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Kind bricht Versprechen: Was dahintersteckt und wie Eltern reagieren

Das Wichtigste in einem Satz: Kinder brechen Versprechen meist nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie im Moment des Versprechens ehrlich waren und ihre Impulskontrolle noch wächst.

"Ich verspreche, ich räume mein Zimmer auf." Zwei Stunden später: kein aufgeräumtes Zimmer, dafür ein Kind, das fragt, ob wir noch Eis essen gehen. Das Versprechen? Vergessen. Oder vielleicht nie wirklich als bindend gemeint.

Für Eltern ist das frustrierend. Man hat gehört, wie das Kind "Versprechen" gesagt hat. Man weiß, dass das Kind weiß, was das Wort bedeutet. Und trotzdem passiert es wieder und wieder.

Warum Kinder Versprechen brechen

Ein Versprechen halten erfordert zwei Dinge, die bei Kindern noch in Entwicklung sind: das Vorausdenken und die Impulskontrolle. Wenn ein Kind "Ich verspreche" sagt, meint es das in diesem Moment tatsächlich. Es plant aber nicht. Es überlegt nicht, ob andere Dinge dazwischenkommen, ob die Aufgabe schwerer sein wird als gedacht, ob die Lust nachlässt.

Der präfrontale Kortex, der Bereich des Gehirns, der für das Planen, Abwägen und Einhalten von Verpflichtungen zuständig ist, reift bis in die Mitte des zwanzigsten Lebensjahres. Ein Achtjähriges ist also biologisch gesehen noch nicht fertig entwickelt für das, was wir als Erwachsene unter "ein Versprechen halten" verstehen.

Das bedeutet nicht, dass man nichts erwarten darf. Es bedeutet, dass die Erwartungen der Entwicklungsstufe entsprechen müssen.

Was das Versprechen-Brechen nicht ist

Es ist kein Zeichen dafür, dass das Kind respektlos ist. Es ist kein Zeichen, dass man als Elternteil keinen Einfluss hat. Und es ist kein Beweis, dass das Kind lügt. Es ist meistens ein Zeichen dafür, dass das Kind das Versprechen für größer gehalten hat, als es tragen konnte.

Was man stattdessen tun kann

Versprechen nur dort einsetzen, wo sie tragbar sind. Je jünger das Kind, desto konkreter und kleiner sollte das Versprechen sein. "Ich verspreche, diese eine Sache jetzt zu tun" ist tragbarer als "Ich verspreche, das immer zu machen."

Nachfragen, bevor man annimmt, dass etwas versprochen wurde. "Kannst du das wirklich versprechen?" ist keine Herausforderung, sondern eine Einladung nachzudenken. Manchmal sagt das Kind dann: "Nein, eigentlich nicht." Das ist ein Fortschritt.

Konsequenzen klar machen, aber ohne Dramatisieren. Wenn ein Versprechen gebrochen wurde, ist das ein Anlass zu besprechen, was passiert ist, nicht zu bestrafen. Was hat das Kind gehindert? Was hätte geholfen? Was macht es beim nächsten Mal anders?

Selbst vorleben, was gemeint ist. Kinder lernen am meisten darüber, wie Erwachsene mit Versprechen umgehen. Wenn Eltern eigene Versprechen ernst nehmen und erklären, warum, wird das Konzept greifbar.

Wann man sich Sorgen machen sollte

Wenn ein Kind Versprechen bricht und dabei unberührt bleibt, kein Interesse daran zeigt, was das für die andere Person bedeutet, und das über viele Situationen hinweg: dann ist es weniger eine Frage des Könnens als des Wollens. In diesem Fall lohnt es, genauer hinzuschauen, was das Kind in Beziehungen grundsätzlich als bindend erlebt.

Häufige Fragen

Lügen Kinder, wenn sie Versprechen brechen?

Nicht unbedingt. Ein Versprechen brechen und lügen sind zwei verschiedene Dinge. Kinder versprechen oft impulsiv, ohne zu wissen, ob sie es halten können. Das ist entwicklungsbedingt: Die Fähigkeit, eigene Impulse und die Konsequenzen von Aussagen zu überblicken, reift erst mit dem Gehirn.

Ab welchem Alter kann man von einem Kind erwarten, dass es Versprechen hält?

Verlässlichkeit bei Versprechen entwickelt sich graduell zwischen sechs und neun Jahren. Ein Fünfjähriges kann es kaum, ein Neunjähriges sollte es kennen, aber Ausnahmen bleiben. Wichtig ist, dass Versprechen dem Alter entsprechend eingesetzt werden.

Wie erkläre ich meinem Kind, was ein Versprechen bedeutet?

Konkret und kurz: Ein Versprechen ist ein Ja, das auch dann gilt, wenn man keine Lust mehr hat. Und: Man gibt nur Versprechen, die man auch halten kann. Wichtiger als die Erklärung ist das Vorleben: Eltern, die eigene Versprechen ernst nehmen, zeigen, was gemeint ist.

Was, wenn mein Kind dasselbe Versprechen immer wieder bricht?

Dann liegt das Problem nicht beim Versprechen, sondern beim Verhalten dahinter. Das Versprechen abzufragen bringt nichts mehr. Besser: herausfinden, warum das Verhalten schwer zu ändern ist. Manchmal steckt Überforderung dahinter, manchmal ein Konflikt, manchmal fehlt das Verständnis für den Zusammenhang.

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