Ratgeber · Schulwahl
Gesamtschule: Was sie wirklich bedeutet, was sie bietet und für wen sie passt
Die Gesamtschule hat in Deutschland einen schlechten Ruf, den sie in dieser Form nicht verdient. Was sie wirklich ist, was sie von Gymnasium und Realschule unterscheidet und wann sie die bessere Wahl ist.
Viele Eltern hören "Gesamtschule" und denken an eine Schule für Kinder, die es woanders nicht geschafft haben. Das ist falsch. Die Gesamtschule ist eine Schulform, die alle Abschlüsse anbietet, und in manchen Bundesländern die häufigste Schulform überhaupt.
Was die Gesamtschule anders macht
Der wichtigste Unterschied zum dreigliedrigen Schulsystem: Kinder müssen nach der Grundschule nicht sofort auf eine bestimmte Schulform festgelegt werden.
An Gesamtschulen werden Schüler je nach Fach in verschiedenen Kursniveaus unterrichtet: Grundkurs oder Erweiterungskurs. Ein Kind kann also in Mathematik auf höchstem Niveau lernen und gleichzeitig in Deutsch etwas mehr Unterstützung bekommen. Das entspricht eher dem, was in vielen Kindern wirklich passiert.
Was für die Gesamtschule spricht
- Kinder müssen nicht mit 10 Jahren endgültig auf eine Schulform festgelegt werden. Die Entscheidung, welcher Abschluss angestrebt wird, fällt später.
- Kinder lernen gemeinsam mit Gleichaltrigen aus verschiedenen sozialen Hintergründen. Das trainiert soziale Kompetenz.
- Kein Abstieg durch Schulformwechsel. Ein Kind, das am Gymnasium scheitert, wechselt an der Gesamtschule einfach in einen anderen Kurs.
Was gegen die Gesamtschule sprechen kann
- Leistungsstarke Kinder lernen in heterogeneren Gruppen, was mehr Eigeninitiative und gute Lehrkräfte erfordert, damit sie ausreichend gefordert werden.
- Nicht jede Gesamtschule ist gleich gut. Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Schulen sind größer als die zwischen Schulformen.
- In manchen Regionen gibt es keine Gesamtschule in der Nähe. Lange Schulwege belasten Kinder.
Für wen die Gesamtschule besonders gut passt
Kinder, die in manchen Fächern stark sind und in anderen Unterstützung brauchen, profitieren vom Kurssystem. Kinder, die unter dem Druck des Gymnasiums leiden, entwickeln sich an Gesamtschulen oft besser. Und Familien, die den frühen Selektionsdruck ablehnen, finden in der Gesamtschule eine Alternative.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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Häufige Fragen
Bekommt mein Kind am Gymnasium eine bessere Bildung als an der Gesamtschule?
Das hängt von der jeweiligen Schule ab, nicht von der Schulform. Entscheidend sind die Lehrerqualität, die Schulkultur und ob das Kind sich dort wohlfühlt. Es gibt sehr gute Gesamtschulen und schwache Gymnasien, und umgekehrt.
Kann mein Kind an der Gesamtschule Abitur machen?
Ja. Gesamtschulen in Deutschland bieten alle Abschlüsse an, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Die genaue Regelung variiert zwischen den Bundesländern.
Mein Kind hat eine Gymnasialempfehlung. Soll es trotzdem auf eine Gesamtschule?
Das ist eine legitime Entscheidung. Manche Kinder entfalten sich an Gesamtschulen besser, weil der Druck geringer ist, oder weil die Schulkultur besser passt. Schau dir beide Schulen an, bevor du entscheidest.
Ist die Gesamtschule etwas für schwächere Schüler?
Nein. Das ist ein hartnäckiges Vorurteil. Gesamtschulen unterrichten alle Leistungsniveaus in einer Schule, oft in Kurssystemen. Leistungsstarke Kinder können an Gesamtschulen genauso fordern wie am Gymnasium.
Wie groß ist der Unterschied zwischen integrierter und kooperativer Gesamtschule?
Bei der integrierten Gesamtschule (IGS) sind alle Kinder in gemeinsamen Klassen, differenziert nach Kursen. Bei der kooperativen Gesamtschule (KGS) gibt es eigene Züge für Haupt-, Realschule und Gymnasium unter einem Dach. Für dein Kind bedeutet das: Wie viel Kontakt hat es mit Kindern anderer Leistungsniveaus?
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete Einschätzungen wende dich an eine Erziehungsberatungsstelle.
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