Kind schummelt beim Spielen: Was dahinter steckt
Kurz gesagt: Wenn Kinder beim Spielen schummeln, steckt dahinter fast immer die Angst zu verlieren, nicht der Wunsch, unehrlich zu sein. Das ist eine Reaktion auf fehlende Frustrations-Toleranz, nicht auf schlechten Charakter. Mit ruhigen Reaktionen und dem richtigen Umfeld lernen die meisten Kinder mit der Zeit, fair zu spielen.
Ihr spielt Mensch-aergere-dich-nicht, und auf einmal setzt dein Kind eine Figur weiter als erlaubt. Oder beim Kartenspiel taucht eine Karte auf, die eigentlich schon weg war. Du sagst nichts, aber es passiert wieder. Und wieder.
Kinder, die beim Spielen schummeln, tun das nicht aus Bosheit. Sie tun es, weil Verlieren sich fuer sie schlimmer anfuehlt, als Regeln zu brechen. Das ist entwicklungspsychologisch normal und bei Kindern zwischen 4 und 8 Jahren besonders haeufig.
Warum Kinder schummeln
Schummeln beim Spielen hat mit Verlieren zu tun, und mit dem, was Verlieren fuer ein Kind bedeutet. Fuer viele Kinder ist eine Niederlage nicht einfach ein Spielergebnis. Es fuhlt sich an wie: Ich bin nicht gut genug. Ich bin schlechter als die anderen. Ich habe versagt.
Das Schummeln ist ein Versuch, genau dieses Gefuehl zu verhindern. Das Kind aendert das Ergebnis, bevor es eintreten kann. Das ist keine bewusste moralische Entscheidung, sondern ein Impuls.
Wie Eltern reagieren koennen
Direkt und ruhig ansprechen
Nicht ignorieren und nicht uebertreiben. Wenn du siehst, dass dein Kind schummelt, sag es direkt: "Ich habe gesehen, dass du die Karte nochmal gezogen hast. Das war schon draussen." Kein langer Vortrag. Dann weiterspielen.
Wenn das Kind leugnet: "Ich habe es gesehen. Wir spielen weiter mit der richtigen Regel." Das Spiel zu unterbrechen und eine grosse Diskussion zu machen, eskaliert oft mehr als es hilft.
Spiele waehlen, die Verlieren abpuffern
Spiele mit hohem Gluecksanteil, Wuerfelspiele, Loselspiele, sind einfacher fuer Kinder mit wenig Frustrationstoleranz. Wenn das Ergebnis vom Zufall abhaengt, ist es schwerer, das Verlieren als persoenliches Versagen zu erleben. Das ist kein Trick, sondern eine sinnvolle Vorstufe.
Verlieren uebenals eigenes Erlebnis
Zeig deinem Kind, wie du selbst mit Verlieren umgehst. "Oh, schade, das war knapp. Aber du hast gut gespielt." Dann weitermachen. Kinder lernen an Modellen. Wenn sie sehen, dass Eltern verlieren koennen ohne Dramatik, ist das eines der wirksamsten Argumente.
Wenn das Kind gewinnt, feiere es kurz, aber nicht zu lang. Wenn es verliert, anerkenne den Schmerz ohne das Gefuehl zu grosz zu machen: "Ich weiss, das ist aergerlich. Das war ein knappes Spiel."
Was nicht hilft
- Das Spiel wegen Schummeln sofort abbrechen. Das verstaerkt die Angst und loest nichts.
- Lange Moral-Vortrage. Kinder verstehen, dass schummeln falsch ist. Das Wissen ist das Problem nicht.
- Absichtlich immer verlieren, damit das Kind Gewinnen erlebt. Das funktioniert kurzfristig, aber das Kind lernt nicht, mit echter Niederlage umzugehen.
Kinwords-Ratgeber fuer Eltern in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz.
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Haeufige Fragen
Was soll ich sagen, wenn ich mein Kind beim Schummeln erwische?
Ruhig und direkt: 'Ich habe gesehen, dass du eine Karte versteckt hast. Das ist Schummeln.' Kein langer Vortrag, keine Anklage. Dann die Frage: 'Was glaubst du, was jetzt passieren soll?' Das gibt dem Kind die Moeglichkeit, selbst eine Loesung vorzuschlagen. Wenn die Situation emotional ist und das Kind aufgebracht wird, macht eine kurze Pause mehr als weitere Erklaerungen.
Mein Kind hat so grosse Angst zu verlieren, dass es mit niemandem mehr spielen will. Was tun?
Das ist ein Zeichen, dass der Verlustschmerz staerker wiegt als die Freude am Spiel. Oft steckt dahinter ein Selbstwertproblem: das Kind verbindet Verlieren mit persoenlichem Versagen. Hier helfen kurzfristig Spiele, bei denen Glueck eine grosse Rolle spielt und Kompetenz weniger entscheidend ist. Langfristig helfen Gespraeche darueber, was 'gut sein muessen' bedeutet und woher das kommt.
Sollte ich absichtlich verlieren, damit mein Kind Gewinnen uebt?
Kurzfristig und selten ist das in Ordnung, besonders bei sehr jungen Kindern. Dauerhaft hilft es nicht: Das Kind lernt dann nicht, wie es ist zu verlieren. Besser ist es, echte Spiele zu spielen und manchmal absichtlich Fehler zu machen, ohne das Ergebnis zu manipulieren. So hat das Kind echte Chancen, ohne dass der Sieg hohl ist.
Mein Kind schumelt nicht, aber rastet bei jedem Verlieren aus. Ist das dasselbe Problem?
Aehnliche Wurzel, andere Ausdrueksform. Schummeln ist ein Versuch, Verlieren zu vermeiden. Ausrasten ist eine Reaktion darauf, dass es trotzdem passiert. Beide zeigen, dass das Kind Verlieren noch nicht als Teil des Spiels akzeptiert. Schlechter Verlierer und Schummeln kommen haeufig zusammen vor, manche Kinder zeigen nur eine der beiden Formen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.
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