Kind dreht sich die Haare: Was dahintersteckt und wann man handeln sollte
Kurz gesagt: Haardrehen ist bei Kindern eine der häufigsten Selbstberuhigungsgesten und in den meisten Fällen harmlos. Es tritt oft auf, wenn das Kind müde, konzentriert oder gestresst ist. Wenn Haare ausgerissen werden oder kahle Stellen entstehen, ist ein Arztbesuch sinnvoll.
Du bemerkst es beim Vorlesen, beim Fernsehen, beim Einschlafen: Dein Kind wickelt sich mit der einen Hand eine Haarsträhne um den Finger und dreht, dreht, dreht. Manchmal merkt es selbst gar nicht, dass es das tut.
Was Haardrehen bedeutet
In der Fachsprache heißt das Verhalten "repetitive Selbststimulation" oder auch "Selbstberuhigungsgeste". Das klingt komplizierter als es ist: Das Kind gibt sich durch die Wiederholungsbewegung ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe. Ähnliches tun Kinder, wenn sie schaukeln, wippen, Nägel kauen oder Daumen lutschen.
Typische Situationen, in denen Haardrehen auftritt:
- Beim Einschlafen oder kurz davor
- Beim Zuhören (Unterricht, Vorlesen, Fernsehen)
- In anstrengenden oder neuen Situationen
- Wenn das Kind müde oder leicht gestresst ist
Das Verhalten beginnt oft im Kleinkindalter und kann sich bis in die Schulzeit ziehen. Bei manchen Kindern verschwindet es von selbst, bei anderen bleibt es als angenehme Gewohnheit.
Wann Haardrehen ein Warnsignal ist
In den meisten Fällen ist Haardrehen kein Grund zur Sorge. Es gibt aber Situationen, in denen es Sinn macht, genauer hinzuschauen:
- Das Kind reißt Haare aus. Trichotillomanie (Haare ausreißen) ist von einfachem Haardrehen verschieden. Wenn kahle Stellen entstehen, ist ein Kinderarztbesuch wichtig.
- Das Verhalten nimmt stark zu. Wenn ein Kind deutlich mehr dreht als früher, kann das auf erhöhten Stress hinweisen – Schulwechsel, Familienveränderungen, soziale Spannungen.
- Das Kind leidet darunter, weil es gehänselt wird oder selbst damit aufhören möchte, aber nicht kann. In diesem Fall lohnt Unterstützung.
Was du als Elternteil tun kannst
- Nicht ständig darauf hinweisen. "Hör auf, an deinen Haaren zu drehen" wirkt kurzfristig, löst aber nichts. Das Kind macht es meist unbewusst und fühlt sich durch dauernde Hinweise kontrolliert.
- Alternative Handaktivitäten anbieten. Fidget-Spielzeug, Knete, ein kleines Objekt zum Anfassen. Viele Kinder wechseln problemlos auf eine alternative Beschäftigung, wenn sie eine bekommen.
- Beobachten, wann es auftritt. In welchen Situationen ist das Drehen am stärksten? Was geht voraus? Das gibt Hinweise, was das Kind gerade braucht, und hilft dir, gezielt zu unterstützen.
- Stresslevel im Blick behalten. Wenn das Haardrehen in einer belastenden Zeit zunimmt und danach wieder nachlässt, ist das ein normales Zeichen. Wenn dauerhafter Stress das Bild bestimmt, lohnt ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder einer Beratungsstelle.
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- Elterntelefon „Nummer gegen Kummer": 0800-111 0 550
- Kinderarzt oder kinder- und jugendpsychiatrische Beratung: Bei anhaltendem Ausreißen oder Leidensdruck
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Häufige Fragen
Ist Haardrehen beim Kind ein Zeichen von ADHS?
Nicht zwingend. Haardrehen ist eine sehr häufige Selbstberuhigungsgeste, die bei vielen Kindern ohne jede Diagnose vorkommt. Wenn das Kind außerdem sehr impulsiv ist, sich schlecht konzentrieren kann oder motorisch sehr unruhig ist, kann es sinnvoll sein, das mit dem Kinderarzt zu besprechen – aber Haardrehen allein ist kein ADHS-Hinweis.
Kann sich das Kind durch Haardrehen kahle Stellen drehen?
Wenn Kinder Haare nicht nur drehen, sondern auch ausreißen (Trichotillomanie), können kahle Stellen entstehen. Reines Drehen ohne Ausreißen schadet dem Haar nicht. Wenn du Stellen im Haar bemerkst, die kahl werden, besuch einen Kinderarzt.
Was kann ich tun, damit mein Kind aufhört, Haare zu drehen?
Direkte Aufforderungen funktionieren selten, weil das Kind das Drehen oft unbewusst macht. Besser: alternative Beschäftigung für die Hände anbieten (Fidget-Spielzeug, Knete, etwas zum Anfassen). Außerdem lohnt es sich zu schauen, in welchen Situationen das Drehen auftritt: Stress, Langeweile, Konzentration? Das gibt Hinweise, was das Kind gerade braucht.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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