Kind fremdelt stark: Warum es so ist und wie du dein Kind begleitest
Kurz gesagt: Dein Kind fremdelt stark und klammert bei fremden Menschen? Erfahre, warum Fremdeln normal ist, wie lange es dauert und wie du dein Kind einfühlsam begleitest.
Die Oma streckt die Arme aus, doch dein Kind dreht den Kopf weg, klammert sich an dich und fängt an zu weinen. Bei fremden oder auch vertrauten Menschen versteckt es sein Gesicht an deiner Schulter. Wenn dein Kind stark fremdelt, ist das für dich manchmal unangenehm, besonders wenn Verwandte enttäuscht reagieren. Vielleicht sorgst du dich auch, ob dein Kind zu schüchtern ist. Die Entwarnung vorweg: Fremdeln ist ein normaler und sogar gesunder Entwicklungsschritt. In diesem Ratgeber liest du, warum Kinder fremdeln und wie du dein Kind dabei einfühlsam begleitest.
Warum Kinder fremdeln
Fremdeln beginnt bei vielen Kindern rund um den achten Lebensmonat, oft auch etwas früher oder später. Dahinter steckt ein wichtiger Reifungsschritt: Dein Kind hat gelernt, zwischen vertrauten und fremden Gesichtern zu unterscheiden. Es merkt jetzt genau, wer zu seiner sicheren Welt gehört und wer nicht.
Diese neue Fähigkeit ist ein Zeichen für eine gesunde Bindung. Weil dein Kind dich als sicheren Hafen erkannt hat, reagiert es vorsichtig auf alles Unbekannte. Aus Sicht der Natur ergibt das Sinn, denn ein kleines Kind, das jedem folgt, wäre nicht gut geschützt.
Wie stark ein Kind fremdelt, hängt auch vom Temperament ab. Manche Kinder sind von Natur aus zurückhaltender und brauchen länger, um aufzutauen. Andere fremdeln nur kurz und in bestimmten Situationen. Beides ist normal und sagt nichts darüber aus, ob du als Elternteil etwas richtig oder falsch machst.
Wann Fremdeln besonders stark auftritt
Fremdeln zeigt sich oft in Wellen. Nach einer ruhigen Phase kann es plötzlich wieder heftiger werden, etwa nach einem Entwicklungsschub, im Urlaub oder wenn viel los ist. Auch Müdigkeit, Hunger oder ein voller Raum mit vielen Menschen machen das Fremdeln stärker.
Bei manchen Kindern kehrt das Fremdeln später noch einmal zurück, zum Beispiel im zweiten oder dritten Lebensjahr in Form von Schüchternheit gegenüber Fremden. Auch das gehört zur normalen Entwicklung. Erst wenn dein Kind über lange Zeit gar keinen Kontakt zu anderen zulässt, extrem ängstlich wirkt oder sich kaum von dir lösen kann, lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin.
Was du beim Fremdeln vermeiden solltest
Auch wenn es die Großeltern gut meinen: Dräng dein Kind nie in fremde Arme. Wird es einfach weitergereicht, gerät es in Panik und lernt, dass seine Grenze nicht zählt. Das verstärkt die Angst, statt sie abzubauen.
Verzichte auch darauf, dein Kind als schüchtern oder zickig abzustempeln, vor allem nicht in seiner Gegenwart. Solche Etiketten bleiben hängen. Zwing dein Kind ebenso wenig, jemandem die Hand zu geben oder ein Küsschen zu geben, wenn es das nicht möchte. Sein Nein ist wichtig und darf respektiert werden.
So begleitest du dein fremdelndes Kind
Dein Kind braucht in diesen Momenten vor allem eines: dich als sicheren Rückhalt. Diese Schritte geben ihm Halt.
Bleib ruhig und nah. Nimm dein Kind auf den Arm, wenn es das braucht, und zeig ihm, dass du da bist. Aus deiner Sicherheit heraus traut es sich viel eher, vorsichtig Kontakt aufzunehmen.
Lass deinem Kind Zeit zum Auftauen. Neue Menschen wirken weniger bedrohlich, wenn dein Kind sie aus der sicheren Distanz beobachten darf. Bitte Verwandte, sich nicht sofort zu stürzen, sondern erst einmal ruhig im Raum zu bleiben, bis dein Kind von selbst neugierig wird.
Sei die Brücke zwischen deinem Kind und den anderen. Wenn du dich entspannt mit der fremden Person unterhältst und sie freundlich behandelst, spürt dein Kind, dass keine Gefahr droht. Kinder lesen genau, wie ihre Bezugsperson reagiert.
Benenne die Gefühle deines Kindes. Ein Satz wie "Die Tante ist neu für dich, das ist ganz schön aufregend" zeigt deinem Kind, dass du es verstehst. Verstanden zu werden beruhigt oft mehr als jedes Zureden.
Nimm Rücksicht auf gute Zeitpunkte. Verabrede Besuche möglichst dann, wenn dein Kind ausgeschlafen und satt ist. In einem entspannten Zustand fällt der Kontakt viel leichter.
Mit Geduld wächst das Vertrauen
Fremdeln ist keine Phase, die du wegtrainieren musst, sondern ein Zeichen dafür, dass dein Kind sich gesund entwickelt. Je mehr Sicherheit es bei dir erfährt, desto mutiger wird es mit der Zeit auf andere Menschen zugehen. Zwing nichts, sondern begleite geduldig. So lernt dein Kind, dass die Welt außerhalb deiner Arme ein guter Ort ist, den es in seinem eigenen Tempo entdecken darf.
Erkläre auch enttäuschten Verwandten ruhig, dass Fremdeln normal ist und nichts mit Ablehnung zu tun hat. So nimmst du den Druck von allen Beteiligten und schützt dein Kind vor Überforderung.
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Häufige Fragen
Ab wann und wie lange fremdeln Kinder?
Fremdeln beginnt bei vielen Kindern um den achten Lebensmonat und ist ein normaler Entwicklungsschritt. Es zeigt sich oft in Wellen und lässt bei den meisten Kindern im Laufe des zweiten bis dritten Lebensjahres deutlich nach.
Ist starkes Fremdeln ein schlechtes Zeichen?
Nein, im Gegenteil. Fremdeln zeigt, dass dein Kind zwischen vertrauten und fremden Menschen unterscheiden kann und eine sichere Bindung zu dir hat. Nur wenn dein Kind über lange Zeit extrem ängstlich wirkt und sich gar nicht lösen kann, lohnt ein ärztliches Gespräch.
Soll ich mein Kind zwingen, zu Verwandten zu gehen?
Nein. Zwang verstärkt die Angst. Lass deinem Kind Zeit, bleib als sicherer Rückhalt nah und bitte Verwandte, sich langsam zu nähern, statt das Kind sofort auf den Arm zu nehmen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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