Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Albträume bei Kindern: Wie Eltern helfen und beruhigen

Kurz gesagt: Gelegentliche Albträume gehören zur Entwicklung dazu und sind meist harmlos. Sie treten in der zweiten Nachthälfte auf, dein Kind wacht auf und ist ansprechbar. Wichtig ist jetzt vor allem Trost: Nähe, eine ruhige Stimme und das Gefühl, dass es sicher ist. Vom Albtraum zu unterscheiden ist der Nachtschreck, bei dem das Kind panisch wirkt, aber nicht wach ist. Häufen sich Albträume oder belasten sie stark, lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin.

Warum Kinder Albträume haben

Im Traum verarbeitet das Gehirn, was tagsüber passiert ist. Bei Kindern wächst die Fantasie besonders in den Jahren zwischen drei und sechs stark, und damit auch die Bilder, die nachts entstehen. Aufregung, ein spannender Film, ein Streit, Ängste oder Veränderungen können sich in einem bösen Traum niederschlagen. Das ist kein Zeichen einer Störung, sondern gesunde seelische Arbeit.

Ein Albtraum spielt sich in der zweiten Nachthälfte ab, in der Phase des Traumschlafs. Dein Kind wacht davon auf, ist wach und ansprechbar und kann sich oft an den Traum erinnern. Genau deshalb braucht es dich in diesem Moment: um zu begreifen, dass die beängstigenden Bilder nicht echt sind.

So beruhigst du dein Kind nach einem Albtraum

Geh hin, nimm dein Kind in den Arm und sprich ruhig und leise. Sag ihm, dass es sicher ist, dass du da bist und dass der Traum vorbei ist. Vermeide es, die Angst kleinzureden („Das ist doch nur ein Traum, stell dich nicht so an"). Für dein Kind war die Angst echt, und ernst genommen zu werden beruhigt am meisten.

Mach gedämpftes Licht an, wenn das hilft, und bleib, bis dein Kind sich beruhigt hat. Ein vertrautes Kuscheltier oder ein Nachtlicht gibt zusätzlich Sicherheit. Meist findet dein Kind mit deiner Nähe rasch wieder in den Schlaf. Über den Traum selbst muss es jetzt nicht sprechen, es sei denn, es möchte es von sich aus.

Kostenlose, anonyme Beratung – rund um die Uhr

Albtraum oder Nachtschreck?

Der Nachtschreck, fachlich Pavor nocturnus, sieht dramatisch aus, ist aber etwas anderes. Er tritt in der ersten Nachthälfte auf: Dein Kind schreckt hoch, schreit, wirkt panisch, hat die Augen offen, ist aber nicht richtig wach. Es reagiert nicht auf Ansprache und erinnert sich am Morgen an nichts.

Beim Nachtschreck weckst du dein Kind besser nicht, denn das verwirrt zusätzlich. Sorge nur dafür, dass es sich nicht verletzt, bleib ruhig daneben und warte, bis es von selbst wieder in den Schlaf gleitet. Auch der Nachtschreck ist meist harmlos und verschwindet mit dem Älterwerden.

Albträumen vorbeugen

Ein ruhiger Abend beugt bösen Träumen vor. Sorge für einen entspannten Ausklang ohne aufregende Filme, Spiele oder Bildschirme kurz vor dem Schlafen. Ein festes Einschlafritual und genügend Schlaf machen den Schlaf insgesamt stabiler. Sprecht tagsüber über Sorgen, damit sie sich nicht erst nachts Bahn brechen.

Bei einem wiederkehrenden Traum kann es helfen, ihm gemeinsam am Tag ein gutes, mutiges Ende auszudenken, den Traum zu malen oder ein „Traumfänger"-Ritual einzuführen. Solche Ideen geben deinem Kind das Gefühl, dem Traum nicht hilflos ausgeliefert zu sein.

Wann du genauer hinschauen solltest

Hol dir Rat bei der Kinderärztin, wenn Albträume sich über Wochen häufen, dein Kind aus Angst vor dem Schlafen nicht mehr ins Bett will, tagsüber sehr ängstlich oder erschöpft ist oder wenn die Träume kurz nach einem belastenden Erlebnis begonnen haben.

In solchen Fällen kann eine Fachkraft klären, ob eine seelische Belastung dahintersteckt, die Begleitung braucht. Frühe Hilfe nimmt Druck von deinem Kind und von der ganzen Familie und sorgt dafür, dass wieder alle ruhiger schlafen.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Albtraum und Nachtschreck?

Ein Albtraum passiert in der zweiten Nachthälfte, das Kind wacht auf, ist ansprechbar und kann sich am Morgen oft an den Traum erinnern. Beim Nachtschreck (Pavor nocturnus) schreckt das Kind in der ersten Nachthälfte hoch, wirkt panisch, ist aber nicht richtig wach und erinnert sich später an nichts. Beim Nachtschreck weckst du das Kind besser nicht, sondern sorgst nur für Sicherheit.

Ab welchem Alter haben Kinder Albträume?

Albträume beginnen häufig zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, wenn die Fantasie stark wächst und Kinder Erlebtes im Traum verarbeiten. Gelegentliche Albträume sind in dieser Zeit völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Sollte ich mein Kind nach einem Albtraum über den Traum reden lassen?

Am wichtigsten ist zunächst Trost und Sicherheit. Wenn dein Kind erzählen möchte, hör ruhig zu und nimm die Angst ernst, ohne den Traum groß auszumalen. Tagsüber kann es helfen, dem Traum ein gutes Ende zu geben oder ihn zu malen. Dräng dein Kind aber nicht, wenn es nicht sprechen mag.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

Weitere Beiträge in der Leseecke

Zum Magazin

Deine Situation ist anders?

Starte eine kostenlose Beratung – beschreib dein konkretes Anliegen und Kinwords gibt dir in zwei Minuten personalisierte Gesprächs-Formulierungen für genau deinen Fall.

Kostenlos starten

Ein Ratgeber der Woche und ein Gesprächs-Starter, den du heute Abend mit deinem Kind ausprobieren kannst. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.