Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind gibt immer anderen die Schuld: Was tun?

Kurz gesagt: Wenn Kinder nie Verantwortung übernehmen, steckt dahinter meistens kein schlechter Charakter, sondern Angst vor Scham oder Strafe. Eltern helfen am besten, indem sie Fehler sachlich ansprechen, nicht bestrafen, und das eigene Zugeben vorleben. Streiten bringt nichts – neugierige Fragen bringen Kinder dazu, selbst ihren Anteil zu sehen.

Der Ball ist durchs Fenster geflogen – aber der Bruder hat angefangen. In der Schule gibt es Ärger – aber die Lehrerin hat überreagiert. Zu spät aufgestanden – aber das Wecker war zu leise. Immer sind andere schuld.

Viele Eltern reagieren darauf mit Frust oder Druck: „Gib doch zu, dass du es warst." Das führt meistens nicht weiter. Wer versteht, warum Kinder so reagieren, kann besser helfen.

Warum Kinder anderen die Schuld geben

  • Angst vor Konsequenzen. Wenn Kinder erlebt haben, dass ein Fehler sofort zu Strafe führt, lernen sie: leugnen ist sicherer als zugeben.
  • Schamgefühl. Schuld zuzugeben fühlt sich für viele Kinder an wie eine Niederlage. Das ist besonders stark bei Kindern, die perfektionistisch veranlagt sind.
  • Entwicklungsphase. Jüngere Kinder (bis etwa acht Jahre) sehen Situationen tatsächlich oft aus ihrer eigenen Perspektive – was der andere getan hat, ist für sie real und relevant.
  • Das Muster wird unbewusst gelernt. Wenn Eltern selbst selten Fehler zugeben oder die Schuld bei anderen suchen, tun Kinder dasselbe.

Was du tun kannst

  • Nicht sofort korrigieren. Wenn du sofort sagst „Das stimmt nicht, du warst das", wird das Kind defensiv. Lass es erst erzählen – hör zu, ohne zu widersprechen.
  • Neugierig fragen statt anklagen. Nicht: „Warum schiebst du das immer auf die anderen?" Sondern: „Was genau ist passiert?" und danach: „Was hast du da gemacht?" Das Kind wird oft selbst auf seinen Anteil kommen.
  • Fehler zulassen ohne Strafe. Wenn das Kind merkt, dass das Zugeben eines Fehlers keine Katastrophe auslöst – sondern dass ihr gemeinsam eine Lösung findet – sinkt die Angst davor.
  • Eigene Fehler vorleben. Sag deinem Kind, wenn du selbst etwas falsch gemacht hast: „Ich hab vorhin zu laut geschrien. Das war nicht fair von mir." Kinder lernen das Zugeben, indem sie es sehen.
  • Den Fokus auf Lösungen legen. Statt: „Wer hat das kaputt gemacht?" frag: „Wie kriegen wir das wieder hin?" Die Schuldfrage ist oft weniger wichtig als das, was jetzt passiert.

Was du lassen solltest

  • Erzwingen: „Sag, dass du schuld bist!" – das führt nur dazu, dass das Kind etwas sagt, was es nicht meint
  • Harte Konsequenzen ankündigen, bevor die Situation geklärt ist – das erhöht den Druck, die Wahrheit zu sagen
  • Das Muster vor Geschwistern oder anderen thematisieren – das beschämt, ohne zu helfen

Wann du fachliche Unterstützung holst

Wenn das Muster sehr stark ausgeprägt ist, mit dem Alter zunimmt und das Kind auch auf neutrale Gespräche hin immer ausweicht, kann eine Familienberatung helfen. Das ist keine Diagnose, sondern ein Angebot, gemeinsam neue Gesprächsmuster zu entwickeln.

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Häufige Fragen

Ist es schlimm, wenn mein Kind nie Verantwortung übernimmt?

Auf lange Sicht ja. Kinder, die nie lernen, Fehler zu besitzen, haben es schwerer in Schule, Freundschaften und später im Beruf – weil sie nicht aus Fehlern lernen und weil ihre Umgebung zunehmend unzufrieden reagiert. Aber das ist ein Lernprozess, kein Charakterfehler. Mit der richtigen Reaktion der Eltern verändert sich dieses Muster bei den meisten Kindern.

Was sage ich, wenn mein Kind sagt: 'Der Lehrer mag mich nicht'?

Nicht sofort widersprechen – das führt meistens zu Eskalation. Stattdessen: 'Das klingt frustrierend. Was genau ist passiert?' Wenn das Kind erzählt hat, kannst du fragen: 'Und was hast du in dem Moment gemacht?' Das hilft dem Kind, seinen eigenen Anteil zu sehen, ohne dass du die Lehrerin verteidigst.

Hilft es, wenn ich mein Kind für das Zugeben von Fehlern belobe?

Ja – aber in der richtigen Form. Nicht überschwänglich, weil das unecht wirkt. Sondern ruhig und konkret: 'Gut, dass du das gesagt hast. Das zeigt, dass du mutig bist.' Wichtig: Das Kind sollte nach dem Zugeben keine Strafe bekommen, sonst lernt es, dass ehrlich sein sich nicht lohnt.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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