Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind hat immer Ausreden: Warum es passiert und wie Eltern damit umgehen

Kurz gesagt: Ausreden sind selten böse Absicht – meist stecken Angst vor Konsequenzen, Scham oder unreifes Ursachendenken dahinter. Die Ausrede ist ein Selbstschutz, kein Angriff. Wer sein Kind überführen will, erzeugt Scham und beim nächsten Mal bessere Ausreden. Besser: eigene Reaktionen prüfen, Fehler enttabuisieren und Verantwortung konkret benennen, statt Schuldfragen zu diskutieren.

„Ich habs vergessen.“ „Das war nicht meine Schuld.“ „Alle anderen durften das auch.“ Wenn dein Kind für alles eine Erklärung parat hat, nur nicht für das Offensichtliche, kann das auf Dauer zermürben. Doch hinter ständigen Ausreden steckt fast immer mehr als Bequemlichkeit.

Warum Kinder Ausreden erfinden

Kinder machen das nicht, um ihre Eltern zu ärgern. Meistens steckt etwas anderes dahinter.

  • Angst vor Konsequenzen. Wenn Fehler in der Vergangenheit zu harten Reaktionen geführt haben, lernen Kinder schnell: Zugeben macht es schlimmer. Die Ausrede ist Selbstschutz.
  • Scham. Manche Kinder können Fehler noch nicht aushalten – weil ihr Selbstbild zu sehr daran hängt, perfekt zu sein. Die Ausrede ist kein Lügen, sondern ein verzweifelter Versuch, das eigene Selbstbild zu schützen.
  • Unreifes Ursachendenken. Jüngere Kinder verstehen oft noch nicht richtig, dass ihre Entscheidungen zu Konsequenzen führen. „Es ist einfach passiert“ ist für sie manchmal ehrlich gemeint.

Was Eltern tun können

  • Reaktionen ehrlich überprüfen. Wenn dein Kind immer dann Ausreden erfindet, wenn es einen Fehler gemacht hat – wie hast du in der Vergangenheit auf Fehler reagiert? Strenge Konsequenzen können Ausreden fördern, nicht verhindern.
  • Fehler enttabuisieren. „Ich mache auch Fehler. Manchmal ist das peinlich.“ Je mehr du als Elternteil zeigst, dass Fehler normal sind, desto weniger muss dein Kind sie vertuschen.
  • Nicht auf die Ausrede eingehen. Lange Diskussionen darüber, wer schuld ist, lohnen sich selten. Besser: „Ich höre, dass du das anders siehst. Was machst du jetzt?“
  • Verantwortung konkret benennen. Nicht „Du lügst wieder“ – das endet im Machtkampf. Sondern: „Ich habe beobachtet, dass … Was denkst du, was jetzt sinnvoll wäre?“

Was nicht hilft

Überführen wollen. Wer sein Kind in einer Lüge erwischt und triumphiert, erzeugt Scham – und beim nächsten Mal bessere Ausreden. Das Ziel ist nicht das Geständnis, sondern Verantwortung.

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Häufige Fragen

Warum hat mein Kind für alles eine Ausrede?

Kinder erfinden Ausreden meist nicht, um zu ärgern, sondern um sich zu schützen. Häufigste Gründe: Angst vor harten Konsequenzen, Scham, weil das Selbstbild zu sehr an „perfekt sein“ hängt, oder unreifes Ursachendenken – jüngere Kinder verstehen oft noch nicht, dass ihre Entscheidungen Folgen haben. Die Ausrede ist also seltener eine bewusste Lüge als ein Selbstschutz.

Sind Ausreden dasselbe wie Lügen?

Nicht ganz. Eine Lüge ist eine bewusste Falschaussage. Eine Ausrede ist oft ein verzweifelter Versuch, das eigene Selbstbild oder sich vor Strafe zu schützen – manchmal glaubt das Kind die Erklärung sogar selbst. Wer das Kind ständig als Lügner behandelt, erzeugt Scham und beim nächsten Mal bessere Ausreden. Das Ziel ist nicht das Geständnis, sondern Verantwortung.

Wie reagiere ich, ohne dass es zum Machtkampf wird?

Nicht auf die Ausrede einsteigen und nicht überführen wollen. Statt „Du lügst wieder“ hilft: „Ich habe beobachtet, dass … Was denkst du, was jetzt sinnvoll wäre?“ Fehler enttabuisieren, indem du eigene Fehler zeigst, und deine eigenen Reaktionen prüfen: Strenge Konsequenzen fördern Ausreden, statt sie zu verhindern.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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