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Kind ist Linkshänder: Was Eltern über Linkshändigkeit wissen sollten

Kurz gesagt: Wenn dein Kind Linkshänder ist, ist das völlig normal — etwa jeder zehnte bis siebte Mensch ist es. Die Händigkeit ist im Gehirn angelegt und keine Gewohnheit, deshalb darfst du sie niemals umerziehen. Zwang zur rechten Hand bedeutet Stress und kann Konzentration, Sprache und Selbstvertrauen belasten. Mit ein paar kleinen Hilfen wie einer Linkshänder-Schere, der richtigen Blattlage und Licht von rechts kommt dein Kind gut zurecht. Zeig ihm, dass Linkshändigkeit kein Nachteil ist, sondern einfach seine Art.

Warum manche Kinder Linkshänder sind

Ob ein Mensch die linke oder die rechte Hand bevorzugt, ist schon vor der Geburt im Gehirn angelegt. Die beiden Gehirnhälften steuern die jeweils gegenüberliegende Körperseite, und bei Linkshändern übernimmt die rechte Hälfte die Führung für feine Handbewegungen. Das ist kein Zufall und kein Fehler, sondern eine ganz normale Variante, mit der dein Kind auf die Welt gekommen ist. Etwa zehn bis fünfzehn von hundert Menschen sind Linkshänder, dein Kind ist damit in guter Gesellschaft.

Die Händigkeit hat oft auch mit den Genen zu tun, sie tritt in manchen Familien häufiger auf. Wichtig zu wissen ist: Linkshändigkeit hat nichts mit Intelligenz, Geschicklichkeit oder Entwicklung zu tun. Linkshändige Kinder sind genauso begabt und geschickt wie rechtshändige, sie nutzen für viele Tätigkeiten nur die andere Hand. Je selbstverständlicher du damit umgehst, desto selbstverständlicher wird es auch für dein Kind.

Warum du Linkshändigkeit niemals umerziehen darfst

Über viele Jahrzehnte war es üblich, linkshändige Kinder zur rechten Hand zu zwingen. Man band ihnen die linke Hand fest oder schlug sie, wenn sie mit links schrieben. Heute weiß man klar, dass eine solche Umerziehung schädlich ist. Sie greift in die natürliche Steuerung des Gehirns ein und setzt das Kind unter dauerhaften Stress, weil es gegen seine eigene Anlage arbeiten muss.

Die Folgen können ernst sein: Konzentrationsprobleme, Gedächtnisschwierigkeiten, Unsicherheit, in manchen Fällen sogar Stottern oder Bettnässen. Auch das Selbstvertrauen leidet, wenn ein Kind ständig das Gefühl hat, etwas falsch zu machen. Lass dein Kind deshalb ganz selbstverständlich die Hand benutzen, die sich richtig anfühlt. Wenn Verwandte oder Erzieherinnen etwas anderes vorschlagen, darfst du ruhig deutlich widersprechen.

Schreiben lernen als Linkshänder

Beim Schreiben stoßen Linkshänder auf eine kleine Hürde: Sie schreiben von links nach rechts und schieben die Hand dabei über das gerade Geschriebene. Das kann bei nasser Tinte verschmieren und die Sicht auf die Buchstaben verdecken. Mit ein paar Kniffen lässt sich das gut lösen. Leg das Blatt leicht nach rechts geneigt hin, damit das Handgelenk locker bleibt und die Hand nicht verkrampft.

Achte außerdem darauf, dass das Licht von rechts kommt, dann wirft die schreibende Hand keinen Schatten auf das Blatt. Ein Stift, der schnell trocknet oder gut greift, hilft zusätzlich. Wichtig ist, dass dein Kind eine entspannte Stifthaltung finden darf, ohne die Hand stark abzuknicken. Übe geduldig und ohne Druck, denn schön und flüssig schreiben lernt jedes Kind in seinem eigenen Tempo.

Hilfsmittel und Alltag

Viele Alltagsgegenstände sind für die rechte Hand gebaut, das merkt man erst, wenn man Linkshänder im Haus hat. Am spürbarsten ist es bei der Schere: Eine normale Schere schneidet mit links schlecht und verdeckt die Schnittlinie. Eine echte Linkshänder-Schere macht hier einen großen Unterschied. Auch ein Spitzer für Linkshänder und ein passendes Lineal erleichtern deinem Kind die Arbeit.

Bei vielem anderen reicht dagegen etwas Geduld statt Sonderausstattung. Besteck lässt sich einfach umgekehrt greifen, Türklinken und Reißverschlüsse meistert dein Kind mit der Zeit von ganz allein. Kaufe nicht wahllos jedes Linkshänder-Produkt, sondern schau, wo dein Kind wirklich hängen bleibt, und hilf gezielt dort. So vermeidest du unnötige Kosten und dein Kind lernt trotzdem, sich in einer Welt für Rechtshänder gut zurechtzufinden.

So stärkst du dein linkshändiges Kind

Das Wichtigste, was du deinem Kind mitgeben kannst, ist das Gefühl, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Linkshändigkeit ist kein Nachteil und nichts, wofür man sich schämen müsste. Sprich ganz selbstverständlich darüber, erzähl vielleicht von bekannten Linkshändern und mach deutlich, dass es einfach zu ihm gehört. Kinder übernehmen die Haltung ihrer Eltern, deine Gelassenheit wird schnell auch seine Gelassenheit.

Achte darauf, wie in Kindergarten und Schule mit dem Thema umgegangen wird, und suche im Zweifel das Gespräch mit den Fachkräften. Lob dein Kind für seine Fortschritte, statt es mit rechtshändigen Kindern zu vergleichen. Wenn es merkt, dass etwas mit links anders geht, erklär ihm ruhig den Grund und sucht gemeinsam einen Weg. So wächst dein Kind mit einem starken Selbstbewusstsein auf und erlebt seine Händigkeit als etwas Selbstverständliches.

Wann die Händigkeit noch unklar ist

Bis etwa zum vierten bis sechsten Lebensjahr ist es ganz normal, dass ein Kind zwischen beiden Händen wechselt und noch keine feste Vorliebe zeigt. Dräng dein Kind in dieser Zeit nicht zu einer Entscheidung und leg ihm keine Hand nahe. Beobachte einfach in Ruhe, mit welcher Hand es lieber malt, isst und greift. Häufig setzt sich eine Seite mit der Zeit von selbst durch, oft die linke bei linkshändigen Kindern schon deutlich früher.

Bleibt die Händigkeit über längere Zeit wirklich unklar oder wirkt dein Kind beim Malen und Basteln auffällig unsicher, kann eine Ergotherapie helfen, die bevorzugte Hand herauszufinden. Auch wenn dein Kind schon zur rechten Hand umerzogen wurde und darunter leidet, lohnt fachlicher Rat. In den allermeisten Fällen aber braucht Linkshändigkeit keine Behandlung, sondern nur deine gelassene Begleitung und ein paar praktische Hilfen im Alltag.

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Häufige Fragen

Kann ich meinem Kind die Linkshändigkeit abgewöhnen?

Nein, und du solltest es auf keinen Fall versuchen. Die Händigkeit ist im Gehirn fest angelegt, sie ist keine Gewohnheit, die man umtrainiert. Früher wurden viele Kinder zur rechten Hand gezwungen, heute weiß man, dass eine solche Umerziehung deutlichen Stress auslöst und zu Konzentrationsproblemen, Unsicherheit oder sogar Stottern führen kann. Lass dein Kind die Hand benutzen, die sich für es richtig anfühlt. Das ist der einzige gute Weg.

Ab wann steht fest, ob mein Kind Linkshänder ist?

Erste Vorlieben zeigen sich oft schon im Kleinkindalter, aber sicher festgelegt ist die Händigkeit meist erst mit etwa vier bis sechs Jahren. Vorher wechseln viele Kinder noch zwischen beiden Händen, das ist völlig normal. Beobachte, mit welcher Hand dein Kind bevorzugt malt, isst und nach Dingen greift, ohne es zu drängen. Wenn die Vorliebe über längere Zeit stabil bleibt, hast du deine Antwort. Dräng dein Kind nicht, sich früher zu entscheiden.

Braucht mein linkshändiges Kind spezielles Zubehör für die Schule?

Manches hilft wirklich, anderes ist unnötig. Sinnvoll sind vor allem eine Linkshänder-Schere und ein passender Spitzer, weil normale Modelle für die rechte Hand gebaut sind und mit links schlecht funktionieren. Beim Schreiben helfen eine schräg gelegte Blattlage und Licht von rechts, damit die Hand keinen Schatten wirft. Teures Spezialbesteck oder Sonderfüller sind dagegen selten nötig. Probiere in Ruhe aus, was deinem Kind den Alltag erleichtert.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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