Erstklässler: Was Eltern im ersten Schuljahr wirklich helfen kann
Das erste Schuljahr ist fuer viele Kinder der groesste Umbruch ihres jungen Lebens. Kein Kindergarten mehr. Neue Menschen, neue Regeln, Noten, Aufgaben. Das ist viel auf einmal. Und fuer die Eltern ist es oft genauso aufregend.
Was Kinder in dieser Phase brauchen, ist klarer als man denkt. Und was Eltern oft tun, aber besser lassen sollten, auch.
Was den Start leichter macht
Routinen. Erstklässler, die jeden Morgen ungefaehr denselben Ablauf erleben, fruehstuecken besser, starten ruhiger und kommen seltener erschoepft an. Das klingt banal, ist aber einer der wirksamsten Faktoren fuer einen guten Schultag.
Ausreichend Schlaf. Grundschulkinder brauchen zehn bis elf Stunden Schlaf pro Nacht. Wer mit acht Stunden in die Schule muss, ist abends muerbe und morgens schwer in Gang zu bringen. Die Schlafenszeit ist ein Investment in den Schultag.
Ein Gespraech nach der Schule, das keine Befragung ist. 'Wie wars in der Schule?' beantwortet fast jedes Kind mit 'gut' und dann ist das Gespraech vorbei. Besser: 'Was war heute lustig?' oder 'Gab es etwas, das dich geaergert hat?' Das oeffnet mehr.
Was Eltern besser lassen sollten
Hausaufgaben uebernehmen. Wenn das Kind eine Aufgabe nicht loest und der Elternteil die Antwort diktiert, lernt das Kind, dass es Aufgaben nicht loesen kann, ohne Hilfe. Das gibt ihm nicht Sicherheit, sondern Abhaengigkeit.
Noten dramatisieren. Im ersten Schuljahr wird noch nicht oder wenig benotet. Aber Eltern projizieren trotzdem oft Druck auf die ersten Leistungsmessungen. Kinder, die schon in der ersten Klasse das Gefuehl bekommen, dass Noten etwas ueber ihren Wert aussagen, entwickeln eine Schulangst, die schwer wieder weggeht.
Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern. 'Deine Schwester konnte in dem Alter schon lesen' ist kein Motivationssatz. Es ist eine Aussage darueber, dass das Kind nicht genug ist.
Wenn das Kind schwerer startet als andere
Manche Kinder brauchen laenger, um in den Schulrhythmus zu finden. Das zeigt sich in Muedigkeit, Unlust oder auch koerperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen am Morgen. Das ist in den ersten Wochen normal.
Wenn die Bauchschmerzen nach sechs bis acht Wochen noch da sind oder staerker werden, lohnt ein Gespraech mit der Lehrkraft. Meistens gibt es eine konkrete Ursache, und die ist loesbar.
Was Kinder in der ersten Klasse wirklich lernen
Lesen und Schreiben natuerlich. Aber vor allem: in einer Gruppe sitzen, auf eine andere Person hoeren, auch wenn man selbst etwas anderes sagen moechte. Warten. Frustrationstoleranz. Das sind die Grundkompetenzen, auf denen die ganze weitere Schulzeit aufbaut.
Eltern, die das wissen, helfen ihrem Kind anders als Eltern, die ausschliesslich auf Buchstaben und Zahlen achten. Sie loben das Kind dafuer, dass es heute geduldig war, nicht nur dafuer, dass es etwas richtig gemacht hat.
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Haeufige Fragen
Wie erkenne ich, ob mein Kind schulreif ist?
Schulreife ist mehr als Wissen. Wichtig sind: Kann das Kind einer Anweisung folgen, auch wenn es lieber etwas anderes tun wuerde? Kann es eine Weile sitzen und sich konzentrieren? Kann es mit Frustration umgehen, wenn etwas nicht klappt? Diese sozialen und emotionalen Faehigkeiten sind fuer das erste Schuljahr mindestens so relevant wie Buchstabenkenntnisse.
Soll ich mit meinem Kind vor der Einschulung Lesen und Schreiben ueben?
Ein bisschen Vorbereitung schadet nicht: Buchstaben kennen, den eigenen Namen schreiben koennen, Zahlen bis zehn kennen. Aber intensives Vorlernen hat einen Haken: Wenn ein Kind in der ersten Klasse schon alles kann, kann Langeweile entstehen, die den Schulstart erschwert. Besser: Das Kind in seiner Neugier begleiten, ohne zu erzwingen.
Mein Kind ist nervoes vor der Einschulung. Was soll ich tun?
Nervositaet ist normal. Neue Situationen, neue Menschen, neues System. Das Kind spuert aber auch, was die Eltern fuehlen. Wenn Eltern selbst aufgeregt oder aengstlich sind, wird das uebertragen. Hilfreich ist konkretes Erklaeren: Was passiert am ersten Tag, wer ist dabei, wo ist die Toilette, wer holt das Kind ab. Konkrete Infos reduzieren das Unbekannte.
Wie viel soll ich bei Hausaufgaben helfen?
Im ersten Schuljahr brauchen Kinder meistens Begleitung, nicht Uebernahme. Das heisst: Du sitzt dabei, du bist ansprechbar, aber das Kind macht die Aufgaben selbst. Wenn du die Aufgaben machst, lernt das Kind, dass Aufgaben nicht loesbar sind, ohne dich. Das ist das Gegenteil von dem, was du willst.
Mein Kind will nicht in die Schule. Was steckt dahinter?
Das kommt im ersten Schuljahr haeufig vor, besonders nach den ersten Wochen, wenn die Aufregung nachlasst und die Muedigkeit kommt. Wichtig ist nachzufragen, was konkret nicht gepaellt: Ist jemand gemein? Schafft das Kind die Aufgaben nicht? Langweilt es sich? Die Antwort bestimmt die sinnvolle Reaktion.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete therapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.
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