Freundschaften bei Kindern fördern: Was Eltern wirklich helfen

Kinwords Redaktion 7 Min. Lesezeit

Wenn ein Kind nach der Schule kommt und erzählt, dass es niemanden zum Spielen hatte, reagieren viele Eltern mit einem Drang, sofort etwas zu tun. Einladen, arrangieren, coachen. Meistens ist das nicht der beste Weg.

Freundschaft lässt sich nicht erzwingen. Aber Eltern können die Bedingungen schaffen, unter denen sie wahrscheinlicher wird.

Was Freundschaften bei Kindern wirklich brauchen

Kinder brauchen für Freundschaften drei Dinge: Gelegenheit, Zeit und einen gemeinsamen Nenner. Die Schule gibt Gelegenheit, aber sie gibt nicht immer die richtigen Bedingungen. Wer in einer großen Klasse sitzt, hat nicht automatisch mehr Kontakt zu Gleichaltrigen, die zu ihm passen.

Gemeinsamer Nenner heißt nicht Ähnlichkeit in allem, aber es braucht zumindest einen Anknüpfungspunkt. Ein Hobby, eine Spielvorliebe, ein ähnliches Tempo. Kinder finden das selbst, wenn sie genug Gelegenheit haben, verschiedene Menschen kennenzulernen.

Was Eltern konkret tun können

Kontakt außerhalb der Schule ermöglichen

Freundschaften entstehen selten ausschließlich in der Schule. Ein Nachmittag beim Spielen zu Hause, ohne Erwachsene, die den Ablauf planen, gibt Kindern die Möglichkeit, sich kennenzulernen. Einladen ist besser als abwarten, dass jemand anderes einlädt.

Dabei gilt: Ein Kind einladen, nicht drei. Gruppen machen es für unsichere Kinder schwerer, Kontakt aufzubauen.

Aktivitäten außerhalb der Schule wählen

Vereine, Kurse, Gruppen mit ähnlichen Interessen: Dort treffen Kinder Menschen, mit denen sie von Anfang an etwas gemeinsam haben. Das ist ein besserer Ausgangspunkt als die zufällige Zusammensetzung einer Klasse. Wer kein Team-Kind ist, kommt vielleicht eher in einem Mal-Kurs oder einer Theatergruppe an seinen Platz.

Soziale Kompetenz ohne Druck vermitteln

Kinder, die Freundschaften schwer fällt, brauchen manchmal konkrete Hilfe: Wie fange ich ein Gespräch an? Was tue ich, wenn ich mich ausgeschlossen fühle? Das kann man üben, zum Beispiel durch Rollenspiele zu Hause oder durch Nachbesprechen von konkreten Situationen. Nicht als Unterricht, sondern als Gespräch.

Vermeide Ratschläge wie "Lach einfach mehr" oder "Sei netter". Die helfen nicht. Konkret ist besser: "Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, kannst du einfach fragen, womit sie gerade spielen."

Was eher nicht hilft

Freundschaften arrangieren und kontrollieren

Eltern, die bestimmen, wen ihr Kind mögen soll, oder die bei jedem Spielnachmittag dabei sitzen und moderieren, nehmen dem Kind die Erfahrung, selbst Beziehungen zu gestalten. Das ist gut gemeint, aber es verhindert genau das, was das Kind lernen soll.

Zu früh besorgt sein

Manche Kinder brauchen länger, um Vertrauen aufzubauen. Manche sind introvertiert und genießen auch Zeit allein. Das ist kein Problem, wenn das Kind selbst nicht leidet. Eltern, die ständig fragen "Hast du heute jemanden getroffen?", setzen Druck auf, ohne es zu wollen.

Wann es ein echtes Problem ist

Es gibt Situationen, die über normale Schwierigkeiten hinausgehen: wenn ein Kind aktiv ausgeschlossen wird, wenn es sich dauerhaft zurückzieht und traurig ist, oder wenn soziale Situationen körperliche Symptome auslösen. In diesen Fällen hilft ein Gespräch mit der Klassenlehrerin oder einer Beratungsstelle mehr als jeder Ratschlag zu Hause.

Frühzeitig hinschauen ist besser als warten. Nicht weil jedes Einzelkind ein Problem ist, sondern weil anhaltende soziale Isolation belastend ist.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter schließen Kinder echte Freundschaften?

Ab etwa vier Jahren entwickeln Kinder erste echte Freundschaften, die über gemeinsames Spielen hinausgehen. Sie suchen gezielt bestimmte Kinder, vermissen sie und freuen sich auf Wiedersehen. Vor dem Schulalter sind Freundschaften noch sehr situationsabhängig und wechseln häufig. In der Grundschule werden Freundschaften stabiler, weil gemeinsame Interessen, Loyalität und gegenseitiges Vertrauen eine größere Rolle spielen.

Mein Kind hat in der Schule keine engen Freunde. Soll ich eingreifen?

Beobachten ja, eingreifen vorsichtig. Erst unterscheiden: Ist dein Kind unzufrieden damit, allein zu sein, oder stört es dich mehr als das Kind? Manche Kinder brauchen nur eine oder zwei enge Beziehungen und fühlen sich damit wohl. Wenn das Kind leidet, hilft es mehr, die Bedingungen zu verbessern (gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Schule, kleinere Gruppen) als direkte Einmischung in Schulkonflikte.

Wie erkläre ich meinem Kind, was eine gute Freundschaft ausmacht?

Am besten über konkrete Situationen, nicht über abstrakte Werte. Wenn du siehst, wie dein Kind oder ein Freund etwas Nettes tut, benennt das: 'Sie hat auf dich gewartet, obwohl sie schon fertig war. Das ist das, was gute Freunde machen.' Kinder lernen Freundschaft durch Beobachtung und Benennung, nicht durch Erklärungen.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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