Ratgeber7 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind liest nicht gerne: Wie du die Freude am Lesen weckst

Kurz gesagt: Kinder lesen nicht gerne, wenn es muehsam ist, wenn das Buch sie nicht interessiert, oder wenn Lesen nur Pflicht bedeutet. Die Freude am Lesen entsteht nicht durch Druck, sondern durch das richtige Buch zur richtigen Zeit, durch Vorlesen als gemeinsames Erlebnis und durch eine Umgebung, in der Lesen etwas Normales ist.

Du bittest dein Kind, 15 Minuten zu lesen. Es seufzt, schaut aus dem Fenster, liest zweimal dieselbe Zeile, klagt ueber Kopfschmerzen. Nach zehn Minuten fragt es, ob es fertig sei. Du fragst dich, ob etwas nicht stimmt, oder ob alle Kinder so sind.

Viele Kinder lesen nicht gerne. Das ist keine Seltenheit und kein Versagen. Aber es hat Gruende, die man herausfinden und angehen kann.

Warum dein Kind keine Lust aufs Lesen hat

Lesen ist noch muehsam

Wenn ein Kind beim Lesen noch viel Energie aufwenden muss, um Buchstaben zu entschluesseln, dann bleibt keine Kapazitaet, um die Geschichte zu geniessen. Es ist wie Autofahren lernen: Solange man an jede Schaltung denken muss, macht Fahren keinen Spass. Erst wenn es automatisch geht, wird es schoen.

In dieser Phase helfen einfachere Buecher, die das Kind trotzdem interessieren: nicht zu kurze Saetze, nicht zu viele Woerter pro Seite, aber ein Thema, das das Kind wirklich anspricht.

Das falsche Buch

"Alle lesen das" ist kein gutes Argument fuer ein bestimmtes Buch. Kinder haben sehr unterschiedliche Interessen. Wenn dein Kind Fussball liebt, gibt es Buecher ueber Fussball. Wenn es sich fuer Tiere interessiert, gibt es Sachbuecher mit echten Fotos. Wenn es lieber Comics mag, gibt es ausgezeichnete Graphic Novels. Das zielt alles auf dieselbe Faehigkeit ab.

Lesen ist nur Pflicht

Wenn das einzige Lesen, das dein Kind kennt, das Pflichtlesen fuer die Schule ist, verbindet es Lesen mit Anstrengung und Kontrolle. Freies Lesen, ohne dass jemand fragt, was es verstanden hat, ist wichtig. Das Kind darf auch ein Buch abbrechen, wenn es langweilig ist.

Was wirklich hilft

Vorlesen weiterfuehren

Viele Eltern hoeren mit dem Vorlesen auf, wenn das Kind selbst lesen kann. Das ist schade. Vorlesen in einem Buch, das die Lesefaehigkeit des Kindes uebersteigt, haelt die Begeisterung lebendig. Das Kind kann einer spannenden Geschichte folgen, ohne selbst kaempfen zu muessen. Das zeigt: Lesen lohnt sich.

Die Buchhandlung oder Bibliothek zum Erlebnis machen

Lass dein Kind selbst aussuchen. Kein Kommentar darueber, ob das Buch "gut genug" ist. Wer selbst ausgewaehlt hat, liest meistens auch. Bibliotheken sind kostenlos und haben oft eine Kinderabteilung mit Personal, das Empfehlungen geben kann.

Selbst lesen

Kinder ahmen nach, was sie sehen. Wenn du selbst regelmaessig liest, ist das die staerkste Botschaft. Keine Lektion, kein Appell, einfach ein Buch in der Hand.

Abendliche Lesezeit ohne Druck

Eine feste Zeit vor dem Schlafengehen, in der jeder liest, was er will, inklusive Eltern, Comics, Zeitschriften: Das normalisiert Lesen als entspannte Aktivitaet. Keine Kontrollfragen, kein Bericht hinterher.

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Wenn mehr dahintersteckt

Wenn dein Kind trotz allem sehr muehsam liest, einzelne Buchstaben verwechselt oder Woerter in ungewoehnlicher Weise falsch liest, kann eine Lese-Rechtschreib-Stoerung (Legasthenie) dahinterstecken. Das ist keine Faulheit, sondern eine neurologische Besonderheit. Ein Gespraech mit dem Kinderarzt und der Schule klaert das ab. Mit der richtigen Foerderung koennen auch Kinder mit Legasthenie lesen lernen und Freude daran entwickeln.

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Haeufige Fragen

Ab welchem Alter sollte mein Kind alleine lesen koennen?

Die meisten Kinder lesen am Ende der zweiten Klasse halbwegs sicher. Fluessiges, entspanntes Lesen entwickelt sich oft erst im Laufe der dritten und vierten Klasse. Grosse Unterschiede sind normal. Wenn dein Kind am Ende der zweiten Klasse noch sehr muehsam liest oder einzelne Buchstaben verwechselt, ist ein Gespraech mit dem Kinderarzt und der Schule sinnvoll, um eine Lese-Rechtschreib-Stoerung auszuschliessen.

Mein Kind liest lieber Comics als richtige Buecher. Ist das okay?

Ja. Comics, Graphic Novels und Sachbuecher sind gleichwertige Leseerfahrungen. Das Gehirn trainiert dieselben Faehigkeiten: Buchstaben entschluesseln, Worte verstehen, Bedeutung konstruieren. Wichtig ist, dass das Kind liest, nicht was es liest.

Vorlesen nuetzt doch nichts, wenn das Kind selbst nicht liest, oder?

Doch. Vorlesen haelt die Freude am Hoeren und Erleben von Geschichten lebendig, auch wenn das eigene Lesen noch muehsam ist. Es zeigt dem Kind, was Lesen bedeutet: Spannung, Phantasie, andere Welten. Viele Kinder, denen lange vorgelesen wurde, greifen spaeter selbst zum Buch.

Wie viel soll mein Kind taeglich lesen?

Schon 10 bis 15 Minuten taeglich machen einen grossen Unterschied. Das muss nicht am Stueck sein. Einen kurzen Abschnitt vor dem Schlafen, eine Seite beim Fruehstueck: Das zaehlt. Erzwingene Lesestunden von einer Stunde helfen weniger als regelmaessige kurze Einheiten, bei denen das Kind sich nicht voellig quaelt.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.

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