Ratgeber5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Familienregeln aufstellen: Was wirklich haengen bleibt

Kurz gesagt: Regeln funktionieren nicht durch Menge, sondern durch Klarheit und Konsequenz. Familien, die drei bis fuenf echte Kernregeln haben, die alle kennen und die immer gelten, haben weniger Konflikte als Familien mit zwanzig Regeln, die je nach Tagesform durchgesetzt werden. Der Schluessel: Regeln begruenden, nicht nur verordnen, und selbst daran halten.

Viele Familien haben Regeln. Aber wenn man ehrlich hinschaut, gelten die meisten davon nur manchmal. "Kein Handy beim Essen" endet, wenn ein Elternteil selbst aufs Handy schaut. "Zimmer aufraeumen vor dem Spielen" faellt weg, wenn die Zeit drang. Und Kinder sind sehr gut darin, diese Inkonsistenz zu bemerken.

Das Problem ist nicht, dass Familien keine Regeln haben. Das Problem ist, dass zu viele Regeln aufgestellt werden, zu wenig davon wirklich konsequent gelten, und Kinder dadurch lernen: Regeln sind verhandelbar, wenn ich lange genug nerve.

Was gute Familienregeln auszeichnet

Eine Regel, die funktioniert, hat drei Eigenschaften. Erstens: Sie ist klar formuliert und eindeutig. "Sei nett" ist keine Regel. "Wir reden nicht mit Schreien" ist eine Regel. Zweitens: Sie gilt fuer alle, auch fuer Eltern. Wenn Eltern selbst schreien, hat die Regel kein Gewicht. Drittens: Sie hat eine nachvollziehbare Begruendung, die das Kind versteht. "Weil ich das sage" hilft langfristig nicht. "Weil alle schlafen muessen, damit der Tag funktioniert" schon eher.

So einfuehren, dass Kinder mitmachen

Mit dem Kind besprechen, nicht verkuenden

Besonders ab dem Schulalter koennen Kinder in die Regelfindung einbezogen werden. Nicht bei allem, aber bei einigen Bereichen: Bildschirmzeit, Haushaltsaufgaben, Ausgehzeiten. Eine Regel, die jemand mitentschieden hat, wird seltener ignoriert. Das Gespraech braucht kein grosses Familien-Meeting. Eine ruhige Viertelstunde nach dem Essen reicht.

Weniger ist mehr

Fangt mit drei echten Regeln an, nicht mit zehn. Welche Dinge sind euch wirklich wichtig? Nicht alles kann gleich wichtig sein. Wenn ihr fuenf Dinge genuinen wollen koenntet, welche waeren es? Die anderen kommen spaeter, wenn die Kernregeln sitzen.

Konsequenzen vorher besprechen

Was passiert, wenn eine Regel gebrochen wird? Das sollte vorher klar sein, nicht im Moment der Verletzung entschieden werden. Kinder, die wissen, was folgt, testen die Grenze trotzdem manchmal, aber sie sind nicht ueberrascht, wenn die Konsequenz kommt.

Regeln anpassen, wenn das Kind aelter wird

Eine Regel, die fuer ein 7-Jaehriges funktioniert, passt vielleicht nicht mehr mit 12. Regeln duerfen sich veraendern, wenn sie gemeinsam verhandelt werden. Das zeigt Kindern, dass Regeln nicht willkuerlich sind, sondern Sinn ergeben und sich mit der Realitaet weiterentwickeln. Eine jaehrliche "Regelrevision" als normaler Familiengespraeche-Anlass kann helfen.

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Haeufige Fragen

Wie viele Regeln braucht eine Familie?

Weniger als die meisten Eltern denken. Drei bis fuenf echte Kernregeln, die wirklich gelten, sind wirksamer als zwanzig Regeln, die halbherzig durchgesetzt werden. Qualitaet schlaegt Quantitaet: lieber wenige, klare Regeln, die alle kennen und an die sich auch Eltern halten.

Sollen Kinder bei der Regelaufstellung mitentscheiden?

Bei Regeln ab dem Schulalter ja, zumindest bei einigen. Wenn Kinder mitentschieden haben, halten sie sich eher daran. Das bedeutet nicht, dass alles verhandelbar ist. Kernregeln wie Sicherheit, gegenseitiger Respekt und Schlafzeiten bleiben Elternentscheidungen. Aber wie Hausaufgabenzeit organisiert wird oder welche Bildschirmregeln gelten, kann man zusammen besprechen.

Was tue ich, wenn mein Partner andere Regeln hat als ich?

Erstmal: Das ist normal und kein Katastrophenzeichen. Kinder koennen mit unterschiedlichen Regeln in unterschiedlichen Kontexten umgehen. Was schaedet, ist offener Streit darueber vor dem Kind oder wenn ein Elternteil die Regeln des anderen systematisch untergraebt. Haltet die Kernregeln gemeinsam, habt Spielraum bei den anderen.

Mein Kind akzeptiert keine Regeln. Wo fange ich an?

Mit der kleinsten moeglichen Einheit: einer einzigen Regel, die wirklich wichtig ist und wirklich durchgehalten wird. Kinder, die keine Regeln akzeptieren, haben oft erlebt, dass Regeln nicht gelten oder dass Grenzen aufgeweicht werden, wenn sie lang genug protestieren. Bevor neue Regeln kommen, muessen die alten erst wieder verlaeesslich sein.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.

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