Freundschaften6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

ADHS und Freundschaften: Warum es schwerer ist und wie Eltern helfen können

Kurz gesagt: ADHS-Kinder wollen Freundschaften genauso wie andere Kinder – aber Impulsivität und Unaufmerksamkeit machen es ihnen schwerer. Strukturierte Spielsituationen, wenig Kinder auf einmal und gezieltes Üben sozialer Signale helfen mehr als Ermahnungen.

Dein Kind kommt nach Hause und sagt, niemand wolle mit ihm spielen. Oder du beobachtest auf dem Schulhof, wie es von Gruppe zu Gruppe läuft, aber nirgends wirklich ankommt. Das ist eine der schmerzhaftesten Seiten von ADHS – nicht für das Kind allein, auch für die Eltern.

ADHS-Kinder sind nicht unsozial. Viele wollen Kontakt, suchen ihn aktiv – und scheitern trotzdem immer wieder. Nicht weil sie böse oder rücksichtslos sind, sondern weil ihr Gehirn anders arbeitet.

Warum Freundschaften bei ADHS schwerer sind

Impulsivität stört das Miteinander

Ein ADHS-Kind, das mitten im Spiel die Regeln ändert, einem anderen Kind etwas aus der Hand nimmt oder aufspringt und losrennt, ohne zu erklären warum – das wirkt auf andere Kinder chaotisch oder unfair. Andere Kinder reagieren mit Rückzug, auch wenn keine böse Absicht dahintersteckt.

Soziale Signale werden übersehen

ADHS geht oft mit Schwierigkeiten einher, nonverbale Signale zu lesen: das genervte Gesicht des Gegenübers, die leicht gesenkte Stimme, die Pause, die bedeutet „jetzt bist du dran". ADHS-Kinder unterbrechen nicht aus Unhöflichkeit – sie bemerken das Signal oft schlicht nicht.

Emotionale Überwältigung führt zu Rückzug

Manche ADHS-Kinder, vor allem Mädchen, reagieren auf soziale Überforderung nicht mit Lautstärke, sondern mit Rückzug. Sie ziehen sich aus Gruppen zurück, bevor es schiefgeht – und bleiben dann lieber allein.

Was du konkret tun kannst

Kleine Gruppen bevorzugen. Zwei Kinder funktionieren besser als fünf. Lade nach Möglichkeit nur ein Kind auf einmal ein. In einer großen Gruppe wird die Überforderung größer und die Chancen, einen echten Kontakt zu knüpfen, kleiner.

Strukturierte Aktivitäten wählen. Freies Spielen ohne Plan überfordert viele ADHS-Kinder mehr als Aktivitäten mit klaren Regeln. Ein Brettspiel, Lego nach Vorlage oder gemeinsames Kochen gibt Struktur und reduziert die Zahl der Momente, in denen Impulsivität stört.

Nachbesprechung statt Vorwürfe. Wenn ein Treffen schiefgelaufen ist, hilft die Frage: „Was hätte das andere Kind vielleicht gedacht, als du [Situation] gemacht hast?" Nicht als Vorwurf, sondern als echtes Nachdenken. Viele ADHS-Kinder haben blinde Flecken – sie brauchen jemanden, der ihnen hilft, die Situation aus der Perspektive des anderen zu sehen.

Gleichgesinnte suchen. Manchmal ist das Problem nicht das Kind, sondern die Umgebung. Ein Kind, das für Chaos bekannt ist, findet in einer Sportmannschaft oder einer Bastelgruppe mit ähnlich aktiven Kindern vielleicht seinen Platz leichter.

Soziales Kompetenztraining in Betracht ziehen. Für Kinder mit ADHS gibt es spezifische Gruppentrainings, in denen soziale Situationen geübt werden – nicht als Therapie im klassischen Sinn, sondern als Training. Frag deinen Kinderarzt oder die behandelnde Stelle nach Angeboten.

Was nicht hilft

Ermahnungen vor dem Treffen („Diesmal benimm dich") helfen nicht. Das Kind weiß meistens, dass es sich anstrengen soll – es kann im Moment nicht auf die Bremse treten. Schuld funktioniert nicht als Steuerung für ADHS-Verhalten. Begleitung und Übung schon.

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Häufige Fragen

Warum hat mein Kind mit ADHS so wenig Freunde?

Kinder mit ADHS reagieren oft impulsiv, unterbrechen andere, wechseln abrupt das Thema oder werden schnell überwältigt und ziehen sich zurück. Das macht es schwerer, das Vertrauen anderer Kinder aufzubauen. Das ist kein Charakterfehler – es ist eine Folge der neurobiologischen Besonderheiten bei ADHS. Mit gezielter Unterstützung und passenden sozialen Situationen können ADHS-Kinder sehr gute Freundschaften entwickeln.

Soll ich eingreifen, wenn mein Kind beim Spielen Konflikte hat?

Nicht sofort – aber beobachte. ADHS-Kinder brauchen manchmal sanftes Coaching danach: „Was denkst du, wie sich das andere Kind gefühlt hat?“ Greife ein, wenn ein Konflikt eskaliert oder dein Kind regelmäßig ausgeschlossen wird. In dem Fall hilf, die Situation zu deeskalieren, und besprich danach in Ruhe, was passiert ist.

Helfen Soziale-Kompetenz-Trainings bei ADHS-Kindern?

Ja, und sie sind oft sehr wirksam. Gruppenbasierte Soziale-Kompetenz-Trainings, in denen Kinder mit ADHS gemeinsam Situationen üben, sind Teil der Standardbehandlung. Frag bei deiner Kinderpsychologin oder beim Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) nach passenden Angeboten in deiner Nähe.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete therapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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