Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind kann nicht verlieren: So hilfst du bei Frust im Spiel

Kurz gesagt: Ein Kind, das beim Verlieren tobt, ist nicht schlecht erzogen, sondern noch mitten im Üben. Die Fähigkeit, Frust auszuhalten, reift bis ins Grundschulalter. Hilfreich ist nicht Schimpfen, sondern das Gefühl benennen („Du bist enttäuscht, du wolltest gewinnen“), ruhig bleiben und das Verlieren immer wieder in kleinen Dosen üben. Gewinnen lassen hin und wieder ist okay – nur nicht immer.

„Ich spiel nie wieder!“ – das Brett fliegt vom Tisch, Tränen, Türenknallen. Für viele Familien gehört das zu jedem Spieleabend. Es ist zermürbend, und schnell fragt man sich, ob man etwas falsch macht. Die gute Nachricht vorweg: Schlecht verlieren zu können ist in bestimmten Jahren völlig normal und sagt nichts über deine Erziehung aus. Es sagt nur, dass dein Kind eine schwierige Fähigkeit gerade erst lernt.

Warum Verlieren so weh tut

Für Erwachsene ist ein verlorenes Spiel eine Kleinigkeit. Für ein Kind fühlt es sich an wie ein Urteil über sich selbst: „Ich habe verloren“ wird zu „Ich bin schlecht“. Dazu kommt: Der Teil des Gehirns, der starke Gefühle bremst, entwickelt sich langsam und ist noch bis weit in die Grundschulzeit eine Baustelle. Ein tobendes Kind will dich nicht ärgern – es wird von einer Enttäuschung überrollt, die größer ist als seine Fähigkeit, sie zu steuern. Genau hier setzt deine Hilfe an.

Was im Moment des Ausbruchs hilft

  • Erst das Gefühl, dann die Regel. „Du bist wütend, du wolltest so gern gewinnen.“ Das Kind muss sich verstanden fühlen, bevor es zuhören kann.
  • Selbst ruhig bleiben. Wenn du mitsteigerst, gibt es zwei Wütende. Deine Ruhe ist das Geländer, an dem sich dein Kind wieder herunterhangelt.
  • Keine Bewertung nachschieben. „Stell dich nicht so an“ verschärft nur. Das Kind soll lernen, mit dem Gefühl umzugehen – nicht, sich dafür zu schämen.
  • Später darüber reden. Wenn alle ruhig sind, kurz gemeinsam überlegen: Was hilft nächstes Mal? Tief durchatmen, kurz rausgehen, „Glückwunsch“ sagen üben.

Verlieren üben – in kleinen Dosen

Frusttoleranz wächst nur durch Übung, und Übung heißt: verlieren dürfen, ohne dass die Welt untergeht. Spiele bewusst regelmäßig zusammen und zeige selbst, wie man verliert: „Mist, verloren – aber das war ein gutes Spiel, nochmal!“ Kinder kopieren, was sie sehen. Lobe nicht nur das Gewinnen, sondern das Mitspielen und das Faire. Und ja, ein Kind ab und zu gewinnen zu lassen ist keine Lüge, sondern Dosierung – zu viel Verlieren am Stück überfordert. Mit den Jahren werden die Ausbrüche von selbst kürzer und seltener.

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Häufige Fragen

Warum kann mein Kind so schlecht verlieren?

Verlieren zu ertragen ist eine Fähigkeit, die sich erst mit den Jahren entwickelt. Kleine Kinder erleben eine Niederlage nicht als „ein Spiel eben verloren“, sondern als Angriff auf ihren Selbstwert – deshalb der Ausbruch. Die Hirnregion, die Frust bremst, reift bis weit ins Grundschulalter. Ein Kind, das beim Verlieren tobt, ist nicht schlecht erzogen, sondern schlicht noch nicht fertig mit dem Üben.

Soll ich mein Kind absichtlich gewinnen lassen?

Ab und zu ja, ständig nein. Ein Kind, das nie gewinnt, verliert die Lust und fühlt sich klein. Ein Kind, das immer gewinnt, lernt nie, mit Enttäuschung umzugehen. Mische bewusst: mal gewinnt es, mal du. So erlebt es beides in verträglichen Dosen und merkt, dass Verlieren nicht das Ende der Welt ist.

Ab wann ist schlechtes Verlieren ein echtes Problem?

Wenn dein Kind mit acht oder neun Jahren bei jeder kleinen Niederlage noch heftig ausrastet, sich verweigert oder aggressiv wird, und wenn Freundschaften darunter leiden, lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin oder einer Erziehungsberatungsstelle. Meist steckt kein tiefes Problem dahinter, sondern ein Kind, das noch Begleitung beim Üben braucht.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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