Kind braucht ständig Anerkennung: Wenn Lob zur Bedingung wird
Kurz gesagt: Wenn ein Kind bei jeder Kleinigkeit fragt „War das gut?“ und zusammenbricht, wenn Lob ausbleibt, hat es noch keine stabile innere Bewertung von sich selbst aufgebaut. Es sucht diese Bewertung außen und ist davon abhängig. Der Schlüssel ist nicht mehr Lob, sondern die Selbstwahrnehmung des Kindes zu stärken: nach seiner eigenen Einschätzung fragen, den Prozess statt das Ergebnis würdigen und ruhig bleiben, wenn kein Lob folgt. Ziel ist ein Kind, das weiß, was es kann, auch wenn niemand zusieht.
„War das gut?“ – „Hast du gesehen, was ich gemacht habe?“ – „Sagst du mir, dass ich das gut gemacht habe?“ Manche Kinder brauchen diese Bestätigung sehr häufig, fast ununterbrochen. Wenn Lob ausbleibt, bricht die Welt zusammen: Das Kind wird weinerlich, zieht sich zurück oder steigert sich in Wut. Das ist für Eltern anstrengend und ein Zeichen dafür, dass das Kind noch keine stabile innere Bewertung von sich selbst aufgebaut hat.
Was dahintersteckt
Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren Bestätigung von außen, um ein Selbstbild aufzubauen. Das ist normal. Aber mit der Zeit lernen sie, sich auch selbst zu bewerten: „Das war gut. Das mag ich, was ich gebaut habe.“ Wenn dieser Übergang nicht klappt, bleibt das Kind abhängig von äußerem Lob.
Mögliche Ursachen sind sehr viel Lob für alles (wenn jede Kleinigkeit mit „Super gemacht!“ kommentiert wird, verlernt das Kind, selbst zu urteilen), sehr wenig Lob (das Kind hat gelernt, dass Anerkennung selten ist, und jagt ihr nach), Unsicherheit in schwierigen Lebensphasen wie Schulwechsel, Elterntrennung oder einem neuen Geschwisterkind und schließlich das Temperament: Manche Kinder sind sozial sehr orientiert und reagieren sensibler auf die Meinung anderer.
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Was hilft
Nicht einfach mehr loben. Mehr Lob verstärkt die Abhängigkeit. Das Kind lernt: Wenn ich frage, bekomme ich Bestätigung. Also frage ich öfter.
Auf die eigene Wahrnehmung verweisen. Wenn das Kind fragt „War das gut?“, sag nicht automatisch „Ja, toll.“ Frag zurück: „Was denkst du selbst? Wie hat sich das für dich angefühlt?“ Das ist anfangs unbequem für das Kind, aber es übt Selbstwahrnehmung.
Prozess vor Ergebnis loben. Nicht „Das ist so toll geworden!“, sondern „Ich hab gesehen, wie lange du daran gearbeitet hast. Das war Ausdauer.“ Das verschiebt den Fokus vom Produkt, das andere bewerten, zum Prozess, den das Kind selbst kennt. Wie du überhaupt wirkungsvoll lobst, liest du im Ratgeber Kind richtig loben.
Ruhig bleiben, wenn Lob ausbleibt. Wenn das Kind aufgebracht reagiert, weil es kein Lob bekommt, bleib ruhig: „Ich muss dir nicht bei allem sagen, ob es gut ist. Du kannst das auch selbst einschätzen.“ Das klingt hart, ist aber langfristig das Hilfreichste.
Kleine Schritte. Manche Kinder brauchen dabei viel Zeit. Wenn das Verhalten sehr ausgeprägt ist und das Kind stark leidet, kann eine kurze Begleitung durch einen Kinderpsychologen sinnvoll sein.
Das Ziel ist ein Kind, das weiß, was es kann, unabhängig davon, ob jemand gerade zusieht. Wie du dieses innere Fundament breiter stärkst, zeigt der Ratgeber Selbstbewusstsein beim Kind stärken.
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Häufige Fragen
Warum braucht mein Kind ständig Bestätigung?
Kinder brauchen in den ersten Jahren Bestätigung von außen, um ein Selbstbild aufzubauen. Mit der Zeit lernen sie, sich auch selbst zu bewerten. Klappt dieser Übergang noch nicht, bleibt das Kind vom äußeren Lob abhängig. Mögliche Gründe sind sehr viel Lob für jede Kleinigkeit, sehr wenig Lob, eine unsichere Lebensphase wie ein Schulwechsel oder ein sozial sehr orientiertes Temperament.
Soll ich mein Kind einfach mehr loben?
Nein, mehr Lob verstärkt die Abhängigkeit. Das Kind lernt: Wenn ich frage, bekomme ich Bestätigung, also frage ich öfter. Hilfreicher ist es, auf die eigene Wahrnehmung des Kindes zu verweisen. Frag bei „War das gut?“ zurück: „Was denkst du selbst? Wie hat sich das für dich angefühlt?“ Das ist anfangs unbequem, übt aber die Selbstwahrnehmung.
Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Wenn das Verhalten sehr ausgeprägt ist und dein Kind stark darunter leidet, kann eine kurze Begleitung durch einen Kinderpsychologen sinnvoll sein. Das gilt besonders, wenn das ständige Suchen nach Anerkennung mit deutlichem Rückzug, Ängsten oder anhaltender Niedergeschlagenheit einhergeht. Bei vielen Kindern verändert sich das Verhalten aber schon durch die Umstellung im Alltag.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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