Verhalten6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind gibt Sachen weg: Was dahintersteckt und wie Eltern reagieren

Kurz gesagt: Wenn Kinder eigene Sachen verschenken, ohne zu fragen, steckt dahinter meistens einer von drei Gründen: noch unreifes Verständnis von Unwiederbringlichkeit, der Wunsch nach Zuneigung oder Zugehörigkeit, oder echter Großmut. Ab wann das zum Problem wird und wie Eltern reagieren, ohne Großzügigkeit zu bestrafen, erklärt dieser Artikel.

Warum Kinder Sachen hergeben

Das Spektrum reicht von normal bis beachtenswert. Ein Fünfjähriger, der seinem Freund das Lieblings-Auto schenkt, denkt meistens nicht daran, dass er es danach nicht mehr hat. Die Vorfreude auf die Reaktion des Freundes überwiegt. Das Konzept "hergegeben ist hergegeben" ist kognitiv noch nicht vollständig verankert.

Bei Kindern ab etwa acht Jahren wird es interessanter. Wenn ein Kind gezielt Sachen verschenkt, besonders teurere oder wertvollere, lohnt es sich, nachzufragen. Nicht als Verhör, sondern aus echtem Interesse: Wem hast du das gegeben? Warum gerade dem? Hat das der andere erwartet?

Die Antworten zeigen oft, was das Kind antreibt. Manchmal ist es ein aufrichtiger Impuls der Zuneigung. Manchmal ist es der Versuch, eine Freundschaft zu festigen oder in eine Gruppe aufgenommen zu werden. Manchmal ist es ein Signal, dass das Kind das Gefühl hat, dass andere es nur mögen, wenn es gibt.

Wenn Verschenken zum Muster wird

Ein einmaliges Verschenken ist kein Problem. Wenn ein Kind aber regelmäßig eigene Sachen hergibt, dabei seinen eigenen Besitz auf ein Minimum reduziert, oder wenn es auffällt, dass es nur dann gut gelaunt ist, wenn es jemandem etwas gegeben hat, dann lohnt ein genauerer Blick.

Kinder, die geben, um gemocht zu werden, haben oft ein Grundgefühl, dass ihre bloße Anwesenheit nicht ausreicht. Sie "kaufen" mit Gaben etwas ein, das eigentlich bedingungslos da sein sollte: Zugehörigkeit und Akzeptanz. Das ist kein Erziehungsfehler, es ist ein Signal, das gehört werden will.

Was hilft: regelmäßige, unbedingte Zuwendung, die nicht an Leistung oder Verhalten geknüpft ist. Wenn ein Kind sicher ist, dass es gemocht wird, auch wenn es nichts gibt, braucht es das Geben als sozialen Tausch nicht mehr.

Wie Eltern konkret reagieren

Wenn du mitbekommst, dass dein Kind gerade etwas weggegeben hat oder geben will:

  • Bei jungen Kindern (unter acht): Für die Zukunft eine einfache Absprache einführen. "Bevor du etwas hergibst, sag mir kurz Bescheid." Nicht rückwirkend bestrafen, wenn etwas schon weg ist. Die Sache kommt nicht zurück, und Beschämen hilft nicht.
  • Bei älteren Kindern: Nachfragen, nicht vorwürflich. "Wem hast du das gegeben? Wie fühlt sich das an?" Die Antwort zeigt dir, ob es Großzügigkeit ist oder etwas, das Aufmerksamkeit braucht.
  • Wenn teure Sachen betroffen sind: Klare Grenze setzen, ohne das Bedürfnis zu entwerten. "Ich verstehe, dass du X das gerne geben wolltest. Für teurere Sachen gilt die Regel, dass wir vorher sprechen. Die ist nicht verhandelbar." Dann Gespräch über den Grund, nicht über den Wert der Sache.
  • Wenn das Kind sich nach dem Verschenken traurig fühlt: Nicht die Situation lösen, sondern das Gefühl anerkennen. "Du vermisst es jetzt. Das ist okay. Was könntest du das nächste Mal anders machen?"

Großzügigkeit bleibt eine Tugend

Nicht jedes Verschenken ist ein Problem. Kinder, die großzügig sind, haben meistens ein gutes Gespür für andere und ein stabiles Gefühl von Überfluss: Sie geben, weil sie genug haben, nicht weil sie kaufen wollen. Das ist etwas, das erhalten werden sollte.

Eltern, die bei jedem Verschenken eingreifen und auf den Wert der Sache hinweisen, riskieren, aus einem Kind, das gerne gibt, eines zu machen, das zweimal nachdenkt, ob es lieber behält. Das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, dass das Kind weiß, was ihm wichtig ist, und trotzdem großzügig sein kann, wenn es das will.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine familienpsychologische Beratung.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter verstehen Kinder, was Besitz bedeutet?

Kinder verstehen das Konzept von 'das gehört mir' schon ab etwa zwei Jahren, aber das abstrakte Verständnis von Wert und Unwiederbringlichkeit entwickelt sich erst zwischen fünf und acht Jahren. Ein Sechsjähriger, der sein Lieblingsspielzeug verschenkt, kann im nächsten Moment weinen, dass er es nicht mehr hat, ohne dass er das widersprüchlich findet. Das ist keine Manipulation, sondern eine noch unreife Zukunftsvorstellung. Erst ab ca. acht Jahren können Kinder die Konsequenz 'dann habe ich es nicht mehr' verlässlich vorausdenken.

Was, wenn mein Kind teure Sachen verschenkt?

Wenn das Kind unter acht ist, ist das meistens kein Zeichen eines Problems, sondern unreifer Impulskontrolle. Hier hilft eine einfache Regel: 'Bevor du etwas hergibst, frag mich kurz.' Das gibt dir die Möglichkeit einzugreifen, ohne das Kind zu beschämen. Bei älteren Kindern, die gezielt teure Sachen hergeben, lohnt sich ein ruhiges Gespräch: Was wollte das Kind damit erreichen? Manchmal steckt hinter teuren Geschenken der Wunsch nach Akzeptanz oder der Versuch, Freundschaften zu kaufen.

Mein Kind gibt nur an bestimmte Personen. Was bedeutet das?

Das ist ein wichtiger Hinweis. Wenn ein Kind bevorzugt einer bestimmten Person gibt, zum Beispiel einem Freund, einer Mitschülerin oder einer neuen Bekanntschaft, zeigt das, wie wichtig ihm diese Verbindung gerade ist. Manchmal ist das ein Zeichen von Zuneigung und Großzügigkeit. Manchmal ist es ein Zeichen, dass das Kind versucht, die Person zu halten oder zu beeindrucken. Der Unterschied liegt darin, ob das Kind auch dann gibt, wenn es selbst gerade wenig hat, oder ob es bei Gegenseitigkeit aufhört.

Wie bringe ich meinem Kind Grenzen beim Verschenken bei, ohne Geiz zu lehren?

Indem du unterscheidest zwischen Großzügigkeit und Selbstauslöschung. Großzügigkeit bedeutet, jemandem etwas zu geben, das einem selbst auch wichtig ist. Selbstauslöschung bedeutet, alles herzugeben, damit andere zufrieden sind. Die Botschaft kann sein: 'Es ist schön, wenn du gibst. Du darfst aber auch behalten, was dir wichtig ist. Andere Menschen mögen dich auch dann, wenn du nicht alles hergibst.' Das ist keine Lektion über Geiz, sondern über Selbstwert.

Mein Kind gibt Sachen her und ist danach traurig. Was tun?

Nicht die Sache zurückfordern. Das wäre für das Kind beschämend und würde ihm zeigen, dass seine Entscheidungen nicht gelten. Stattdessen das Gefühl anerkennen: 'Ich sehe, du vermisst es jetzt. Das ist okay. Du hast es hergegeben, weil du X wolltest. Das war nett. Und manchmal ist es danach trotzdem komisch.' Dann gemeinsam überlegen, wie es beim nächsten Mal anders gehen könnte: 'Was könntest du das nächste Mal fragen, bevor du etwas hergibst?'

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete rechtliche oder schulpsychologische Einschätzungen wende dich an die Schule, das Schulamt oder eine Fachkraft.

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