Eltern am Spielfeldrand: Anfeuern oder ruhig bleiben?
Kurz gesagt: Deine Anwesenheit am Spielfeldrand macht deinem Kind etwas aus, auch wenn es das nicht zeigt. Allgemeines Anfeuern ist gut. Hineinrufen, Fehler kommentieren oder sichtbar enttäuscht wirken, wenn das Team verliert, belastet die meisten Kinder. Die wichtigste Frage nach dem Spiel: "Hat es dir Spaß gemacht?" Nicht: "Wie war deine Leistung?"
Was Kinder vom Spielfeldrand wirklich mitbekommen
Kinder nehmen die Eltern am Rand wahr, auch wenn sie gerade spielen. Studien mit Sportpsychologen zeigen, dass Kinder und Jugendliche die Körpersprache, die Mimik und die Stimmlage der Eltern am Rand wahrnehmen. Die eigentliche Spielperformance wird durch hohe Erwartungen am Rand nicht besser, oft sogar schlechter.
Das liegt daran, dass Sport für Kinder und Jugendliche ein Ort ist, an dem sie gleichzeitig spielen, dazugehören, scheitern und es wieder versuchen sollen. Das braucht Sicherheit. Ein Elternteil, das jede Szene kommentiert, macht aus dem Spielfeld eine Bühne. Und auf einer Bühne spielt es sich anders als im Team.
Was hilft, was schadet
Es gibt keinen Unterschied zwischen "viel anfeuern" und "wenig anfeuern" als solches. Der Inhalt zählt.
Was von Kindern gut aufgenommen wird:
- Allgemeines Ermutigen, das nicht an eine Aktion gebunden ist: "Du machst das gut", "Weitermachen".
- Klatschen, wenn das Team etwas geleistet hat, ohne zu bewerten, wer wie viel beigetragen hat.
- Ruhiges Dasein, das dem Kind zeigt: Ich bin hier, egal wie es läuft.
Was die meisten Kinder als Druck erleben:
- Taktische Anweisungen vom Rand: "Schuss! Lauf nach links! Warum hast du nicht...?" Das ist der Job des Trainers. Vom Rand klingt es wie Kontrolle.
- Sichtbare Enttäuschung nach Fehlern oder Niederlagen. Auch wenn du nichts sagst, sieht dein Kind, wie du nach einem verlorenen Spiel dreinschaust.
- Gegner oder den Schiedsrichter kritisieren. Das setzt das Kind in eine Loyalitäts- frage zwischen dir und dem sozialen Umfeld des Sports.
- Dein Kind mit anderen Kindern vergleichen. Laut oder leise.
Was Trainer berichten
Viele Kinder- und Jugendtrainer kennen das Problem gut: Die emotionalsten Eltern am Rand sind häufig diejenigen, bei denen Kinder nach dem Training sagen, dass sie aufhören wollen. Nicht weil der Sport zu anstrengend ist, sondern weil der Spielfeldrand zu anstrengend ist. Wenn dein Kind von Sport redet, aber immer nervöser wird, wenn du sagst, dass du kommst, lohnt ein offenes Gespräch.
Das Gespräch nach dem Spiel
Wie du nach dem Spiel mit deinem Kind sprichst, prägt, wie es Sport langfristig erlebt. Die erste Frage macht den Unterschied.
- Warte mindestens zwanzig Minuten, bevor du überhaupt anfängst. Im Auto auf dem Heimweg ist häufig zu früh.
- Fang mit einer offenen Frage an: "Hat es dir Spaß gemacht?" oder "Wie war das für dich?" Das gibt dem Kind die Kontrolle darüber, was es erzählen will.
- Wenn das Kind schlecht gespielt hat oder das Team verloren hat: Nicht sofort trösten und nicht sofort analysieren. Erst fragen, wie das Kind das erlebt.
- Wenn du etwas sagen willst, was du beobachtet hast: Nur eine Sache, und formuliere es als Frage. "Ich habe gesehen, dass du in der zweiten Halbzeit öfter zu deinem Mitspieler gepasst hast. War das Absicht?" Das signalisiert Interesse, nicht Kontrolle.
Wenn dein Kind dich bittet, nicht mehr zu kommen
Das tut weh. Aber es ist ein klares Signal, das du ernst nehmen solltest.
Frag ohne Verteidigung nach: "Was stört dich daran, wenn ich dabei bin?" Hör zu, ohne sofort zu rechtfertigen. Manchmal ist es ein konkretes Verhalten, das du ändern kannst. Manchmal braucht dein Kind schlicht einen eigenen Raum, in dem es nicht auch noch für deine Erwartungen verantwortlich ist. Beides ist verständlich.
Wenn dein Kind einen eigenen Raum braucht: Gib ihn. Es geht nicht darum, ob du das verdient hast oder nicht. Es geht darum, dass dein Kind Sport machen kann, ohne sich gleichzeitig um dich zu kümmern.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine sportpsychologische Beratung.
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Häufige Fragen
Schadet es dem Kind, wenn ich beim Sport anfeuere?
Anfeuern an sich schadet nicht. Was zählt, ist wie du es tust. Allgemeines Anfeuern wie 'Mach weiter!' oder 'Du schaffst das!' wird von Kindern meistens positiv erlebt. Schädlich wird es, wenn der Ton zu dirigierend wird ('Schuss! Jetzt!'), wenn du Fehler kommentierst oder wenn du den Eindruck vermittelst, das Ergebnis sei dir wichtiger als die Teilnahme. Kinder nehmen den emotionalen Zustand ihrer Eltern am Rand sehr genau wahr.
Was tun, wenn ich selbst merke, dass ich zu emotional werde?
Das ist ein gutes Zeichen, dass du es merkst. Hilfreich: Ein paar Schritte vom Spielfeld weggehen, wenn du merkst, dass du zu angespannt bist. Manchmal hilft auch, vor dem Spiel mit dir selbst auszumachen, was du nicht sagen wirst. Wenn das Spiel vorbei ist, kurz nichts sagen und erst dann fragen: 'Hat dir das Spiel Spaß gemacht?' Das gibt dem Kind Raum.
Mein Kind sagt mir, ich soll nicht mehr kommen. Wie gehe ich damit um?
Nimm das ernst. Dein Kind braucht diesen Raum. Frag ohne Verteidigung nach: 'Was stört dich daran, wenn ich dabei bin?' Hör zu, ohne sofort zu rechtfertigen. Manchmal ist es eine Phase, manchmal ein konkretes Verhalten. Wenn du weißt, was genau stört, kannst du klären, ob du kommen und das Verhalten ändern kannst, oder ob du eine Weile Abstand gibst. Beides ist legitim.
Sollte ich nach dem Spiel mit meinem Kind über die Leistung sprechen?
Ja, aber nicht sofort und nicht als Analyse. Warte mindestens zwanzig Minuten nach dem Spiel, bevor du überhaupt anfängst. Fang mit einer offenen Frage an: 'Wie war das für dich?' Nicht: 'Warum hast du den Ball damals nicht gespielt?' Leistungsanalysen sind Sache des Trainers. Deine Rolle am Rand ist Unterstützung, nicht Coaching.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete sportpsychologische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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