sie wissen, dass sie es nie schaffen. Der Rückstand wächst leise: Fehlt der Merkstoff im Heft, fehlt er auch beim Lernen zu Hause.

So hilfst du deinem Kind konkret

  • Foto der Tafel erlauben lassen. Bitte die Lehrkraft, dass dein Kind die Tafel abfotografieren darf. So geht kein Stoff verloren, und das Abschreiben zu Hause geht in Ruhe.
  • Kopie vom Sitznachbarn. Ein vollständiges Heft eines Mitschülers zu kopieren nimmt sofort den Zeitdruck und stellt sicher, dass alles da ist, was gebraucht wird.
  • Vorbereitete Handouts. Frag nach, ob die Lehrkraft wichtige Tafelbilder als fertiges Blatt austeilen kann. Das ist eine kleine Anpassung mit großer Wirkung.
  • Sitzplatz weiter vorne. Näher an der Tafel sieht dein Kind mehr, verliert die Zeile seltener und lässt sich weniger ablenken — oft der einfachste Hebel überhaupt.
  • Sehtest machen. Verschwommene Sicht wird bei Kindern leicht übersehen. Ein kurzer Check beim Optiker oder Augenarzt kann die halbe Erklärung sein.
  • Schreiben in kleinen Dosen üben. Ein paar Minuten täglich locker schreiben — nicht seitenlang. Je flüssiger die Buchstaben aus der Hand kommen, desto weniger Kraft kostet das Abschreiben.
  • Mit der Lehrkraft sprechen. Erklär die Situation und frag nach mehr Zeit oder weniger Abschreibmenge. Die meisten Lehrkräfte finden gern eine Lösung, wenn sie das Problem kennen.

Wann du es abklären lassen solltest

Meist reicht eine Mischung aus Sitzplatz vorne, Sehtest, ein bisschen Übung und Entlastung durch Foto oder Kopie, damit es leichter wird. Hellhörig werden solltest du, wenn dein Kind trotz dieser Schritte über Wochen nicht mitkommt, wenn das Schreiben sichtbar anstrengt oder schmerzt, wenn die Schrift kaum lesbar bleibt oder wenn dieselben Probleme auch beim freien Schreiben und Malen auftauchen.

Dann kann mehr dahinterstecken — etwa eine Schwäche der Feinmotorik, eine Verarbeitungs- oder Wahrnehmungsschwäche oder eine beginnende Dysgraphie (eine anhaltende Schwäche im Schreiben). Sprich mit der Klassenlehrerin und der Kinderärztin; sie können erste Hinweise geben und bei Bedarf an eine Ergotherapie oder Lerntherapie verweisen. Je früher eine Ursache erkannt wird, desto leichter lässt sie sich auffangen, bevor dein Kind das Mitschreiben ganz aufgibt.

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Häufige Fragen

Warum kommt mein Kind beim Abschreiben von der Tafel nicht mit?

Abschreiben ist für Kinder anspruchsvoller, als es aussieht: Sie müssen ein Wort lesen, es sich merken, den Blick zum Heft senken, schreiben und die Stelle an der Tafel wiederfinden — und das im Tempo der Klasse. Läuft eines dieser Teile noch nicht automatisch, etwa weil die Buchstaben noch nicht flüssig geschrieben werden, die Feinmotorik unsicher ist oder die Augen schnell ermüden, bricht die Kette. Das Kind ist dann nicht langsam aus Faulheit, sondern weil zu viele Schritte gleichzeitig Kraft kosten.

Was kann ich sofort tun, wenn mein Kind mit der Tafelabschrift nicht hinterherkommt?

Am schnellsten hilft, den Druck herauszunehmen: Bitte die Lehrkraft, dass dein Kind ein Foto der Tafel machen darf, ein Blatt eines Mitschülers kopiert oder ein vorbereitetes Handout bekommt. Ein Sitzplatz weiter vorne und ein Sehtest sind oft die günstigsten und wirksamsten Schritte. Zu Hause hilft, das Schreiben in kurzen, lockeren Einheiten zu üben, damit die Buchstaben flüssiger werden — aber ohne das Kind mit langen Abschreibübungen zu quälen.

Wann sollte ich das Abschreib-Problem abklären lassen?

Hellhörig werden solltest du, wenn dein Kind trotz Sitzplatz vorne, Sehtest und etwas Übung über Wochen nicht mitkommt, wenn das Schreiben sichtbar anstrengt und schmerzt oder wenn die Schrift kaum lesbar bleibt. Dann kann mehr dahinterstecken — etwa eine Schwäche der Feinmotorik, eine Verarbeitungsschwäche oder eine beginnende Dysgraphie. Sprich mit der Klassenlehrerin und der Kinderärztin; bei anhaltenden Problemen ist eine Lerntherapie oder ergotherapeutische Abklärung sinnvoll.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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